Kurzbeschreibung

Dieser Ausschnitt aus einer Wochenschau aus dem Jahr 1921 zeigt die Ansammlung von Fabriken, Büros und Arbeiterwohnungen am westlichen Rand Berlins, bekannt als „Siemensstadt“, ein ganzer Stadtbezirk, der von und für den riesigen Elektrokonzern Siemens geschaffen wurde. Der Bericht beschreibt Siemens als Wirtschaftsmotor der Stadt und als Unternehmen, dessen zukunftsweisendes architektonisches Gespür seine langfristige Zukunftsfähigkeit widerspiegelte. Die Aufnahmen konzentrierten sich insbesondere auf den majestätischen achtzig Meter hohen „Siemensturm“, die „größte elektrische Turmuhr der Welt“, wie ein Zwischentitel betont. Das raffinierte Design der Uhr verdeutlicht die technologische Kompetenz des Unternehmens, während ihre imposante Sichtbarkeit die Bedeutung unterstrich, welche die Unternehmensführung der zeitlichen Effizienz und Pünktlichkeit beimaß. Das Unternehmen stellte jedoch keine Uhren für den kommerziellen Gebrauch her, sondern konzentrierte sich seit seiner Gründung im Jahr 1847 auf ein ständig wachsendes Angebot an Beleuchtungs- und Elektrogeräten sowie Telekommunikationssystemen, von Telegrafen bis hin zum Radio. Im Zuge seiner Expansion Ende des 19. Jahrhunderts erwarb Siemens ein großes Grundstück in der Nähe von Spandau am nordwestlichen Rand Berlins als neuen Standort für seine Werke und Fabriken. Außerdem beauftragte das Unternehmen Architekten mit dem Entwurf attraktiver Wohnungen für seine Mitarbeiter, die über private Badezimmer, Zentralheizung und viel Grünfläche verfügten und damit in starkem Kontrast zu den düsteren und gedrängten Arbeiterwohnungen in den meisten anderen Fabrikvierteln standen. Im Jahr 1920, nur ein Jahr vor der Entstehung dieser Wochenschau, gliederte das Deutsche Reich die Siemensstadt offiziell in die Stadt Berlin ein, als Teil einer groß angelegten Erweiterung der Stadtgrenzen zum neuen „Groß-Berlin”. Die Siemensstadt behielt jedoch ihren eigenen Charakter, auch wenn sie mit der Stadt wuchs. Bis 1930 verfügte der Stadtteil über mehr als 500 Wohnhäuser sowie eigene Schulen, Polizei und Feuerwehr, Postämter, Kirchen, Theater und Freizeitzentren.

Die Siemensstadt in Berlin (1921)

Quelle

Quelle: Messter-Woche (Ausschnitt), Messter-Film, 1921. Bundesarchiv Filmarchiv, Filmwerk ID: 22787. https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/video/22787/630637

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