Kurzbeschreibung

Diese beiden Fotomontagen des politisch engagierten Künstlers John Heartfield (1891-1968) kritisierten die Mitte-Links-SPD dafür, dass sie angeblich ihre sozialistischen Prinzipien aufgegeben und sich stattdessen bei Kapitalisten und der konservativen Ordnung eingeschmeichelt hatte. Seine Arbeiten erschienen regelmäßig in der Arbeiter-Illustrierten-Zeitung (AIZ), einer prokommunistischen Wochenzeitung, die der einflussreiche Verleger Willi Münzenberg zur größten sozialistischen Publikation in Deutschland aufbaute. In diesen Werken spiegelte sich das tiefe Misstrauen wider, das seit Beginn der Weimarer Republik zwischen der Mitte-Links-SPD und der linksextremen KPD herrschte, obwohl beide Parteien zumindest rhetorisch an der marxistischen Lehre festhielten. Diese tiefe Kluft zwischen SPD und KPD hinderte sie letztlich daran, sich zusammenzuschließen, um der gefährlich wachsenden Bedrohung durch die NSDAP in den frühen 1930er Jahren entgegenzuwirken.

Der 1891 in Berlin als Sohn sozialistischer Eltern geborene Heartfield hatte zur Zeit des Ersten Weltkriegs seinen Namen von Helmut Herzfeld in John Heartfield anglisiert, um gegen den Nationalismus und die Fremdenfeindlichkeit zu protestieren, die er als Ursache für den Konflikt ansah. Gemeinsam mit George Grosz gilt Heartfield als Begründer der Fotomontage als Kunstform. Heartfield begann 1930 mit der Veröffentlichung seiner Fotomontagen in der AIZ.
In der Fotomontage „Zum Krisen-Parteitag der SPD“, die im Juni 1931 in der AIZ erschien, zitierte Heartfield den SPD-Gewerkschafter Fritz Tarnow, der sagte: „Die Sozialdemokratie will nicht den Zusammenbruch des Kapitalismus. Sie will wie ein Arzt versuchen, ihn zu heilen und zu verbessern.“ Heartfield kritisierte diese Äußerung beißend als Zeichen dafür, dass sich die SPD von dem Ziel, ein kapitalistisches System durch ein sozialistisches zu ersetzen, abgewandt habe. Er persiflierte die SPD-Führung, die zu dieser Zeit ihren Parteitag in Leipzig abhielt, als „Leipziger Tierärzte“, die den Tiger des Kapitalismus zunächst gesundpflegen und ihm dann die Zähne ziehen wollten.

Die Fotomontage „Die letzte Weisheit der SPD: ‚Nieder mit dem Marxismus!‘“, die ebenfalls 1931 erschien, kritisierte Wilhelm Sollmann, einen dezidiert zentristischen SPD-Abgeordneten im Kölner Reichstag. Auf dem Parteitag der SPD 1931 in Leipzig verteidigte Sollmann die damalige Politik der Partei, die bestehende Mitte-Rechts-Regierung zu tolerieren. Der Untertitel lautet: „Sie sind als falscher Prophet verhaftet, Herr Karl Marx – wir haben nicht unsere Ketten zu verlieren, sondern unsere Futtertröge und Ministersessel“, womit er unterstellte, dass die SPD ihre Prinzipien dem Streben nach Macht und Privilegien geopfert habe. Die Montage zeigt, wie der preußische Innenminister und Berliner Polizeipräsident Albert Grzesinski, ebenfalls SPD-Mitglied, die Verhaftung anordnet. Grzesinski war zwei Jahre zuvor gegen illegale öffentliche KPD-Kundgebungen in Berlin vorgegangen. Marx hält derweil ein Exemplar der offiziellen KPD-Zeitung Die Rote Fahne in der Hand.

Zwei Fotomontagen des Künstlers John Heartfield (1931)

Quelle

Quelle: John Heartfield, Zum Krisen-Parteitag der SPD, Fotomontage, 1931. Heartfield Online: https://heartfield.adk.de/node/3712
John Heartfield, Die letzte Weisheit der SPD, Fotomontage, 1931. Heartfield Online: https://heartfield.adk.de/node/3503

Akademie der Künste

Zwei Fotomontagen des Künstlers John Heartfield (1931), veröffentlicht in: German History in Documents and Images, <https://germanhistorydocs.org/de/die-weimarer-republik-1918-1933/ghdi:image-5321> [16.03.2026].