Quelle
Quelle: Isenberg family visits relatives in Gilserberg, USHMM: RG-60.1484. United States Holocaust Memorial Museum, mit freundlicher Genehmigung von Mark Isenberg.
Als 1923 16-mm-Filmkameras auf den Verbrauchermarkt kamen, begannen Amateure und Hobbyfilmer, Familienfeiern, Urlaube und Szenen aus dem privaten Leben zu filmen. Die hier zu sehenden Aufnahmen, die Salomon (Sally) Isenberg während eines Besuchs bei Verwandten in dem ländlichen Dorf Gilserberg in Hessen machte, bieten einen seltenen Einblick in das jüdische Leben in einer ländlichen Region Mitteldeutschlands, das in starkem Kontrast zu dem der Mehrheit der deutschen Juden stand, die zu dieser Zeit in Städten lebten. Seit dem 18. Jahrhundert gab es in Gilserberg eine jüdische Gemeinde, die Ende der 1920er Jahre etwa 70 Menschen umfasste, was etwa 15 % der Dorfbevölkerung entsprach. Isenberg filmte bei seinem Besuch sowohl den jüdischen Friedhof als auch die Synagoge von Gilserberg. Außerdem richtete er seine Kamera auf das Dorf- und Bauernleben im Allgemeinen sowie auf seine Familie und die seiner Verwandten, der Familie Stern. Das Filmmaterial dokumentiert die Koexistenz moderner Technik wie eines Motorrads und eines Mercedes-Automobils neben der Nutzung tierischer Zugkraft und der traditionellen Heuernte mit Rechen. Es zeigt zudem die typische Kleidung der Zeit, wie beispielsweise Jungen in Matrosenanzügen. Die Isenbergs, die in einer größeren Stadt lebten, trugen etwas andere Kleidung und Frisuren als ihre Verwandten auf dem Land, doch alle kleideten sich schick, wenn sie ausgingen, beispielsweise bei Nachmittagsspaziergängen am Wochenende. Ein Fußballspiel zwischen Jungen am Ende dieses Filmausschnitts erinnert daran, dass dieser Sport in der Zwischenkriegszeit allgegenwärtig war, wenn auch fast immer nur für Jungen. Die Familie Isenberg lebte in der Zwischenkriegszeit zeitweise in Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein, bevor sie 1938 schließlich in die Vereinigten Staaten auswanderte.
Quelle: Isenberg family visits relatives in Gilserberg, USHMM: RG-60.1484. United States Holocaust Memorial Museum, mit freundlicher Genehmigung von Mark Isenberg.
USHMM