Die nationalsozialistische Gesundheitspolitik zielte in erster Linie
darauf ab, die Gesundheit des „Volkskörpers“, d. h. die „rassische
Gesundheit“ der Nation, sicherzustellen. Die Priorität, die der
Gesundheit der Volksgemeinschaft (und der Produktivität der Arbeiter) in
Nazi-Deutschland eingeräumt wurde, bedeutete auch eine größere
koordinierte Anstrengung, um die Ausbreitung von Infektionskrankheiten
zu verhindern. Es wurden zwar Mittel für proaktive Maßnahmen zur
Eindämmung von Epidemien bereitgestellt, wie z. B. die Impfung gegen
Diphtherie, aber angesichts der Belastungen durch die
Kriegsvorbereitungen, die unzureichende Unterbringung und die schlechter
werdende Ernährung hatte das Regime offenbar einen schweren Stand im
Kampf gegen mehrere Krankheiten. So wurden im Jahr 1933 77.000
Diphtheriefälle gezählt, vier Jahre später waren es bereits 146.000. Auf
diesem Plakat werden Eltern daran erinnert, dass es ihre Pflicht
gegenüber der Volksgemeinschaft sei, ihre Kinder impfen zu lassen, um so
eine weitere Ausbreitung der Diphterie zu verhindern. 1934 wurde die
erste große Impfkampagne gegen Diphterie begonnen, für die mit Plakaten
wie diesem, mit Werbefilmen der Pharmakonzerne, in der Presse, sowie mit
Flugblättern und Elternbriefen in den Schulen geworben wurde. Allerdings
gab es keine Impfpflicht gegen Diphterie wie sie z.B. gegen Pocken
bestand. Stattdessen setzte das Regime auf sozialen Druck, die Angst vor
der Krankheit und die Mobilisierung des Pflichtgefühls unter den
Mitgliedern der „Volksgemeinschaft“, eine Strategie, die durchaus
erfolgreich war. Mit Beginn des Krieges wurde die Impfung gegen
Infektionskrankheiten noch wichtiger, da durch die Evakuierungen aus den
Städten und den Aufenthalt in beengten Luftschutzkellern eine weitere
Ausbreitung zu befürchten war und noch weniger medizinisches Personal
und Krankenhausbetten zur Verfügung standen als zuvor.