Quelle
Was der Bucerus mit den widerteufern zu Marpurg disputiert hat.
Protokoll des Sekretärs Valentin Breul.
I. Jörg Schnabel: Bann. Kirche. Wucher. Taufe. Obrigkeit. Menschheit Christi. Absolution. II. Leonhard Fälber von Maastricht: Predigerstand. Absonderung. III Hermann Bastian: Bann. Obrigkeit. Taufe. Sein Widerruf. Peter Losse.
Actum mitwoch post Simonis et Jude apostolorum [Okt. 30] anno etc. 38. In beisein Crafft Rauen, doctor Isermans, Hartman Schlern, des rectors, magister Adams, doctor Trachen, des pharrers und ander gelerten, auch burgermeisters, rats und etlicher der treffenlichsten burger zu Marpurgk.
Und ist erstlich durch doctor Iserman den widertaufern furgehalten worden, wie man hievor mancherlei weise mit inen gehandelt het, ob sie zum rechten verstandt gotlicher heiliger schrift widerumb hetten bracht werden mugen. Dweil aber das kein frucht hab bringen konnen, so hab unser gnediger furst und herre frembde gotforchtige leut hieher bewegt, die mit inen sprach halten solten, mit beger, ob sie hievor etwas neidigs oder boses gefast hetten, dasselbig fallen ze lassen, und das irer einer under inen antwort geb, nemlich Jorg Schnabel oder Lenhart, und die andern schweigen, damit das gesprech ordentlich gehalten und volnpracht werde. Und hat Jorg Schnabel, nachdem er sich mit Lenharte und Peter Losen bedacht, gesagt, er konne einem jden seinen tittel nicht geben; das man inen des nicht verdenke.
Man hab inen gefragt, warumb sie sich von unser gemein abgesondert haben. Daruf sei sein antwort, das er durch falsche lere ufgehalten worden seie. Nachdem er nu die Luterische lere gehort, seie er diener des kastens gewesen, hab er erkant, das vil hendel wider die schrift gewesen. Amos 1. stehe geschrieben [Wohl Hosea 4, v. 3.]: es seie kein guts meher im lande und werde allen inwonern ubel gehen, derhalben werden auch die priester fallen. Im neuen testament stehe also [Röm. 2, v. 6 oder Mt. 16, v. 27, 2. Petr. 2, v. 4.]: Got wolle richten nach eines jgklichen wergk. Item: Er hab nicht geschonet der engel im himel. Nu ist uns solchs geschrieben zum furbilde. Item zun Hebreern stehe dergleichen. Hab sich derhalben mit seinem pharrer in ein gesprech geben, dan er gesehen, das es erger zugehe dan bei dem babst, und sonderlich hab er ime zwen artikel furgehalten, vom wucher und ban. Item er hab davon gelesen im Lutter, Melanctone und doctor Isermans buch, das er geschrieben hab vom gemeinen nuz, das sie dawider geschrieben. Nu verhoff er, es solle zu unsers g. h. preis geraten, und hab sein pharrer gestanden, das es in der kirchen ubel zugehe, er wolle seine vleiss tun und er Jorge seie vor got schuldig, das er auch daruf sehe. Aber der pharrer hab es leicht lassen hingehen. Folgends seien sie beieinander bescheiden, hab er Jorg gesagt: Her pharrer, hie ist gelt, das sol ich usleighen, aber es ist in der schrift verpoten und seind in der stat vil armer leute. Hab der pharrer gesagt: Unsers g. h. ordenung ist, das man des kasten gueter bessern solle. Und in summa, er hab pharrer, burgermeister und rate angesagt, er wolle sich von inen scheiden. Item er hab hie zu Marpurgk in der canzlei von denselben zweien artikeln, dem ban und wucher, das sie die unrecht brauchen, [geredt]. Item der pharrer zu Marpurgk hab inen vor dem stathalter angeben, er wolt einen kunig ufwerfen und alles ubel strafen mit dem schwert. Darinne hab er ime unrecht getan.
Her Martin Butzer hat erstlich got den herren mit vleiss angerufen und ermanet, das ein jder beistender auch mit vleiss umb gnade bitten wolle. Folgends erzelt, wie unser g. f. und herre diser sachen mit ernstem vleiss nachtrachte und daruf zum hohsten verdacht seie, das die irrigen widerumb zum rechten verstand bracht werden mochten etc. Nu seien die taufer gefragt worden, was die ursach seie, darumb sie sich von der gemein getan haben. Daruf Jorg zwo ursachen angezeigt, die eine den ban und das der pharrer dem wucher nit hab begegen wollen. Fragt her Butzer, ob sie nicht meher puncten haben. Sagt Jorg: ja, aber dies seien die furnembsten.
Buzer: Hofft, es werde hier gepredigt ein bussfertig leben und, das uns Christus erlost hab. Wer das nit tut und glaubt, hoff er, mit dem werde der pharrer und die predicanten kein gemeinschaft haben. Aber wie der ban geordenet, seie offenbar Matthei 18 [v. 17]. Wo nu jmants in groben lastern leige und der kirchen dasselbig nicht angezeigt und also offentlich uberzeugt werden, den konne man vermuge des spruchs nicht bannen. Dan Judas hab das nachtmal genomen, seie aber noch nicht vor der gemein uberzeugt worden. Nu mag kein kirch sein, sie muss ein ban haben. Wo dan under den brudern seien hurer, wucherer und andere sunder und nach bruderlicher vermanung inhalt des evangelii obgemelt nicht abstehen wollen, mit den soll man kein gemeinschaft haben. So zeigen auch one allen zweivel die predicanten an absterbung des alten Adams und abstellung aller laster. Und dweil Judas vor der kirchen nicht uberzeugt worden, gab ime gleichwol der herre Christus das sacrament. Glaubt, das die prediger keinem das sacrament geben, der von den sunden nicht abstehen wolle, den sol man gehen lassen als einen feind gottes. Man kan niemant bannen, er wolle dan die kirch nit horen oder seie vor der kirchen bezeugt. Christus hat sein wort gepredigt; welchen das wol troffen, der hat deste fleissiger angehalten im ban. Und sie die taufer haben keinen fugk us der schrift, sich von der gemein abzutun, dan s. Paulus der kirchen solches bevelht, wie man 1. Corinth. 5. cap. [v. 1] liest, sie seien ufgeblasen, haben ein hurei, die auch bei den heiden nicht gehort werde. Paulus hab den verbannet, der sein stiefmutter gehabt; das sei offentlich gewesen, und man sol anzeigen, wen man bannen sol.
Jorg: Ich geb antwort vom wucher. Nachdem diese kirch besser sein solt dan die babstische, so hab ich gezeugnus in meinem herzen, das ich mich abgesondert hab Dan der wucher seie itzo in der kirchen doppel.
B.: Ich hab vom ban gesagt. Daruf wollen wir erstlich mit euch reden und folgents vom wucher. Ir habt nicht ursach euch abzusondern, dan ir sollet nicht strenger sein dan Christus, welcher bevolhen, die allein abzusondern, die die kirch nach gnungsamer vermanung und uberzeugung nicht horen wollen, und hat den locum hievon Matthei 18 weiter nach der lenge gnungsam erclert.
J.: Er hab antwort geben auf den ban und mit seinem pharrer gehandelt, wie Matthei 18 geschrieben stehe. Und das die predicanten den offentlichen sondern[1] das sacrament entzogen haben, das seie meher ein abschrecken dan ein besserung.
B.: Jorg hab noch vermuge der wort Matthei 18 mit dem pharrer nicht gehandelt, dan er hab es der gemein und der kirchen nicht angezeigt. So haben auch die glaubigen mit ime nicht gestimpt in verdamung des pharrers. Die kirch musse verbannen. Wan ein burgermeister sein ampt nicht braucht und inen die gemein leidet, so hat inen ein sonder[2] burger nit zu entsetzen, Also mag auch ein einzeliger burger im reich Christi keinen bannen. Er Jorg hab durch sein absondern die gemein geergert und das wort gottes geunehret.
J.: Hab nach seinem verstand solchs pillich getan. Dan er hab dem pharrer allein angezeigt, das er von den dingen abstehen solt, die unrecht weren. Dweil er dan dem nicht abgestanden, so hab er sich pillich abgesondert.
B.: Begert schrift anzuzeigen, ob der pharrer den sunder nicht bannet, ob dan ein sondere person sich absondern muge.
J.: Er hab sich von der gemein oder dem volgk nit gesondert, sonder allein den pharrer sampt seiner lehre vermitten.
B.: Sagt, er hab die gemein gemitten, dweil er ire predig gemitten, dan da sol man das wort horen, sacrament emphaen, beten und almusen geben. So wir nu dergestalt verbrudert seind, sollen wir uns us der gemeinschaft nicht sondern, als der sacramenten, gebets und almusen geben. Und mussen darin nicht ansehen die person des pharrers nach dem evangelio [Matth. 23, v. 2]: Sie sitzen uf dem stul Mosi etc. Also hab einer allein einen burgermeister oder pharrer nicht zu entsetzen ader umb dero willen, wo sie in iren emptern seumig, sich von burgerlicher und christlicher gemeinschaft mit den andern burgern und christen abzusondern. Die Judam gehort, haben das wort gottes gehort. Begert noch ursachen und schriften seins absonderns; dan er hab nicht den pharrer, sonder den phardienst gemitten.
J.: Repetirt den spruch Matthei 18, und seie die gemein dessmals nicht also creftig gewesen. So hab er es burgermeister und rate angezeigt, und wolle es her Butzer nicht vor gnungsam annemen, so wolle er es ime also stehen lassen. Er seie es aber gewiss in seinem herzen.
B.: Der [herr] hat die schlussel der kirchen geben und nit einer sondern personen.
J.: Sagt, die gemein hab sich selbst zu solchem ban untuchtig erkant.
B.: Er hab doch mit der gemein ordentlich nit gehandelt, und [ob] die schon in iren furstehern seumig gewesen, so hab dannocht weder er noch kein sondere personen jmant zu verbannen und furnemlich nit den gemeinen dienst der kirchen. Das usschliessen seie zu zweien dingen gut, das die guten von den bosen nicht beschmitzt werden, und das dieselben abgesonderten schamrot werden. Bit nochmals wie vor. Dweil die kirch den pharrer noch nicht gebannet hab, das Jorg schrift anzeigen wolle, us deren grund er pharrer, phardienst und ganze gemein vermitten hab vor dem ordentlichen verbannen der kirchen.
J.: Sagt noch: Er hab inen nach ordenung gestraft (auch hie in der canzlei sein mangel angezeigt, so hab er doch nicht davon gelassen). Item und acht bei ime, er hab es pillich getan, das er sich abgesondert hab.
B.: Bei den Corinthern hab die kirch bei dem nachtmal ungeschickt gehandelt, item mit prophetisiren der zungen und vil anderm meher, darumb seie aber durch den aposteln die kirch nit verbannet, und hab Jorg kein gottes wort, wen er gleich den pharrer gestraft, das er sich sol absonderen.
J.: Sagt: Nachdem Paulus den Corinthern iren gebrechen angezeigt, hab sie[3] sich darinne gebessert und jhenen usgeschlossen.
B.: Sie haben wol den angezeigten verbannet, aber sich in vielen andern ubel gebessert, wie Paulus das beclagt in der andern epistel zu den Corinthern [12, v. 20]: Ich forcht so ich zu euch kom etc. Aber wie dem [sei], so bring Jorg alles[4] noch kein wort gottes, das ime die sonderung geburt hett, obgleich noch die kirch an dem banne seumig gewesen were.
J.: Repetirt sein vorig argument, das sie es unrecht erkant und inen hieher in die canzlei gewiesen haben. Dweil sie nu alle lessig darinne gewesen, so hoff er, hab pillich daran getan und schleust damit.
B.: Schlust daruf, das er seiner absonderung kein schrift bracht hab; dan die alleine zu vermeiden seind, welche die kirche nicht horen.
S.: Solchs sei geret von der kirchen und fragt, wan sie nu nit tu, was christlich ist, sollen sich dan diejhenig, so bessers verstants seind, von inen nicht sondern?
B.: Strafen und warnen, wer nit den rechten weg gehet und meiden alles unrecht, ist nicht verboten. Aber sich sondern, ist unrecht.
J.: Paulus spricht [Gal. 5, v. 21]: Die ungerechten werden nit das reich gottes erben. So nu sie unrecht tun, solle er dan nicht von inen gehen, ob noch etliche weren, die sich bessern wolten?
B.: Die ungerechten, die darinne beharren, werden nicht erben etc. Das aber nu die von Marpurgk alle ungerecht seien, kan er nicht glauben. Sagt nochmals, er hab kein schrift.
J.: Er hab fugk durch die schrift, us und us[5] unrecht zu meiden.
B.: Gestehet, unrecht zu meiden. Aber wan er einen ermanet hab, das er sich von dem absondern solle, so lang inen die kirch nicht banne, des hab er kein schrift.
J.: Hab die predicanten hievor im anfang uberzeugt, das sie das wort nicht gehabt haben, hab er sie und das unrecht gemieden.
B.: Repetirt sein beger, soll ime schrift anzeigen seins meidens.
J.: Sagt, man stelle ime diese kirch als ein christliche kirch. Fragt, ob auch das ein cristlich kirch seie, nachdem sie eines irtumb erkent und inen nicht verbannet hab.
B.: Sol vorschrift geben seins meidens. Wo nu ein gemein ist, die gerne das wort gottes horet, die seie ein christliche kirche. Wo nu die den sunder nicht verwerfe, hab er kein ursach, inen zu meiden. Wo gleubig leude seind und haben einen prediger und andere vorsteher, ob die schon seumig erfunden werden, im etwas arges zu strafen, sol doch keinem sondern menschen geburen, sie zu meiden oder bennig zu halten, den solche kirch nit verbannet.
J.: Meint, es solt vor geschlossen sein und sei noch sein antwort: so die gemein Christi gewesen, so were sie in solchem erkentnus fort gefaren; so sie das nit getan, ist sie kein glaubig kirch und werd sie nicht annemen, er wer dan mit warer schrift uberzeugt.
B.: Redt zu den umbstendern, sie haben gehort diese rede, und wil hiruf auch geschlossen und das urteil zu der gemein Christi gestelt haben.
[…]
Folgends Donnerstags hat erstlich her Buzer den gesterigen handel repetirt. Und fragt Jorgen, ob er lasse ein kirch sein, die in gottes wort glauben. Antwort: die sich mit der warheit ergeben und gelassen stehen in Christo, die acht [er] vor ein kirche.
B.: Also sei man hie auch gesinnet, es seien aber je und je gleissner und sunder in der kirchen gewesen. Wan sie aber nicht erzeugt[6] werden, seien sie nicht zu verbannen. Die 11 aposteln haben auch nach der sendung des heiligen geists vil mangels gehabt, noch hab ir gemut gestanden zu got. Also wirt noch heutigs tags bei den allerheiligsten, man geschweig bei den schwachen und bloden, vil fehels und mangels neben dem rechten glauben und gemeinschaft der kirchen erfunden.
J.: Fragt, ob er die kirche, von der er sich gesondert, vor ein christliche kirch erkenne.
B.: Was sondere person belangt, lasse er sondere person verantworten, und sol die kirch zu Aldendorf[7] alles das bessern, das boes ist. Wilcher nu die kirch nit horen wil, der sol usgeschlossen werden. Und sol in unser kirchen gehandelt werden und gepredigt, wie in der confession keys. Mat. uberantwort. Ist aber fehel und mangel in der lere und sacramenten, das es Jorg anzeige.
J.: Begert zu wissen, ob zu Aldendorf die kirch seie, davon Matthei 18 geschrieben stehet.
B.: Wo man christlich leret, ist eine kirche, hie zu Marpurgk, zu Aldendorf und im ganzen lande zu Hessen erpeut man sich desselben. Ist aber unkraut darunder, das muss man gedulden bis zur ernde, es sei dan, das es also herfurbreche, das mans mit nutze und one nachteil des weizens konde usrotten, wilchs aber alwegen nach der vilgemelten Christi ordenung gescheen soll.
J.: Fragt, wan nu das wort da ist und nit die craft, ob er nu noch die kirche zu Aldendorf vor solche kirchen halte? Er wolle sie bezeugen, das sie wider das wort gehandelt und getan haben.
B.: Das wollen wir horen, und zeigt den mangel an.
J.: Er clag uber die fursteher, die gelerten, wie er gestert gesagt hab, mit dem wucher und dem ban. Aber es geschee inen wie einem fechtmeister, der einen andern an der stat finde, und wurde ime sein schwert und gewalt genomen. Man hab inen ire bucher vor drithalben jar genomen und sie in die finsternus geworfen. Noch haben sie einen trost in irem herzen. Begert, das man ine ir testament reiche, so sie von der kirchen handeln sollen.
B.: So sie desmals, als man inen die bucher genomen, nicht grunds gnung gehabt, haben sie unweisslich getan, das sie sich gesondert; haben sie alsdan grund gehabt, den werden sie noch haben mussen, und konden den wol anzeigen. Begert den mangel anzuzeigen in der lere, sacramenten und leben.
J.: Er finde zeugknus in der schrift, wie die kirche getan sein solle; und er seie dahin komen, das er dem volgk sein misstat anzeigen soll. Also hab man inen gefangen, er wolle sie uberzeugen mit der schrift.
B.: Mein g. h. und wir all begern ursach seins absonderns. Nu bring er nit meher, dan den fehel etlicher diener, den man ime doch nit gestanden und sie inen nit beweist, und ob schon der bewiesen, so hab er gestern gehort, das das nit gnung ursach seie seins absonders; das er nu richter sein wolle in seiner eigen sach, daran tu er der gemein unrecht. Wer der confession nachkome, keys. Mat. ubergeben, den wollen sie annemen. Wer aber mangel hat, der sol gbessert werden.
J.: Hab gestert zwen artikeln angezeigt, wolle auch iren mangel anzeigen. Es seie im babstumb nicht gewesen, das man die armen leute us hus und hof gedrungen hab. Aber man verdringe sie nu, und mein g. h. hab zu Wolkstorff gesagt, wan er seinen gelerten folgte, so seissen[8] sie nicht da, sein f. g. wurden strenger mit in handeln.
Solchs hat er alsbalde magister Adam verantwort, das widerspil gesagt und sich uf sein f. g. des referirt und gezogen.
B.: Welche kirch die unschuldigen verfolgt, tut nit recht. Hab nu inen die kirch verfolgt und er wolle es strafen, so richte er in seinen eigen sachen.
J.: Sagt noch, sie seien die kirch nicht, Paulus sagt [Röm. 14, v. 17], das reich gottes sei friede und gerechtigkeit. Sie treiben ungerechtigkeit und machen unfriede zu Marpurgk under den burgern, das man sie steupe und vertreibe, und wan man den rat und burger zu Marpurgk fragte, wurden sie von den leuten, die man ussteupt, sagen, sie haben es nicht verdienet, und wurden sie vor frome leut erkennen.
B.: Man wolle kein unrecht pillchen in der kirchen. Er hab nicht bewiesen, das die kirchen in Hessen kein gerechtigkeit haben, dan er auch noch nicht bewiesen, das ime unrecht geschee und unpillich leide zum friede etc. Sagt, die kirche hab sie nit angeclagt, nicht in torn gelegt, die oberkeit hab es getan und das pillich, dan sie haben unfriede gemacht, die kirch beger mit inen eins zu sein, so verachten sie die ganze kirch, zihen von dero ab, wen sie konnen, und beunruigen vil armer gewissen. Sie wollen from sein und sagen, man tu inen unrecht, musten aber beweisen, das sie sich pillich von uns gesondert haben und solche schwere trenung und ergernus angericht, dadurch niemants gefromet, sonder zum hochsten mennigklich beschedigt wirdet, des sie alles von unsern kirchen noch mit nichten verursacht seind, und hat das, so Jorg angezeigt, kein haft, dan wir pillichen den ban und unpillichen den wucher, welche zwei punkt noch allein angezogen.
[…]
J.: Zeigt an, sie haben mangel im sacrament. Lauter und Zwingel[9] haben spaltung gemacht, und unser kirche misprauche die sacrament.
B.: Wer da wil zufriede sein, kan us irer einigkeit wol zufriede sein. Man hab zwei ding, im nachtmal das zeichen und das, so es bedeutet, und sie haben alwege gehort, das man inen die gemeinschaft des leibs und bluts Christi darinne geb.
J.: Dweil sie nit ein christlich kirch seind, so handeln sie auch die sacrament nit christlich. Das sie aber missbrauchen und unordentlich, das sei am tag; dan sie brauchens mit trunkenpoltzen, wucherern und hurern.
B.: Die kirchen zu Hessen halten, wie die confession keiserlicher Mat. zu Augspurgk ubergeben, das man im sacrament den leib und blut Jhesu Christi emphang. Man geb uns im sacrament den leib und blut etc. Das speise und halte uns zur seligkeit. Das aber Jorg sage, man lasse zugahn volle etc.[10], wan er einen anzeige, der verbannet und uberzeugt seie, dem man das sacrament gebe, so sol es gebessert werden.
J.: Damit diese rede stat hab, so bleib der ban usse. Es haben die babstler bosser[11] ordnung gehalten dan wir.
B.: Man wolle den ban nicht nachlassen, Matthei 18; 1. Corinth. 5; 2. Tessalo. 3 [v. 14], halt sich also, die vorsteher sollen uf ire gemein achtung haben und ein husvater uf sein gesinde. Mit den, die in sunden leighen, sol man der gestalt handeln; so sie dan nicht horen, sie usschliessen, wie muge inen nu der ban so hart anligen, so doch Christus das versameln so fleissig getrieben hab, meher dan das verbannen. Gesche aber kein ufsehens, das ers anzeige.
J.: Hab sein meinung angezeigt, wie er den mangel finde. Seie her Butzer damit nit zufriede, so musse ers gescheen lassen.
B.: Sagt zum volgk, man lere laut der confession. Wer da nit tu, den muge man anzeigen.
Vom wucher.
J.: Er hab angezeigt us der schrift, man solle nicht wuchern, weder mit gelde noch mit gude.
B.: Sagen, sie wollen keinen wucher pillichen, und er musse den wucher beweisen und anzeigen. Dan sie verdamen mit ime den wucher.
J.: Sie wuchern mit gelde von zwanzig gulden einen. Aber man neme nu von zwanzig gulden ein malter korns, das seien zwen oder drithalber gulden. Nu hab die kirch erstes von zwanzig gulden einen genomen, seie in der schrift verpoten.
B.: Lase ime us dem 6. cap. Luce [v. 30, 34], da der herre dan gesagt, der von dir begert, dem gib, leighet auch denen, von denen ir nichts verhoffet etc., und zeiget darus an, das der herre selbst diese regel in allen derlei sachen gegeben hab: Was ir wolt, das euch die leude tun, das tut ir inen auch. Derhalben, wo sich die sach mit dem nehsten also zutregt, das, so wir an seiner stat stunden, billich begerten, das man uns gebe, oder das wir selbst genomen liessen oder leighen, wen von uns schon nit allein kein ubernutzung, sonder auch die gelihen summa nit wider zu bekomen hoffen konde, das wir alsdan unserm nehsten tun, wie wir in solchem fal wolten, das uns geschee. Wo aber der nehst des vermugens, das er mit eins andern gelde gewinnen kan, wilchs derselbig dweil[12] nit one seinen nachteil mangelt, so erfordere die liebe, das er von solchem gewin seinem nehsten, des gelt er genutzet, auch mitteile. Dasselbig ist dan kein verpotener wucher, dan er geschicht mit nutz und one schaden des nehsten. Wo es nu dermassen, es sei mit zinsen oder andern hendeln, gehandelt wirdet, so werde der liebe nach gehandlet und hab es niemants zu schelten. Wo aber der nehst beschwert werde, das verdamen auch wir. Nu sei aber die gemein mässigung funfe vom hundert der gestalt, das solchen zins gemeinlich die, so frembt gelt gebrauchen, mit irem nutzen wol geben konnen. Wo dan der kast zu Aldendorf dieser pillicheit nach gehandelt hab, so muge inen Jorg nit schelten; dan denen leuten, so man des kastens gelt fursetzt, damit bass gedienet wirdet, dan so man dem kasten eigene gueter kaufte und davon den segen gottes vor die armen erwarte. Es solte alles kirchengut in drei teile geteilet und also gebraucht werden, das mit dem einen teil schulen und kirchendiener erhalten, mit dem andern alle notturft der gemein und besonder person versehen, mit dem dritten der kirchen bau und, was zum brauch der kirchen gehort, bestelt werden. Weil aber nu an dem leider vil mangels erscheinet, und darzu die glaubigen in kasten nicht so vil geben, muss man dannocht je sehen, das dasjhenig, so der kaste hat, den armen auch zu nutz kome. Wo nu einer seinen nutzen mit dem gelde der armen schaffet, solt er nit dan den armen leuten davon auch mitteilen? Got hab den Juden verboten, sie sollen keinen wucher nemen, der dem nehsten schadet, und nit solche pilliche abteilung des gewins, den der berre us seinen segen von des einen gelt und des andern schaffen oder werben verlihet. Wo ein solcher zinse genomen wurde, mit dem der arme zinseman beschwert wurde, ist es unrecht. Aber nach gemeinem lauf vom hundert funf gulden, damit kan er auch seinen nutzen schaffen. Wen mans aber nicht also treffen kan, da sol die liebe meister sein. Solche handlung seie ein dienst und ein wergk der liebe, kein wucher, auch nicht von got verboten.
J.: Wie es hie zugenomen hat in der liebe, das findet sich in der tat.
B.: Die papisten wollen unsere leut auch verdamen, es werde imer je boser. Nu ist das unser lere: wirkt buesse und tut gut. Und ist der lere schult nit, das mans nit tut. In alt und neuem testamenten ist alwege gottes wort derart gewesen, das es die leute, so es nit angenomen, alwege erger gemacht hat, wie das auch ad Ro. 1 weitleuftig angezeigt wirdet. Es seien vil beruft, wenig erwelt [Matth. 20, v. 16]. Wilche nu nicht die lere annemen, nachdem sie dero gnungsam berichtet, die fallen teglich tiefer und geben ursach zu der rede: Seidt man die neu lere gepredigt hat, seind vil leut erger worden. Also ist auch ergangen, da die propheten, Christus und die aposteln gepredigt haben, wie das die historien und andere schriften zeugen. Das evangelium losch us alles bose, aber do es recht angenomen wirdet. Nu aber bringe allein das vierte korlin frucht, wie Christus sagt.
J.: Es werde wol davon geredt, aber ime nicht nachkomen, und man musse ins wergk greifen.
B.: Das wollen wir tun.
Vom tauf.
B.: Repetirt, wovon gehandelt, und dweil Jorg vorgemeldet, man mispraucht die sacrament und nemlich den tauf, sprach er: Wir begeren von euch, dweil ir uns des misbrauchs schuldigt, ir wollet uns den misprauch anzeigen.
J.: Ir misprauchet den tauf, dweil die lere des evangelii ist, das man die mentschen erstlich uberzeuge ires bosen, darnach, das sie in die gemeinschaft der heiligen kirchen ingeleibt werden, wilchs ir underlasset, so ir die kinder teufet.
B.: Wir sagen, es sei die ordenung, wie er sagt, so man mit den alten handele, aber mit den kindern hab es ein ander ordnung. Im alten testament hab got mit Abraham seinen bund gehabt und ime darbei das sigel geben, die beschneidung, und ime darbei zugesagt, er wolle sein und seins samens gnediger got sein. Nu hab Christus uns heiden, die an in gleuben, solchen bund auch erworben und wil auch got unser kinder got sein und dasselbig mit dem sacrament der widergeburt, wilche bei uns der tauf ist, wie bei den alten die beschneidung war, in seiner kirchen bezeugt haben.
J.: Ich bleib bei dem text: Gehet hin und predigt. Nu kompt je der glaub us dem gehor, die kinder konnen nicht horen etc.
B.: Fragt, ob er glaube, das die kinder selig werden.
J.: Er hab schrift: Lasset die kinder zu mir kommen etc. [Math. 19, v. 14]. Darbei lasse ers.
B.: So er bekenne, das die kinder selig seien, und doch sagt, die kinder konden nicht horen, so widerspricht er ime selbst, dan sie die wort Marci ultimo auch belangen, als der herre sprach [Mark. 16, v. 15—16]: predigend das evangelium aller creaturen, wer glaubt und getauft wirt, der wirt selig. Dan daruf gleich folgt: wer nit glaubt, nemlich dem gehorten evangelio, der ist verdampt; weil dan die kinder nicht horen, wie Jorg sagt, so musten sie verdampt sein, wo diese ordenung des herren auch die kinder beruren solt.
J.: Wir finden in keiner apostolischen handlung, dan das sie uf die buess zuvor gehandelt haben. Die kinder haben keinen verstand, darumb konnen sie kein buess tun.
B.: Christus hab Marci ultimo ein ordenung gemacht, wie mans mit den alten halten solle. Der herre macht aber unsere kinder auch selig, wie Jorg selbst bekent, und das dermassen, so bald sich ime die alten ergeben, nimpt er auch ire kinder uf in seinen gnadenbund. Wie ein furst, wan er einem ein stamlehen leiget, das er es auch den kindern und nachfolgenden allen damit geluhen hat. Genes. 17 [v. 7]: Ich wil dein und deins samens got sein, darumb ist er auch unser kinder got. Dan wen die alten angenomen, so seind auch die kinder angenomen. Wir mussen die schrift ansehen, was der tauf und bund des herren seie. Wer nu wolt sagen, es solt kein weib beim sacrament sein, dan es were kein weib darbei gewesen, da es der herre erstlich gehalten hat, der tete ja nit recht, noch konde man ime kein usgedrugkt wort furwerfen, da der herre het geheissen oder das exempel geben, das man den weibern solte das heilig sacrament auch mitteilen. Indem aber muss man die art des sacraments ansehen, so findt man leicht, das dies sacrament auch den weibern sol gegeben werden, dan sie auch die gemeinschaft Christi haben als die glaubigen. So nu got die kinder zur seligkeit berufen und bei den alten dasselbig hat mit dem sacrament der widergeburt wollen offentlich bezeugt werden und uns Christus gewisslichen alle die guttat und beweisung der gnaden zugestellet, wilche die alten gehabt haben, wer dan die art der schrift ansihet, der wirt die kinder nit usschliessen, ob man gleich, das die aposteln ganze heuser getauft, in utramque partem disputiren konne und wir sonst auch keinen usgedrugkten bevelh haben: Taufet kinder!
J.: Sindtmals die ordenung der aposteln nit gehalten wirt, teufe man die kinder und lasse es darbei bleiben, leret sie kein buess und besserung.
B.: Die ordenung der aposteln ist gewesen, die alten zu taufen der ordenung, wie sie Jorg angezogen, die kinder aber nach ordenung der beschneidung, und sol man die kinder, wan sie erwachsen, treuelich catagisiren[13] und leren halten alles, was der herr bevolhen hat.
J.: Es stehe ustrugklich geschrieben, die kinder zu beschneiden, aber dies nit.
Fragt Bucer ob wir das lassen sollen, da wir keinen bevelh haben, wie mit den weibern das sacrament geben.
Antwort Jorg: nein man tu unrecht, das mans inen nicht geb.
B.: Ob wir unrecht tun, wen wir den sontag firen[14].
J.: Nein.
B.: So musse er auch die sach mit dem kindertaufen nicht verdamen, ob man schon des keinen usgedrugkten bevelh, weil man des guten grund in der schrift hat. Die aposteln haben die ehren am sabath usgerauft und nit gesundigt, und war dannocht ein usdrugk wort wider sie: Du solt uf den sabaath aller ding kein wergk tun. So bewert Christus auch die uferstendtnus der toten auch sonder usgedrugkt wort, das die uferstendtnus der toten het gemeldet. Wie nu Christus seinen gnadenbund erweitert hab mit den heiden, wie sollen wir dan die kinder usschliessen? Wo ubertreten wir in dem einich wort gottes, wo ubertreten wir die liebe?
J.: Ich wil bei dem bleiben, des ich gewiss bin das die aposteln die bussfertigen getauft haben und das faren lassen, des ich ungewiss bin.
B.: Wil euch unsern grund anzeigen. Matthei ultimo [26, v. 18—20: Mir [ist] gegeben aller gewalt etc. So gehet nu hin, nemet mir zu jungern an alle volker, teufet sie und leret sie halten. Da haben wir den satten bevelh, das wir die kinder annemen mussen. Sollen wir nu volker annemen, so mussen wir sie annemen, wie das volk der Israheliter angenomen worden. Wie das? Also: er wolle ir und irer kinder got sein. Da frag ich, ob nit auch da kinder under das volgk gehoren. Nu folgt nach dem tauf: Leret sie halten ire leben lang, was ich bevolhen hab. Dieser gestalt gehet das leren nach dem taufen, wiewol man nit schliessen kan, welcher ordenung die sachen ufeinander gehen sollen us der ordenung, wie etwan davon meldung geschicht. Dan wir haben Marci 1 [v. 4—5]: Johannes kam, tauf und predigt, die leut kamen, worden getauft und bekanten die sunde, und ging doch die predig Johannis dem taufen fur, wie auch die leute ire sunde eher bekenten, eher dan sie getauft worden. Wir haben hie Matthei ultimo: Machet mir jungern alle volker, da sollen wir die kinder nicht usschliessen. Lasset die kinder zu mir komen, sie gehoren in mein reich, in mein kirche und wer nicht das reich gottes annimpt wie die kinder etc. [Luk. 18, v. 16—17]. Und ist das unser grund: wie die juden angenomen, also seind wir und unser kinder mit dem sacrament der widergeburt auch angenomen.
J.: Der erst grund, der von den aposteln ist, der gefellet mir besser dan der euer; und ob es schon also were, als es nit ist und nit bewiesen magk werden, so were doch vil misbrauchs darbei mit gevatter bitten, fressen und saufen.
B.: Wo gebot, wo geschrift etc. Item mit dem misbrauch der gevatterschaft, Abraham hat auch ein fest gehalten mit der beschneidung seins son. Und man hat im alten testament uf den hochzeitlichen tagen gessen und getrunken. Die gevatterschaft seie bei zeiten Augustini gewesen und kome us der liebe. Item da Johannes geboren ward, komen die nachpern zusamen, da hab man auch gessen und getrunken. Aber den misbrauch verdamen wir.
J.: Man hab seinen grund gehort, darbei wolle er es bleiben lassen, und hab die schrift keinen bessern grund dan seinen.
B.: Es stehe diese disputatz im urteil gottes und der kirchen.
Von der oberkeit.
B.: Sagt, man habe von der oberkeit disputiret, das die cristen kein oberkeit haben sollen. Repetirt hieher die confession, so keis. Mat. zu Augspurgk ubergeben worden.
J.: Hab nichts dawider, dan die schrift weise inen dahin, das er der oberkeit gehorsam sein soll. Aber so die oberkeit das schwert nit recht brauche, wolle er ir nit gehorsam sein.
B.: Der undertan sol der oberkeit gehorsam sein in alle demjhenigem, da nit offenbar ist, das der undertan wider got tete, wo er gehorsamet. Dan wo solchs nit ganz offenbar, sollen die undertan uf der obern gewissen gehorsamen und sich nicht zu richtern setzen der oberkeit und iren bevelh. Wen aber der undertan wuste, das die oberkeit ime offentlich unrecht zu tun uflegen wolt, da sol er nit folgen wie die trabanten Sauls, da sie die priester umbbringen solten, da sie wusten, das sie offentlich unschuldig waren [1. Sam. 22, v. 17].
Von der mentscheidt Christi.
B.: Ercleret denselben artikel us etlichen schriften und schloss darus, wen Christus von Marie fleisch nicht genomen hett, so wer er auch kein mentsch, und fragt, ob Jorg auch mangel darin hett.
J.: Ich bleib bei dem artikel des glaubens: er ist emphangen vom heiligen geist, geborn us Maria, der jungfrauen.
B.: Roma 1 [v. 3]: Er ist ein son Davidts nach dem fleisch.
J.: Bleib bei dem artikel des glaubens, was er des nit verstand hab, das werd ime got mit der zeit geben. Konne nit vermeinen, das er einen grund darus neme, wie B. davon rede, aber vil dawider zu reden konne er auch nicht.
B.: Maria vom huse Davids sei geschwengert vom heiligen geist, darumb nennet in die schrift einen son Davidts. Item, die Munsterischen haben gesatzt: Christus hab von Maria kein fleisch genomen. Nu sagt Elisabeth [Luk. 1, v. 42]: Gebenedeiet sei die frucht deines leibs, das muss man verstehen nach art der schrift, welche frucht des leibs die allein heissen, so von solchem leib ir blut und fleisch emphangen, und seie Christus ire naturlicher son, doch die gemeintschaft des mannes hindangesetzt.
B.: Fragt, ob sie weiter ursachen haben, sich von uns zu sondern?
[Absolution].
J.: Man hab seinen fehel zum teil gehort, hab aber weiter mangel, nemlich den: man spreche das volg in gemein der sunde ledig, darunder seien vil unbussfertiger etc. Item, wan die missteter das leben verbrochen, so sprech man inen das reich gottes zu, und man solle doch nicht sterben wie ein morder inhalt der schrift.
B.: Wan einer sagt: Es reuen mich meine sunde, so absolvirt man inen, sie konnen ime aber ins herz nicht sehen Und ob wol ein jder sich huten soll, das er nicht in leiden kam von wegen morts und diepstals etc., wen es aber mit ime je dahin komen ist, sol er sein leiden tragen wie der schecher am kreuz und gnad bei dem herren suchen, die wirdet er gewisslich finden, als sie der schecher funden hat. Und fragt B. Jorgen, ob sie etwas weiter haben.
J.: Nein, hab aber magister Adam und andere mangel an inen, das mugen sie anzeigen.
B.: Den mangel hab man an inen, das sie sich von uns trennen one ursach. Dan wir wollen den ban nicht hindan setzen, den wucher nicht bestetigen, bussfertig leben verkunden wir, die sacrament reichen wir nach inhalt der schrift und nach der confession zu Augspurgk ubergeben. Bit, das sie, Jorge wollen zu erkennen geben, ob sie sich zu uns widerumb begeben wollen in allen christlichen stucken.
Antwort Jorg, sie wollen sich daruf bedenken.
Folgt die handlung mit Lenharte von Mostricht. Und sagt derselbig Lenhart, als sein mitbruder zu den artikeln antwort geben, darinne hab er noch mangel und wil den anzeigen ufs einfeltigst und mit gezeugknus heiliger schrift. Erstlich frag er her Butzern, woher er seinen beruf hab, nach der regel Christi das wort gottes zu predigen.
B.: Wer der gemein dienen kan, der diene mit dem, das er kan. Nu hat die gemeine die hie berufen, die predigen konnen, und hab Paulus Tito bevolhen, die stedt zu besetzen mit tauglichen leuten [Tit. 1, v. 5]. Also seind auch unsere predicanten gefordert.
Lenhart: Damit hab er noch keinen gnugen, wer sie gesandt hab.
B.: Es kan niemant predigen, er sei dan gesandt, Roma 10, [v. 15]. Was nu ein jder hat, damit sol er der gemein dienen.
L.: Wan ich sie sehe komen mit solchen zeichen, wie inen Christus bevolhen hab, nemlich das sie sollen neu geborn werden, mit ersterbung der sunden Christo ingeleibt, so wil ich inen glauben.
B.: Welchen sie mugen uberzeugen, das er Christo nit ingeleibt sei, den wollen wir auch nit lassen ein prediger sein.
L: Christus sagt Joannis 3 [v. 7]: es sei dan, das ir von neuem geboren werdet etc. Nu erken ich noch keinen, der durch solche geburt sei ufgestanden durch abfal des ersten lebens, finde, das sie im gegenteil stehen, sameln mit Christo nit, sonder strauen.
B.: Er sol es anzeigen in welchem stuck.
L.: Man hab gehort sein anclage, das sie dem greuel nit han wollen steuren und seind nu des babsts gelieder worden durch den kindertauf, in demselben haben sie das gute lassen stehen, den greuel widerumb ufzubauen.
B.: Der kindertauf ist inen verlihen us gottes ordenung, seien darus kinder gottes angenomen. Euchichias[15], Jesaias etc, und andere meher haben den bund gottes erfrischet, aber doch die leute widerumb nicht beschnitten. In alten testament hab man den bond des herren mit dem osterlamb erneuert. Also haben unsere predicanten auch mit dem nachtmal. Dweil sie dan den glauben bekennen, so mussen wir sie vor christen halten, unangesehen das sie den tauf nicht erneuert haben.
L.: Ich befinde, das sie nit ein lebendig wort, wie dan got seinen geliebten son vor uns gesendt hat, haben ein todt wort, das geb ire gemeinschaft gezeugknus, dan sie wurden sie von dem bosen abzihen.
B.: Ir claget, das ir nicht beweret.
Fragt Butzer Lenharten, ob ire fursteher ein tat oder lebendig wort haben.
Antwort L.: Sie haben ein lebendig wort, das den mentschen vom bösen zum gute bringen kan und ganz erneuern.
B.: Wolt got, das Munster und sie alle ein lebendig wort hetten, das in uns allen den alten Adam toten kont! Bruchet euer lebendig wort an uns itzo alhie und allen mentschen, das wir gar from werden. So ir dan nu das nit tun kont und vermeint doch ein lebendig wort zu haben, so lasset das wort Christi, der aposteln und das itzt predigt, wilchs ein wort ist, auch ein lebendig wort sein, ob sich gleich wol des allein bessern, die zum leben verordnet seind.
L.: Ich find noch keinen, der sich bekert het von seinem vorigen sundigem befleckten leben. Dabei kan er dan nit spuren, das sie ein lebendig wort haben.
B.: Das ist kein folg. Man hat das wort lang gepredigt, ist kein besserung da, darumb ist es kein wort gottes. 4. Regum ultimo [2. Chron. 36, v. 15]: Ich hab imer propheten gesendt und es hat bei euch geholfen. Und das er sag, er hab noch nit einen etc., da sol gedenken, das er nit urteile; er hab one zweivel vil leute gekant, das mancher mit seinem blude bezeugt hab, und er konne nit wissen, was ein jder in einem andern lande guts tu. Darumb sei es ein grosser frevel von ime, das er sag, er hab nit einen funden.
L.: Das ich ein urteil felle, da ich nit soll, daruf sag ich: Was gottes wort richtet, das richten wir nit, doch brauchen wir des worts nach seinem bevelh. Darumb wan man richtet, ist es nit geurteilt.
B.: Fragt, ob die folg gut sei, die leut werden durch das wort nicht bekeret, darumb ist es nicht das gotteswort.
L.: Er wolle bei dem claren gezeugknus bleiben. Christus lasse sich nit finden in den hohen schulen.
B.: Sagt, Lenhart muge got die ehre nicht geben, das die folg nicht tuge. Darumb bezeugt er sich gegen den umbstendern und sagt, Christus hab in den hohen schulen gepredigt, dan er seie in den sinagogen gewesen und hab gepredigt allen creaturen. Aber die cleinen nidrigen gegen der welt haben es angenomen, die findt man bei fursten und herren ufm felde und an andern orten und seind das die hochverstendigen, denen die lere Christi verborgen, die us inen selbst wissen und nicht us dem wort gottes lernen, wen gleich sonsten die geringsten leudt seind.
L.: Christus spricht: An den fruchten erkennet man den baum, Matthei 12, [v. 33, 34]. Was nu das herz vol ist, das gehet der mund uber, das kan man dan richten. Darumb konnen sie nit beweren, das sie gesandt seien, dan sie beweisen kein gute frucht.
B.: Wie kan die folg recht sein: Er ist ein boser baum’ dan ich hab kein gute fruchte von ime gesehen! Wie wen der baum in Kalikutten were und ich bin hie und sehe kein gute frucht am baum, solte er darumb keine haben? Er, Lenhart, hab nit jderman gesehen. Darum urteile er frevenlich. Bit, sie wollen urteilen, was sie sehen, und nit also understehen, got gleich zu werden. Dan derhalb hat got die engel us dem himel gestossen.
L.: Hab gehort von seinem bruder, sie haben wollen das gut tun, das sie erkant und bekant haben. Aber die predicanten seind die ersten, die seine bruder vor der oberkeit beclagt und angeben haben als ufrurisch. Das hab er von keinem aposteln oder propheten gelesen, dan got sei ein gott des friedes.
B.: Er hab sollen sein urteil beweren, das keine frucht erscheine in unser kirchen, das er luge, wie ers bewert hab. Wir gestehen: welcher prediger einen guten verfolgt, das der nicht recht tu. Nu aber werden die taufer verfolgt, darumb das sie nit frumb seien, sondern der kirchen den grosten unfromen und schaden zufuegen. Der ist nit from, der seinen nehsten verletzt, noch vil unfromer ist, der ime die lere gottes und der sacramenten entzeuhet, wie ir und die euern tun, welche den leuten den hohsten schaden zufuegen, nemlich an der religion; dieselbigen seind die aller unfrombsten, ob sie gleich keinen wein trinken, kein fleisch essen, alle strengkeit liebten, imer beteten und sich alles des ubten, das geistlich scheinet. Dies ist auch alleweg des satans art und gebrauch, das er falsche religion mit vermeinter strengkeit des lebens infure, wie auch an den falschen aposteln bescheen, uber die Paulus clagt zum Colos. 2 [v. 16 ff]. Dies ist auch bewiesen an den Manicheern und andern, die die heilig religion zum schwerlichsten verstoret haben. Die prediger heissen niemants unpilliche verfolgen. Sie predigen aber, wie sie Paulus leret [Röm. 13, v. 4], das die oberkeit das schwert nit vergebens trage, sondern zur forcht aller deren, die ubels tun, und darumb zur hohsten forcht deren, die das grost ubel tun, die heilige religion verletzen. Und leiden die taufer als die ubelteter, und hab got kein arges so hart wollen gestraft haben als die gotteslesterung. Und sie haben noch nicht bewiesen, das unsere kirch oder predicanten bose beum seien. Christus hab die leute us dem tempel getrieben, die die religion verterbt haben.
L.: Ir musset bekennen, das die fromen von anfang die unfromkeit nie verfolgt haben.
B.: Das widersprech ich, dan wer hat Lucifer im himel verfolgt dan die fromkeit im himel. Item sanct Paulus hat die falschen aposteln heftig verfolgt.
L.: fragt: Hat dan Paulus die andern verfolgt?
B.: Ja, und aber das us recht gotlichem eifer, da die falschen aposteln inen verfolgten us falschem teuflischem ifer.
L.: wo hat Jacob seinen bruder Esau verfolgt? Sonder Cayn hat seinen bruder Abel verfolgt umb des ophers willen und Esau Jacob. Also auch noch heut etc.
B.: Das die bosen die guten verfolgen, das gestehen wir; das aber die fromen auch die bösen verfolgt haben, zeugt alle schrift. Was hat Christus im tempel getan, was hat Petrus in actis [Apg. 5] getan dem Anania?
Folgends freitags.
L.: Ich hab nechten[16] frag getan, wie ir gehort habt. Nu kan ich euer rede nicht tadeln; wan man es nu also ins werk fhuret, so hab er wol daran ein gefallen, aber doch kein gnugen, bissolang man es ins wergk bringt, dan wil er mit seinen gesellen darzu helfen, das der tempel gebauet werde. Und das sie sich von uns getan, haben sie ursachen angezeigt und bitten, das man mit inen gedult haben wolle, das licht scheinen lassen und den baum nicht abhauen, dweil er in der blut stehe.
B.: Man sol ansehen, wie Christus, die aposteln und propheten gehandelt, haben anfengklich gnugen gehabt an der bekantnus, in der liebe gewartet uf die werk; seind die nicht gefolgt, so haben sie nach der ordenung gottes mit inen gehandelt. Item das Petrus die erste predig getan, hab er, die sich eusserlich bekent, in die kirch genomen. Darumb so sie von uns den brauch und die lere annemen wollen, das seind sie schuldig. Er musse auch das bedenken, das die kirch vil gelieder hab, aber die prediger sollen irem ampt vleissig warten, heilen, was verwundt ist, sterken, was schwach ist. Das nu etwan darunder bose bock seind, das muss man den guten scheflin nicht zurechnen. Er sage, man solle den baum nicht abhauen etc. Sagt B.: unser g. h. ist gemeint, das sein volk nicht verstoret und sie taufer nicht ubereilt werden. So er aber sihet, das das wort veracht wirdet und zuvoran durch sie, die taufer, ist er schuldig, dem zu begegnen, und das bei inen das best getan wurde, ob sie sich bessern wollen. Er muss ime die kirch lieber sein lassen dan sein vater, bruder und mutter, Mosi im 5. buch ca. 13 [v. 7].
L.: Als er von der straf anzeigt, das man inen und seine bruder dargestelt hab als vor schuldigk, da sagt er nein zu, dan er hab vleiss getan, das der tempel gottes gebaut wurde, und er wolle es mit seinen brudern beweisen. Dweil sie nu gesehen, das die unsern mit falscher lere und sunden behaftet seind, so haben sie uns zum besten sich von uns gekeret. Wo wir nu das also erkennen, wollen sie sich in der guete an uns auch als gehorsame kinder gottes tun. Man hoff auch, das man kein ursach an inen hab, sie als ubelteter zu strafen. Was sie ubels sehen am nehsten, wollen sie strafen und niemants ansehen inhalt des evangelii [Matth. 10, v. 32]: Wer mich hie bekent etc. Item die schrift seie allenthalb uf irer seiten. Dan Paulus sprech [2. Kor. 6, v. 17]: Man solle usgehen von dem bösen. So sie nu mit uns sollen das unrecht vor recht bekennen, das wolle er nit tun und ehe darfur leiden, was er solle. Item, man konne dem tisch des herren und des teufels nicht zugleich anhangen. Und wir werden uns umbsehen, wie wir stehen, damit wir nit stehen, da wir nit stehen sollen. Wir sollen verlassen das ungotliche und folgen dem gotlichen. Hetten sie das an uns gespurt, so wolten sie bei uns blieben sein. Nu sol man sie des absonderns nit verdenken, hoffen auch der furst und die umbstender sollen bedenken, das sie als die wolteter und nit als die ubelteter gelitten haben mit gedult, das wir mugen sehen, was sie im herzen haben.
B.: Bit, man wolle des wol warnemen, das er anzihe, man musse vom bösen ablassen, man konne nicht dem tisch Christi und des teufels dienen. Nu furen unsere fursteher kein andere dan diese. Die schrift ist wider die taufer, dan sie seind behaft in dem wergk, das sanct Paulus sagt zun Galatern [1, v. 8]: heresis. Die christliche lere, die wir vor dem keiser bekent, wissen wir in gotlichem wort gegrundet; und alle kinder gottes schuldig sein, mit uns in solcher lere gemeinschaft zu haben, unangesehen ob gleich etliche erfunden werden, die ubel leben. Und so lang die lere gefurt und die sacrament geubt werden, seind alle mentschen schuldigk, bei uns zu bleiben. Nu haben sie dieselbig lere nicht allein gemitten, sonder auch geschmehet (verhoff aber doch us unverstandt) und damit vil leute gesturzt in ewigs verterben. So sie nu einen glauben hetten, die berge zu versetzen und ire leib hingeben zu brennen, wie Paulus 1. Corinth. 13 [v. 2 ff] meldet, und aber die liebe nit haben und uns vom reich Christi verwerfen, seind sie usser Christo und in dem aller schweresten argen. Galat. 6 hab man die werke des fleischs, nit alleine die groberen usseren, sonder auch die geistlichen und inneren rotten und secten. Hetten sie nu alle laster, allen bracht der welt geflohen und sich aber bei die leut getan, jder seinen nachper und nehsten underricht und freundlich gebessert und mit den rechten glaubigen, dweil die heilige gemeinschaft an der lere, sacramenten, beten und almusen geben, so hetten sie der lere Christi und der aposteln recht nachkomen. Nu aber, so sie umb der bosen willen auch die guten gemitten und den heiligen dienst in seiner kirchen geflohen, gelestert und, so vil an inen, dernider gelegt, haben sie anders nichts getan, dan vil selen innerlich verterbt, das wort Christi veracht und damit bei gemeinen bofel ein verrucht gotlos leben ingefurt. Was konnen sie ergerlichers und schedlichers wider die christlich kirch furgenomen haben? Unser confession mag niemants dargeben als ungerecht oder gotteslesterung. Nu deren [confession] noch leren wir und halten die heiligen ceremonien, noch so beschuldigen uns diese leut, als ob in unser kirchen aller grewel des widerchrists regiret in aller lere und kirchenubungen. Darneben bekennen wir auch, das leider alzu wenig rechter christen seind; das clagt auch Paulus gemeinlich in allen seinen episteln uber seine kirchen. Ist einer mit einem laster ubereilet, so sollen inen die, so geistlich seind, mit dem geist der sanftmut erbauen und einer des andern last tragen [Gal. 6, v. 2]. Wen ich nu das mein getan hab, so bin ich gegen got entschuldigt und wirdet villeicht got sein gnade geben. Und wir gestehen euch derhalber nicht, das ir als die unschuldigen gelitten habt, sonder als die, die grosten schult und böseste taten getan haben. Wil also beschlossen haben. Sie sagen, haben bei uns die werk des geistes nicht funden, darum haben sie sich von uns pillich getan. Das gestehen wir nit.
L.: Begert man wolle ime das bekantnus, so keys. Mt. ubergeben ist, zustellen, damit sie sich einen tagk oder zwen daruf zu bedenken haben.
B.: Das sol gescheen.
Peter Lose sagt: Nach dem mein g. f. und h. inen und allen iren brudern, so zu Wolckstorff mit inen gefangen gelegen, geschrieben hab, so dan seine bruder bei der hand weren, wolten sie sich mit inen besprechen und alsdan antwort geben.
[…]
Anmerkungen
Quelle: Urkundliche Quellen zur hessischen Reformationsgeschichte, Band 4: Wiedertäuferakten 1527–1626, herausgegeben von Günther Franz. Marburg, 1951, S. 213–34.