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Auslegung des andern Unterschieds Danielis, des Propheten1, gepredigt auf dem Schloß zu Allstedt vor den tätigen, teuren Herzögen und Vorstehern zu Sachsen durch Thomas Müntzer, Diener des Wortes Gottes. Allstedt 1524
Zuerst wurde der Text des hier genannten Kapitels der Weissagung des Propheten Daniel nach seinen klaren Worten gesprochen und verdolmetscht und dann die ganze Predigt in eine gedankliche Ordnung gebracht, die nun folgt:
Es ist zu wissen, daß der armen, elenden, zerfallenden Christenheit weder zu raten noch zu helfen ist; es sei denn, daß sich die fleißigen, unverdrossenen Gottesknechte täglich mit der Bibel beschäftigen durch Singen, Lesen und Predigen. Aber dadurch wird der Kopf der zarten Pfaffen ständig große Stöße erleiden oder sein Handwerk bleiben lassen müssen. Wie soll man dem aber anders dienen, solange die Christenheit so jämmerlich durch reißende Wölfe verwüstet ist, wie Jes. 5, Ps. 79 vom Weinberg Gottes geschrieben ist und Sankt Paulus Eph. 5 lehrt, wie man sich in göttlichen Lobgesängen üben soll? Denn ebenso wie zur Zeit der lieben Propheten Jesaja, Jeremias, Hesekiel und der anderen die ganze Gemeinde der Auserwählten Gottes so ganz und gar in die abgöttische Weise geraten war, daß ihr auch Gott nicht helfen konnte, sondern sie gefangen wegführen und unter den Heiden so lange peinigen lassen mußte, bis sie seinen heiligen Namen wiedererkannten (wie geschrieben steht Jes. 29, Jer. 15, Hes. 36, Ps. 88), so – und in keinem Falle weniger – ist auch zu unserer Väter und unserer Zeit die arme Christenheit noch viel höher verstockt und dabei noch mit einem unaussprechlichen Schein des göttlichen Namens verbrämt (Luk. 21, 2. Tim 3), womit sich der Teufel und seine Diener hübsch schmücken (2. Kor. 11) – ja, so hübsch, daß die rechten Gottesfreunde damit verführt werden und auch mit dem aufs höchste aufgewendeten Fleiß kaum ihren Irrtum merken können, wie Matth. 24 klar anzeigt.
Dies alles richtet die gedichtete Heiligkeit und das heuchlerische Entschuldigen der gottlosen Feinde Gottes an, wenn sie sagen, die christliche Kirche kann nicht irren, wo sie doch geschaffen ist, den Irrtum zu verhüten, und deshalb durch das Wort Gottes ständig erbaut und vom Irrtum frei erhalten werden soll, ja, auch die Sünde ihrer Unwissenheit erkennen soll (Leviticus 4, Hosea 4, Mal. 2, Jes. 1).
Aber das ist wohl wahr: Christus, der Sohn Gottes, und seine Apostel, ja auch vor ihm seine heiligen Propheten haben wohl eine rechte reine Christenheit angefangen, den reinen Weizen in den Acker geworfen – das heißt, das teure Wort Gottes in die Herzen der Auserwählten gepflanzt, wie Matth. 12, Markus 4, Lukas 8 und Hesekiel 36 geschrieben ist.
Aber die faulen, nachlässigen Diener derselben Kirche haben dies mit emsigem Wachen nicht vollenden und erhalten wollen, sondern sie haben das Ihre gesucht und nicht, was Jesus Christus war (Phil. 2). Deshalb haben sie den Schaden der Gottlosen – das ist das Unkraut – kräftig einreißen lassen (Ps. 79).
Als der Eckstein, um den es hier geht und von dem Jesaja 28 sagt, noch klein gewesen ist, hat er fürwahr die Welt nicht gar erfüllt. Er wird sie aber gar bald erfüllen und voll, voll machen. Darum ist der aufgerichtete Eckstein im Anfang der neuen Christenheit bald verworfen von den Bauleuten – das heißt, von den Regenten (Psalm 117 und Lukas 20). Also – sag ich – ist die angefangene Kirche baufällig geworden an allen Orten bis auf die Zeit der zertrennten Welt (Luk. 21 und hier Dan. 2, Esra 4). Denn Hegesippus und Eusebius sagen im 22. Kapitel des 4. Buches der Geschichte der christlichen Kirche, daß die christliche Gemeinde nicht länger eine Jungfrau geblieben sei als bis zur Zeit des Todes der Apostelschüler, und bald danach ist sie eine Ehebrecherin geworden, wie denn zuvor durch die lieben Apostel verkündigt war (2. Petr. 2). Und in der Apostelgeschichte (Act. 20) hat Sankt Paulus mit klaren, hellen Worten zu den Hirten der Schafe Gottes gesagt: „Habt Achtung auf euch selber und auf die ganze Herde, über die euch der Heilige Geist zu Wächtern gesetzt hat, daß ihr die Gemeinde Gottes weiden sollt, die er durch sein Blut erworben hat. Denn ich weiß, daß nach meinem Abschied reißende Wölfe unter euch kommen werden, die die Herde nicht verschonen werden. Es werden auch von euch selber Männer aufstehen, die da verkehrte Lehren reden und die selbst Jünger nach sich ziehen. Darum seht darauf!“
[…]
Hiernach verwarfen ihn die Schriftgelehrten (Ps. 117, Matth. 21, Markus 12, Lukas 20), wie sie das noch heutzutage pflegen. Ja, sie haben am Ende noch gar wohl die Passion mit ihm gespielt, seit die Schüler der lieben Apostel gestorben sind. Sie haben den Geist Christi für einen Spottvogel gehalten und tun es noch, wie im Psalm 68 geschrieben steht. Sie haben ihn ganz offensichtlich gestohlen wie die Diebe und Mörder (Johannes 10). Sie haben die Schafe Christi der rechten Stimme beraubt und den wahren gekreuzigten Christus zum lauteren phantastischen Götzen gemacht.
Wie ist das zugegangen? Antwort: Sie haben die reine Kunst Gottes verworfen und an seine Statt einen hübschen, feinen, guldenen Herrgott gesetzt, vor dem die armen Bauern schmatzen, wie Hosea klar im 4. Kapitel und Jeremias im 4. Kapitel im Buch der Betrübnis sagt: „Die da vorher gute gewürzte Speise aßen, die haben nun Dreck und Kot statt dessen überkommen.“ O Jammer über den erbärmlichen Greuel, von dem Christus selbst Matth. 24 redet, daß er so jämmerlich verspottet wird mit dem teuflischen Messehalten, mit abgöttischem Predigen, Gebärden und Lebensführung und daß danach dort doch nichts anderes ist als ein eitler hölzerner Herrgott.
Ja, ein abgöttischer, hölzerner Pfaff und ein grobes, tölpisches und knuttelisches Volk, das auch das allergeringste Urteil Gottes nicht erschließen kann, ist das nicht ein Jammer, Sünde und Schande? Ich halte immer, daß die Tiere des Bauches (Philipper 3) und die Schweine, von denen Matth. 7 und 2. Petr. 2 geschrieben steht, den edlen Stein Jesus Christus ganz und gar mit Füßen zertreten haben, so gut sie es vermocht haben. Da ist er zum Fußhader der ganzen Welt geworden. Darum haben uns alle ungläubigen Türken, Heiden und Juden aufs billigste verspottet und für Narren gehalten, wofür man auch tolle Menschen halten soll, die ihres Glaubens Geist nicht nennen hören wollen. Darum ist das Leiden Christi bei den verzweifelten Buben nichts anderes als ein Jahrmarkt, wie es noch kein Spießknecht gehabt hat, und wovon der 68. Psalm sagt.
Darum, ihr teuren Brüder, wenn wir aus diesem Unflat herauskommen und rechte Schüler Gottes werden wollen, die von Gott selbst gelehrt sind (Joh. 6, Matth. 23), so wird uns eine große, mächtige Stärke vonnöten sein, die uns von oben hernieder verliehen werde, solch unaussprechliche Bosheit zu strafen und zu schwächen. Das ist die allerklarste Weisheit Gottes, welche allein aus der reinen ungedichteten Furcht Gottes entsprießet (Sap. 9). Diese allein muß uns mit gewaltiger Hand wappnen zur Rache wider die Feinde Gottes mit dem höchsten Eifer zu Gott, wie Sap. 5, Joh. 2, Ps. 68 geschrieben steht. Da gibt es gar kein Entschuldigen mit menschlichen oder vernünftigen Anschlägen, denn die Gestalt der Gottlosen ist über alle Maßen schön und listig wie die schöne Kornblume unter den gelben Ähren des Weizens (Pred.). Aber solches muß die Weisheit Gottes erkennen.
Zum andern müssen wir den Greuel, der diesen Stein verachtet, weiter und genau ansehen. Wenn wir aber das Richtige an ihm erkennen, dann können wir der Offenbarung Gottes täglich gewärtig sein. Oh, das ist ganz teuer und selten geworden in der schalkhaftigen Welt! Denn die listigen Anschläge der Spitzklugen würden uns alle Augenblicke überfallen und uns noch viel höher an der reinen Kunst Gottes hindern (Sap. 4 und Ps. 36). Solchem muß man zuvorkommen in der Furcht Gottes. Wenn diese allein in uns ganz und rein bewahrt würde, dann könnte die heilige Christenheit leicht wieder zum Geist der Weisheit und zur Offenbarung des göttlichen Willens kommen. Dies alles ist verfaßt in der Schrift (Psalm 144, Psalm 110, Prov. 1).
Die Furcht Gottes aber muß rein sein ohne alle Menschen- oder Kreaturenfurcht (Ps. 18, Jes. 66, Luk. 12) Oh, die Furcht ist uns hoch vonnöten! Denn ebensowenig, wie man seliglich zweien Herren dienen kann (Matth. 6), so wenig kann man auch Gott und die Kreatur gleichzeitig seliglich fürchten. Gott kann sich auch über uns nicht erbarmen (wie die Mutter Christi, unseres Herren, sagt), es sei denn, daß wir ihn allein aus ganzem Herzen fürchten. Darum sagt Gott Maleachi 1: „Bin ich euer Vater, wo ist dann meine Ehre? Bin ich euer Herr, wo ist dann meine Furcht?“
Also, ihr teuren Fürsten, ist not, daß wir in diesen ganz gefährlichen Tagen nach 1. Tim. 4 den allerhöchsten Fleiß darauf verwenden, solchem hinterlistigen Übel zu begegnen, wie alle lieben Väter, die in der Bibel verzeichnet sind, es vom Anfang der Welt getan haben. Denn die Zeit ist jetzt gefährlich, und die Tage sind böse (2. Tim. 3, Eph. 5). Warum? Allein darum, daß die edle Kraft Gottes so gar jämmerlich geschändet und verunehrt wird, daß die armen groben Menschen also durch die heillosen Schriftgelehrten verführt werden mit großem Geplauder, wie der Prophet Micha 3 davon sagt, was jetzt fast aller Schriftgelehrten Art ist – nur gar wenige ausgenommen –, daß sie lehren und sagen, daß Gott seinen lieben Freunden seine göttlichen Geheimnisse nicht mehr offenbare durch rechte Gesichte oder sein mündliches Wort etc. Sie bleiben also bei ihrer unerfahrenen Weise (Sir. 34) und machen über die Menschen, die mit der Offenbarung Gottes umgehen, ein Sprichwort, wie es die Gottlosen mit dem Jeremias (20. Kapitel) taten: Höre, hat dir Gott auch neulich zugesprochen? Oder hast du den Mund Gottes neulich gefragt und mit ihm geratschlagt? Hast du den Geist Christi? Solches tun sie mit großem Hohn und Spott.
[…]
Zum dritten sollt ihr die Meinung wissen, daß Gott seinen Auserwählten so ganz und gar holdselig ist, so daß er, wenn er sie im allergeringsten warnen könnte (Deutr. 1 und 32, Matth. 23), es aufs höchste täte, wenn sie diese Warnung auch vor großem Unglauben zu empfangen bereit wären. Denn hier stimmt dieser Daniel-Text mit dem des heiligen Paulus (Korintherbrief, 2. Kapitel) überein und ist aus dem heiligen Jesaja (64. Kapitel) genommen, der sagt: „Was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben. Aber uns hat es Gott offenbart durch seinen Geist, denn der Geist erforschet alle Dinge, ja auch die Tiefe der Gottheit etc.“
Darum ist das in Kürze die ernstliche Meinung; wir müssen wissen und dürfen nicht allein in den Wind glauben, was uns von Gott gegeben ist und was vom Teufel oder von der Natur. Denn wenn unser natürlicher Verstand durch diese Erkenntnis zur Dienstbarkeit des Glaubens gefangen werden soll (2. Kor. 10), dann muß er bis zum letzten Grad all seiner Erkenntnisse kommen, wie im 1. Kapitel des Römerbriefes und im 3. Kapitel des Buches Baruch angezeigt ist. Von diesen Erkenntnissen kann er aber keine mit dem guten Grund seines Gewissens erschließen ohne Gottes Offenbarung. Da wird der Mensch klar herausfinden, daß er nicht mit dem Kopf durch den Himmel laufen kann, sondern daß er erst ganz und gar zum innerlichen Narren werden muß (Jes. 29,33, Offb. 1, 1. Kor. 1).
Oh, das ist dann der klugen, fleischlichen, wollüstigen Welt gar ein seltsamer Wind. Da folgen alsbald die Schmerzen wie bei einer Gebärerin (Ps. 47, Joh. 16). Da findet Daniel und ein jeglicher frommer Mensch mit ihm, daß für ihn auf diese Weise alle Dinge von Gott zu erforschen ebenso unmöglich sind wie anderen gemeinen Menschen. Das meint der weise Mann (Ecc. 3), wenn er sagt: „Wer da ausforschen will Gottes Herrlichkeit, der wird von seinem Preis erdrückt.“ Denn je mehr die Natur nach Gott greift, um so weiter entfremdet sich von ihr die Wirkung des Heiligen Geistes, wie der 138. Psalm klar anzeigt.
Ja, wenn der Mensch über den Fürwitz des natürlichen Lichts Bescheid wüßte, würde er ohne Zweifel nicht so viel Notbehelf mit gestohlener Schrift suchen, wie es die Gelehrten mit einem Stücklein oder mit zweien tun (Jes. 28, Jer. 8), sondern er würde bald die Wirkung des göttlichen Wortes aus seinem Herzen quellen empfinden (Joh. 4). Ja, er brauchte nicht die faulen Wasser aus dem Brunnen zu tragen (Jer. 2), wie das jetzt unsere Gelehrten tun. Sie vermengen die Natur mit der Gnade ohne allen Unterschied. Sie hindern dem Wort seinen Gang, der vom Abgrund der Seele herkommt (Psalm 118), wie Moses Deutr. 30 sagt: „Das Wort ist nicht weit von dir. Sieh, es ist in deinem Herzen etc.“
Nun fragst du vielleicht: Wie kommt es dann ins Herz? Antwort: Es kommt von Gott oben hernieder in einer hohen Verwunderung, was ich jetzt bis auf ein anderes Mal bestehen lasse. Und die Verwunderung, ob es Gottes Wort sei oder nicht, hebt sich an, wenn einer ein Kind von sechs oder sieben Jahren ist, wie Num. 19 figuriert ist. Darum trägt Sankt Paulus im 10. Kapitel des Römerbriefes Moses und Jesajas vor und redet da vom innerlichen Wortezuhören in dem Abgrund der Seele durch die Offenbarung Gottes. Und welcher Mensch dessen nicht gewahr oder empfänglich geworden ist durch das lebendige Zeugnis Gottes (Röm. 8), der weiß von Gott nichts gründlich zu sagen, auch wenn er gleich hunderttausend Bibeln gefressen hätte. Daraus kann ein jeglicher wohl ermessen, wie fern die Welt noch vom Christenglauben ist. Noch will niemand sehen oder hören.
Soll nun der Mensch des Wortes gewahr werden und dafür empfänglich sein, so muß ihm Gott seine fleischlichen Lüste nehmen; und wenn die Bewegung von Gott ins Herz kommt, daß er alle Wollust des Fleisches töten will, damit er Gott dort eine Statt geben kann, dann kann er seine Wirkung bekommen. Denn ein tierischer Mensch vernimmt nicht, was Gott in die Seele redet (1. Kor. 2) sondern er muß durch den Heiligen Geist auf die ernstliche Betrachtung des lauteren, reinen Verstandes des Gesetzes gewiesen werden (Ps. 18) sonst ist er blind im Herzen und dichtet sich einen hölzernen Christus und verführt sich selber.
Darum sieh hier zu, wie sauer es dem lieben Daniel geworden ist, dem König das Gesicht auszulegen, und wie fleißig er Gott deshalb besucht und gebeten hat.
Also auch zur Offenbarung Gottes muß sich der Mensch von aller Kurzweil absondern und einen ernsthaften Sinn zur Wahrheit tragen (2. Kor. 6), und er muß durch die Übung solcher Wahrheit die unbetrüglichen Gesichte vor den falschen erkennen. Deshalb spricht der liebe Daniel im 10. Kapitel: „Es soll ein Mensch Verstand haben in den Gesichten, auf daß sie nicht alle zu verwerfen sind etc.“
Zum vierten sollt ihr wissen, daß ein auserwählter Mensch, der da wissen will, welches Gesicht von Gott und welches von Natur oder Teufel ist, mit seinem Gemüt und Herzen, auch mit seinem natürlichen Verstande abgeschieden sein muß von allem zeitlichen Trost seines Fleisches und daß es ihm gehen muß wie dem lieben Joseph in Ägypten (Gen. 39) und allhier Daniel in diesem Kapitel. Denn das Wort Gottes wird kein wollüstiger Mensch annehmen (Luk. 7); denn die Disteln und Dornen – das sind die Wollüste dieser Welt, wie der Herr (Markus 4) sagt – verdrücken alle Wirkung des Wortes, das Gott in die Seele redet. Darum: Wenn Gott schon sein heiliges Wort in die Seele spricht, so kann es der Mensch nicht hören, wenn er ungeübt ist, denn er hält keine Einkehr oder Einsehen in sich selber und in den Abgrund seiner Seele (Ps. 48). Der Mensch will sein Leben nicht kreuzigen mit seinen Lastern und Begierden, wie Paulus, der heilige Apostel, lehrt. Darum bleibt der Acker von Gottes Wort voll von Disteln und Dornen und großen Stauden, welche alle weg müssen vor diesem Werk Gottes, auf daß der Mensch nicht nachlässig oder faul befunden werde (Prov. 24). Danach sieht man die Freigebigkeit des Ackers und zuletzt auch das gute Gewächs. Dann erst wird der Mensch dessen gewahr, daß er Gottes und des Heiligen Geistes Wohnung ist in der Länge seiner Tage.
Ja, daß er wahrhaftig deshalb geschaffen sei, daß er Gottes Zeugnis in seinem Leben erforschen soll (Ps. 92 und 118), dessen wird er jetzt gewahr, stückweise durch bildreiche Weise, jetzt auch im ganzen Abgrund des Herzens (1. Kor. 13)
Zum anderen muß er auch gar wohl mit betrachten, daß die Gleichnisse solcher Figuren in den Gesichten oder Träumen mit allen ihren Umständen in der heiligen Bibel bezeugt sind, auf daß nicht der Teufel daneben einreiße und die Salbe des Heiligen Geistes mit ihrer Süßigkeit verderbe, wie der weise Mann von den Fliegen sagt, die da sterben (Pred. 10).
Zum dritten muß der auserwählte Mensch Achtung haben auf das Werk der Gesichte, daß es nicht herausquelle durch menschliche Anschläge, sondern einfältig nach Gottes unverrücklichem Willen daherfließe, und er muß sich gar eben vorsehen, daß nicht ein Stüpplein von dem, was er gesehen hat, verlorengehe, denn es muß tapfer ins Werk kommen. Aber wenn der Teufel etwas bewirken will, verraten ihn doch seine faulen Fratzen, und seine Lügen gucken zuletzt doch hervor, denn er ist ein Lügner (Joh. 8).
[…]
Auch die lieben Apostel haben mit dem höchsten Fleiß der Gesichte gewärtig sein müssen, wie es in ihrer Geschichte klar beschrieben ist.
Ja, es ist recht im Sinne von Aposteln, Kirchenvätern und Propheten, auf die Gesichte zu warten und sie dann mit schmerzlicher Betrübnis zu überkommen. Darum ist es kein Wunder, daß sie Bruder Mastschwein und Bruder Sanftleben verwirft, siehe auch Hiob 28. Wenn schon der Mensch das klare Wort Gottes nicht in der Seele vernommen hat, dann muß er Gesichte haben. Als Sankt Peter in der Apostelgeschichte das Gesetz (Lev., 11. Kapitel) nicht verstand und an der Speise zweifelte, folglich auch, ob er die Heiden zu seiner Gesellschaft nehmen könne (Act. 10), da gab ihm Gott ein Gesicht im Überschwang seines Gemütes.
[…]
Daraus schließe ich nun, daß derjenige, der aus fleischlichem Urteil heraus unerfahren ist und den Gesichten feind ist, sie also alle verwerfen will, oder auch sie ohne Bescheidwissen alle aufnehmen will – zumal die falschen Träumer durch die Ehrgeizigen und Gewinnsucher der Welt einen solchen Schaden zugefügt haben –, nicht wohl ankommen wird, sondern sich am Heiligen Geist stoßen wird (2. Kapitel Joel), wo Gott klar – wie dieser Daniel-Text – von der Veränderung der Welt spricht.
Er will sie in den letzten Tagen durchführen, daß sein Name recht gepriesen werden soll. Er will sie ihrer Schande entledigen und seinen Geist über alles Fleisch ausgießen, und unsere Söhne und Töchter sollen weissagen und Träume und Gesichte haben etc.
Denn wenn die Christenheit nicht wie die Apostel werden sollte, wo Joel vorgetragen wird (Act. 27), warum sollte man dann predigen? Wozu dient dann die Bibel, die von Gesichten spricht? Es ist wahr, und ich weiß es fürwahr, daß der Geist Gottes jetzt vielen auserwählten frommen Menschen offenbart, daß eine treffliche, unüberwindliche zukünftige Reformation dringend vonnöten ist, und sie muß vollführt werden. Es wehre sich gleich ein jeglicher, wie er will, die Weissagung Daniels bleibt doch ungeschwächt, auch wenn ihr niemand glauben will, wie auch Paulus zu den Römern im 3. Kapitel sagt.
Es ist dieser Daniel-Text so klar wie die helle Sonne, und das Werk geht jetzt recht im Schwange vom Ende des fünften Reichs der Welt: Das erste ist erklärt durch den goldenen Knauf, das war das Reich zu Basel; das zweite durch Brust und Arm von Silber, das war das Reich der Meder und Perser. Das dritte war das Reich der Griechen, welches erschallet mit seiner Klugheit und das durch das Erz angezeigt ist; das vierte war das Römische Reich, das mit dem Schwert errichtet worden ist und ein Reich des immerwährenden Zwanges war. Aber das fünfte ist das, das wir vor Augen haben, das auch von Eisen ist und auch gern Zwang ausüben wollte, aber es ist mit Kot geflickt, wie wir es vor unseren sichtigen Augen sehen, nichts als Anschläge der Heuchelei, die sich auf dem ganzen Erdreich krümmt, windet und wimmelt. Denn wer nicht plasteuken kann, der muß ein toller Kopf sein.
Man sieht jetzt gut, wie sich die Aale und die Schlangen miteinander auf einem Haufen begatten. Die Pfaffen und alle bösen Geistlichen sind Schlangen, wie sie Johannes, der Täufer Christi, nennt (Matth. 3), und die weltlichen Herren und Regenten sind Aale, wie Leviticus im 11. Kapitel von Fischen etc. figuriert ist. Da haben sich die Reiche des Teufels mit Ton beschmiert.
Ach, liebe Herren, wie hübsch wird der Herr da mit einer eisernen Stange mitten in die alten Töpfe schmeißen (Psalm 2). Darum, ihr allerteuersten, liebsten Regenten, gewinnt eure Erkenntnis recht aus dem Munde Gottes und laßt euch nicht durch eure heuchlerischen Pfaffen verführen und mit gedichteter Geduld und Güte aufhalten. Denn der Stein, ohne Hände vom Berge gerissen, ist groß geworden. Die armen Laien und Bauern sehen ihn viel schärfer an als ihr. Ja, Gott sei gelobt, er ist so groß geworden, daß andere Herren oder Nachbarregenten, wenn sie euch um des Evangeliums willen verfolgen wollten, von ihrem eigenen Volk vertrieben würden. Das weiß ich fürwahr. Ja, der Stein ist groß; davor hat sich die blöde Welt schon lange gefürchtet. Er ist schon auf sie gefallen, als er noch klein war.
Was sollen wir denn nun tun, wo er so groß und mächtig geworden ist? Und nachdem er so mächtig unverzüglich auf die große Säule geschlagen und sie bis auf die alten Töpfe zerschmettert hat? Darum, ihr teuren Regenten von Sachsen, tretet keck auf den Eckstein, wie der heilige Petrus tat (Matth. 16), und sucht die rechte Beständigkeit, die der göttliche Willen verleiht. Er wird euch wohl erhalten auf dem Stein (Psalm 39). Eure Gänge werden richtig sein, suchet nur geradewegs Gottes Gerechtigkeit und greifet die Sache des Evangeliums tapfer an! Denn Gott steht so nah bei euch, wie ihr es nicht glauben könnt. Warum wollt ihr euch dann vor dem Gespenst des Menschen entsetzen (Psalm 117)?
Seht hier den Text gut an. Der König Nebukadnezar wollte die Klugen darum töten, daß sie ihm den Traum nicht auslegen konnten. Es war verdienter Lohn. Denn sie wollten sein ganzes Reich mit ihrer Klugheit regieren und konnten das nicht, wozu sie eingesetzt waren. Ebenso sind auch jetzt unsere Geistlichen. Und ich sage euch fürwahr: Wenn ihr den Schaden der Christenheit so gut erkennen und recht bedenken könntet, würdet ihr in ebensolchen Eifer geraten wie Jehu, der König (4. Regum 9 und 10), und wie das ganze Buch der Apokalypse davon berichtet. Und ich weiß fürwahr, daß ihr euch nur mit großer Not zurückhalten würdet, dem Schwert seine Gewalt zu nehmen. Denn der erbärmliche Schaden der heiligen Christenheit ist so groß geworden, daß ihn jetzt keine Zunge mehr auszudrücken vermag.
Darum muß ein neuer Daniel aufstehen und euch eure Offenbarung auslegen, und der muß vorn, wie Moses lehrt (Deutr. 20), an der Spitze gehen. Er muß den Zorn der Fürsten und des ergrimmten Volks versöhnen. Denn wenn ihr den Schaden der Christenheit und die Betrügerei der falschen Geistlichen und verzweifelten Bösewichter recht erfahren werdet, werdet ihr so auf sie ergrimmt werden, wie es niemand ausdenken kann. Es wird euch ohne Zweifel verdrießen und sehr zu Herzen gehen, daß ihr so gütig gewesen seid, nachdem sie euch mit den allersüßesten Worten zu den allerschändlichsten Ansichten gegen alle aufgerichtete Wahrheit verleitet haben (Sap. 6). Denn sie haben euch genarrt, als ein jeder die Heiligen beschwor, die Fürsten sind ihres Amts wegen keine christlichen Leute, sie sollen nichts anderes als bürgerliche Einigkeit erhalten.
Ach, Lieber, ja, da fällt der große Stein bald und schlägt drauf und schmeißt solche vernünftigen Anschläge zu Boden, wie er Matth. 10 sagt: „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert.“ Was soll man aber damit machen? Nichts anderes als die Bösen, die das Evangelium verhindern, wegtun und absondern, wenn ihr nicht des Teufels, sondern Gottes Diener sein wollt, wie euch Paulus im 13. Kapitel des Römerbriefes sagt. Ihr braucht nicht zu zweifeln: Gott wird all eure Widersacher zu Trümmern schlagen, die sich unterstehen, euch zu verfolgen. Denn seine Hand ist noch nicht verkürzt, wie Jesajas im 59. Kapitel sagt. Darum kann er euch noch helfen und will es tun, wie er dem auserwählten Könige Josia und anderen, die den Namen Gottes verteidigt haben, beigestanden hat. Also seid ihr Engel, wenn ihr rechttun wollt, wie Petrus (2. Petr. 1) sagt. Christus hat Luk. 19 mit großem Ernst befohlen und spricht: „Nehmet meine Feinde und würgt sie mir vor meinen Augen!“ Warum? Ei darum, daß sie in Christi Namen sein Regiment verdorben haben und dann noch obendrein ihre Schalkheit unter der Gestalt des Christenglaubens verteidigen wollen und mit ihrem hinterlistigen Schanddeckel die ganze Welt arg machen. Darum sagt Christus, unser Herr, Matthäus 18: „Wer da einen von diesen Kleinen ärgert, dem ist besser, man hänge ihm einen Mühlstein an den Hals und werfe ihn in das tiefe Meer.“ Es glossiere, wer da will, hin und her. Es sind die Worte Christi.
Darf nun Christus sagen „Wer da einen von den Kleinen ärgert“, was soll man dann sagen, wenn man einen großen Haufen im Glauben ärgert? Das tun die Erzbösewichte, die die ganze Welt ärgern und vom rechten Christenglauben abtrünnig machen und sagen, niemand soll die Geheimnisse Gottes wissen. Ein jeglicher soll sich nach ihren Worten und nicht nach ihren Werken halten (Matth. 23). Sie sprechen, es sei nicht vonnöten, daß der Glaube bewährt sei wie das Gold im Feuer (1. Petr. 1, Psalm 139). Aber auf diese Weise wäre der Christenglaube ärger als der Glauben eines Hundes, der hofft, ein Stück Brot zu empfangen, wenn der Tisch gedeckt wird. Einen solchen Glauben spiegeln die falschen Gelehrten der armen blinden Welt vor. Das ist für sie nichts Besonderes, denn sie predigen allein um des Bauches willen (Phil. 3). Weil ihr Glaube nicht aus dem Herzen kommt, können sie nichts anderes sagen (Matth. 12).
Wollt ihr nun rechte Regenten sein, so müßt ihr das Regiment bei der Wurzel anpacken und wie es Christus befohlen hat. Treibt seine Feinde von den Auserwählten, denn ihr seid die zuständigen Mittler. Meine Lieben, gebt uns keine schale Fratze vor, daß die Kraft Gottes es ohne euer Zutun mit dem Schwert tun soll, es könnte euch sonst in der Scheide verrosten. Gott geb es! Es sage euch jeder beliebige Gelehrte, was er will: Christus sagt es deutlich genug im 7. Kapitel Matthäi und im 15. Kapitel des Johannes-Evangeliums. „Ein jeglicher Baum, der nicht gute Früchte trägt, soll ausgerodet und ins Feuer geworfen werden.“
Wenn ihr nun die Larve der Welt wegtut, so werdet ihr sie bald mit rechtem Urteil erkennen (Joh. 7). Fällt ein rechtes Urteil, aus Gottes Befehl heraus! Ihr habt Hilfe genug dazu (Sap. 6), denn Christus ist euer Meister (Matth. 23). Darum lasset die Übeltäter nicht länger leben, die uns von Gott abwenden (Deutr. 13), denn ein gottloser Mensch hat kein Recht zu leben, wenn er die Frommen hindert. Exodus 22 sagt Gott: „Du sollst die Übeltäter nicht leben lassen.“ Das meint auch Sankt Paulus, wenn er vom Schwert der Regenten sagt, daß es zur Rache an den Bösen und zum Schutz der Frommen verliehen sei (Römer 13).
Gott ist eure Beschirmung und wird euch lehren, wider seine Feinde zu streiten (Psalm 17). Er wird eure Hände geläufig machen zum Streite und wird euch auch erhalten. Aber ihr werdet deshalb ein großes Kreuz und Anfechtung erleiden müssen, auf daß euch die Furcht Gottes erklärt werde. Das kann ohne Leiden nicht geschehen, aber es kostet euch nichts mehr als das Wagnis der Gefahr ums Gottes willen und das unnütze Geplauder der Widersacher. Denn wenn schon der fromme David vom Absalom von seinem Schloß vertrieben wurde, so kam er doch endlich wieder dorthin zurück, als Absalom erhängt und erstochen wurde.
Darum, ihr teuren Väter von Sachsen, ihr müßt es wagen um des Evangeliums willen; Gott wird euch freundlich stäupen als seine allerliebsten Söhne (Deutr. 1), wenn er in seinem alsbaldigen Zorn entbrannt ist. Selig sind dann alle, die sich da auf Gott verlassen. Sagt allein frei mit dem Geist Christi: „Ich will mich vor hunderttausend nicht fürchten, obgleich sie mich umlagern.“
Ich halte aber dafür, allhier werden mir unsere Gelehrten die Güte Christi vorhalten, die sie auf ihre Heuchelei zerren. Aber sie sollen dagegen auch den Eifer Christi ansehen (Joh. 2, Psalm 68), wenn er die Wurzeln der Abgötterei zerstört, wie Paulus im 3. Kapitel des Kolosser-Briefes sagt, daß um dieser willen der Zorn Gottes nicht von der Gemeinde ferngehalten werden kann. Hat er nun das nach unserer Ansicht Kleine herniedergerissen, so würde er ohne Zweifel auch die Götzen und Bilder nicht geschont haben, wenn sie dagewesen wären, wie er dann selber durch Moses befohlen hat (Deutr. 7), wo er sagt: „Ihr seid ein heiliges Volk. Ihr sollt euch über die Abgöttischen nicht erbarmen. Zerbrecht ihre Altäre! Zerschmeißet ihre Bilder und verbrennt sie, auf daß ich nicht mit euch zürne!“
Diese Worte hat Christus nicht aufgehoben. Im Gegenteil: Er will sie uns erfüllen helfen (Matth. 5). Es sind die Figuren alle durch die Propheten ausgelegt, aber dies sind helle, klare Worte, welche ewig bestehen müssen (Jes. 40). Gott kann nicht heute Ja und morgen Nein sagen, denn er ist unwandelbar in seinem Worte (Mal. 3; 1. Reg. 15; Num. 22). Daß aber die Apostel die Abgötter der Heiden nicht zerstört haben, beantworte ich so: Sankt Peter ist ein furchtsamer Mann gewesen, nach Gal. 2 hat er mit den Heiden geheuchelt. Er war aller Apostel Figur, so daß auch Christus von ihm sagte (Joh. im letzten Kapitel), daß er sich ganz heftig vor dem Tode gefürchtet hat. Daß er folglich (den Heiden) keine Ursache gegeben hat, ihn zu töten, ist leicht zu ermessen. Aber Sankt Paulus hat ganz hart wider die Abgötterei geredet (Act. 17). Hätte er seine Lehre in Athen zum Abschluß bringen können, dann hätte er ohne Zweifel die Abgötterei ganz herniedergeworfen, wie Gott durch Moses befohlen hat und wie es auch hernach durch die Märtyrer geschah in bewährten Historien.
Deshalb ist uns mit Fehlern oder Nachlässigkeiten der Heiligen keine Ursache gegeben, den Gottlosen ihre Art und Weise zu lassen. Wenn sie schon Gottes Namen mit uns bekennen, sollen sie unter zweien eines erwählen, den Christenglauben gar verleugnen oder die Abgötter beseitigen (Matth. 18). Daß aber unsere Gelehrten herkommen und mit dem Daniel in ihrer gottlosen, gestohlenen Weise sagen, daß der Widerchrist ohne Handanlegen zerstört werden soll, ist zuviel. Er ist schon so verzagt, wie es das Volk war, als die Auserwählten ins Gelobte Land wollten, wie Josua schreibt. Dieser hat sie gleichwohl mit der Schärfe des Schwertes nicht verschont. Sieh an den 43. Psalm und I. Chronik 14, da wirst du die Auflösung finden. Sie haben das Land nicht durch das Schwert gewonnen, sondern durch die Kraft Gottes; aber das Schwert war das Mittel, wie uns Essen und Trinken ein Mittel sind zu leben. Also ist auch das Schwert nötig, die Gottlosen zu vertilgen (Röm. 13).
Damit das nun aber redlicherweise und füglich geschehe, sollen das unsere teuren Väter, die Fürsten, tun, die Christum mit uns bekennen. Wenn sie das aber nicht tun, wird ihnen das Schwert genommen werden (Daniel, 7. Kapitel), denn sie bekennen ihn nur mit den Worten und verleugnen ihn mit der Tat (Tit. 1). Also sollen sie zunächst den Feinden den Frieden anbieten (Deutr. 2). Wenn sie aber geistlich sein und die Kunst Gottes nicht berechnen wollen (1. Petr. 3), soll man sie wegtun (1. Kor. 5). Aber mit dem frommen Daniel bitte ich für sie, wenn sie nicht Gottes Offenbarung entgegen sind. Wenn sie aber das Widerspiel treiben, soll man sie ohne alle Gnade erwürgen, wie Hiskia, Josia, Cyrus, Daniel, Elias (3. Regum 18) die Pfaffen Baals vernichtet haben. Anders kann die christliche Kirche nicht wieder zu ihrem Ursprung kommen. Man muß das Unkraut ausraufen aus dem Weingarten Gottes in der Zeit der Ernte, dann wird der schöne rote Weizen beständige Wurzeln bekommen und recht aufgehen (Matth. 13). Die Engel aber, die ihre Sicheln dazu schärfen, sind die ernsten Knechte Gottes, die den Eifer göttlicher Weisheit vollführen (Mal. 3).
Nebukadnezar vernahm die göttliche Weisheit durch Daniel. Er fiel nieder vor ihm, nachdem ihn die kräftige Wahrheit überwunden hatte, aber er wurde bewegt wie ein Rohr vor dem Winde, wie das 3. Kapitel beweist. Desgleichen sind es jetzt über die Maßen viele Menschen, die das Evangelium zwar mit großen Freuden annehmen, wenn es so fein freundlich zugeht (Luk. 8); aber wenn Gott solche Leute auf den Brenntiegel oder auf das Feuer der Bewährung setzen will (1. Petr. 1), ach, dann ärgern sie sich am allergeringsten Wörtlein, wie Christus im 4. Kapitel des Markus-Evangeliums verkündigt hat. In diesem Maße werden sich ohne Zweifel viele unversuchte Menschen an diesem Büchlein ärgern, drum sage ich mit Christo (Luk. 19 und Matth. 18) und mit Paulo (1. Kor. 5) und mit Unterrichtetsein über das ganze göttliche Gesetz, daß man die gottlosen Regenten, besonders die Pfaffen und Mönche töten soll, die uns das heilige Evangelium eine Ketzerei schelten und gleichwohl die besten Christen sein wollen. Da wird die heuchlerische, gedichtete Güte über die Maßen ergrimmt und erbittert. Da will sie dann die Gottlosen verteidigen und sagt, Christus habe niemanden getötet etc. Und sie will die Freunde Gottes ganz jämmerlich schlichtweg dem Winde befehlen. Da ist die Weisheit des Paulus (2. Tim. 3) erfüllt: In den letzten Tagen werden die Liebhaber der Lüste wohl eine Gestalt der Güte haben, aber sie werden ihre Kraft verleugnen. Es hat kein Ding auf Erden eine bessere Gestalt und Larve als die gedichtete Güte. Darum sind alle Winkel voll von eitel Heuchlern, unter denen keiner so kühn ist, daß er die rechte Wahrheit sagen könnte.
Darum, daß die Wahrheit recht an den Tag gebracht werden kann, müßt ihr Regenten (Gott gebe, ihr tut es gerne oder nicht) euch nach dem Schluß dieses Kapitels richten, daß der Nebukadnezar den heiligen Daniel zum Amtmann eingesetzt hat, auf daß er gute rechte Urteile vollführen möchte, wie der Heilige Geist sagt (Psalm 57). Denn die Gottlosen haben kein Recht zu leben, nur was ihnen die Auserwählten gönnen wollen, wie im 23. Kapitel des Buches des Auszuges geschrieben steht.
Freuet euch, ihr rechten Freunde Gottes, daß den Feinden des Kreuzes das Herz in die Hosen gefallen ist. Sie müssen recht tun, wiewohl es ihnen niemals geträumt hat. Wenn wir nun Gott fürchten, warum wollen wir uns vor losen, untüchtigen Menschen entsetzen? – Numeri 14, Josua 11 – Seid nur keck! Der wird das Regiment selber haben, dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden (Matth. am letzten), der euch, Allerliebste, ewig bewahre. Amen.
Quelle der modernen deutschen Übersetzung aus den Neuhochdeutschen: Thomas Müntzer, Schriften, liturgische Texte, Briefe, herausgegeben von Rudolf Bentzinger und Siegfried Hoyer. Berlin: Union Verlag, 1990, S. 64–86.