Kurzbeschreibung
Laut Versailler Vertrag sollte das deutsche Heer auf 100.000
Berufssoldaten reduziert und die Freikorps aufgelöst werden.
Dementsprechend schwelte sowohl unter Offizieren als auch Soldaten der
Hass auf die Regierung, die den Vertrag unterzeichnet hatte.
Insbesondere die Freikorps, welche Reichswehrminister Noske noch kurz
zuvor zur Niederschlagung der radikal-linken Revolutionäre eingesetzt
hatte, widersetzten sich ihrer Auflösung. Zu ihnen gehörte auch die
offen republikfeindliche Marinebrigade unter dem Kommando von
Korvettenkapitän Hermann Ehrhardt, die aus ca. 5000 Soldaten bestand,
welche Hakenkreuze auf ihren Stahlhelmen trugen und sich weigerten, die
Flagge der Republik zu hissen. Noske ordnete am 29. Februar 1920 ihre
Auflösung an, doch General Walther von Lüttwitz (1859-1942), General des
Reichswehrgruppenkommandos, widersetzte sich dem Befehl. Zudem versagte
er der Regierung die Unterstützung, forderte die sofortige Auflösung der
Nationalversammlung und Neuwahlen sowie seine Einsetzung als
Oberbefehlshaber der Reichswehr. Als die Reichswehr sich weigerte, im
Fall eines Putsches gegen die regierungsfeindlichen Truppen vorzugehen,
beschloss Ebert mit dem Großteil seines Kabinetts nach Dresden
auszuweichen. Am Morgen des 13. März, kurz nachdem die Regierung die
Hauptstadt verlassen hatte, marschierte die Marinebrigade Ehrhardt in
Berlin ein und besetzte das Regierungsviertel. Dieses Foto zeigt schwer
bewaffnete Truppen der Marinebrigade Ehrhardt, die am Hakenkreuz auf
Stahlhelmen und Lastwagen zu erkennen sind, am Potsdamer Platz,
vermutlich auf dem Weg ins Regierungsviertel. Von der Ladefläche des
Lastwagens schwenken sie die Flagge der kaiserlichen Marine. Wolfgang
Kapp (1868-1922), der ostpreußische rechtskonservative Vorsitzende der
Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), erklärte die Regierung für
abgesetzt und ernannte sich selbst zum neuen Reichskanzler. Seinen
Mitverschwörer Lüttwitz ernannte er zum Reichswehrminister und
Oberbefehlshaber. Zu den hochrangigen Militärs, die den Putsch
unterstützten, zählte auch General Erich Ludendorff. Der Putsch
scheiterte jedoch an der Opposition der Berliner Ministerialbeamten
einerseits, die sich loyal zur rechtmäßigen Regierung verhielten und dem
der Arbeiterschaft auf der anderen Seite, da die Gewerkschaften einen
Generalstreik ausriefen und damit die Stadt lahmlegten. Am 15. März
standen Verkehr und öffentliches Leben in Berlin still, und Strom-, Gas-
und Wasserleitungen waren außer Betrieb. Auch die Reichsbank weigerte
sich, Zahlungen an die Putschisten zu tätigen. Am 17. März kapitulierten
die Putschisten, Kapp und Lüttwitz traten zurück und setzten sich
anschließend ins Ausland ab. Nur einer der Putschisten, der von Kapp zum
Innenminister ernannte Traugott von Jagelow, musste sich später vor
Gericht verantworten und wurde nach wenigen Jahren aus der Haft
entlassen. Die Gewerkschaften, die durch ihren maßgeblichen Anteil an
der Vereitelung des Putsches an politischem Selbstbewusstsein gewonnen
hatten, verlangten den Rücktritt Gustav Noskes als Reichswehrminister,
da er den reaktionären Tendenzen innerhalb der Reichswehr keinen Einhalt
gebot. Am 22. März trat Ebert zurück und wurde durch Otto Geßler (DDP)
ersetzt. Zudem wurde General Hans von Seeckt neuer Chef der
Heeresleitung.