Kurzbeschreibung

Rudolf Steiner (1861-1925), ein in Österreich geborener Autor, Publizist und Reformpädagoge, wurde vor allem als Begründer der Anthroposophie bekannt, einer spirituell-esoterischen Weltanschauung, die nach dem Ersten Weltkrieg immer mehr Anhänger fand. 1912 gründete Steiner in Berlin die Anthroposophische Gesellschaft, die zu dieser Zeit etwa 2.500 Mitglieder hatte. Als produktiver Autor und Redner verbreitete Steiner seine Theorien durch Zeitschriftenartikel, Bücher und populäre öffentliche Vorträge wie den hier angekündigten. Steiners Theorien inspirierten die Gründung der Waldorfschulen, deren pädagogische Grundsätze auf der Vorstellung basieren, dass der Mensch aus Geist, Seele und Körper besteht und dass die Bildung daher intellektuell-kognitive, künstlerisch-kreative und handwerklich-praktische Fähigkeiten gleichermaßen fördern sollte. Die erste Waldorfschule wurde im September 1919 in Stuttgart gegründet, nur vier Monate nach diesem Vortrag. Sie entstand auf Wunsch des Zigarettenherstellers Emil Molt, der eine Schule für die Kinder seiner Angestellten einrichten wollte. Molt und seine Frau hatten Rudolf Steiners öffentliche Vorträge in Stuttgart besucht und waren Anhänger seiner anthroposophischen Lehren geworden. Molt hatte sich bereits im April 1919 mit Steiner zusammengetan, um in Württemberg den „Bund für Dreigliederung des sozialen Organismus“ zu gründen, der sowohl den radikalen politischen Bewegungen der Zeit entgegenwirken als auch den Kapitalismus letztlich abschaffen wollte. Die Tatsache, dass es sich bei diesem Vortrag um einen Zusatztermin zu einem ausverkauften Steiner-Vortrag nur fünf Tage zuvor handelte, unterstreicht die öffentliche Anziehungskraft seiner spirituellen Philosophie.

Ankündigung eines Vortrags von Rudolf Steiner in Stuttgart (Mai 1919)

Quelle

Quelle: Ankündigung eines Vortrags von Rudolf Steiner in Stuttgart, Mai 1919. wikimedia commons

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