Kurzbeschreibung
Am 11. Januar 1923 besetzten fünf französische Divisionen sowie
einige belgische Einheiten das Ruhrgebiet, in dem die deutsche
Schwerindustrie konzentriert war. Grund hierfür war die Feststellung der
Reparationskommission, dass Deutschland mit seinen Reparationsleistungen
gegenüber Frankreich im Rückstand war. Laut Versailler Vertrag konnten
verspätete oder versäumte Reparationsleistungen mit Sanktionen bestraft
werden. Die französische Regierung unter Ministerpräsident Poincaré war
davon überzeugt, dass Deutschland taktierte, um die
Reparationsleistungen zu vermeiden und beschloss, das Ruhrgebiet als
Sicherheit für ausstehende Kohle- und Holzlieferungen besetzt zu halten.
Zudem war Frankreich auf die deutschen Reparationen angewiesen, um seine
eigenen Kriegsschulden abzuzahlen. Sowohl in der deutschen Regierung als
auch in der Bevölkerung traf die Besetzung auf entschiedenen Widerstand.
Reichspräsident Ebert rief noch am Tag des Einmarschs der
Besatzungstruppen zum passiven Widerstand auf und ordnete die sofortige
Einstellung der Kohlelieferungen an Frankreich und Belgien an. Die
Gewerkschaften riefen indessen zum Generalstreik auf, dem sich auch
Post- und Bahnbeamte anschlossen, sodass Wirtschaft und Transportwesen
im Ruhrgebiet zum Stillstand kamen. Den Streikenden sagte die Regierung
finanzielle Unterstützung zu. Letztlich scheiterte die Politik des
passiven Widerstands jedoch an der unaufhaltsam fortschreitenden
Inflation und der daraus resultierenden Notlage der Bevölkerung. Erst
nachdem durch amerikanische Intervention ein realistischerer Zeitplan
für die Reparationen sowie die Räumung des Ruhrgebiets in Aussicht
gestellt wurde, entspannte sich die Lage, und die Besatzungstruppen
verließen das Ruhrgebiet planmäßig im Juni 1925.
Auf diesem Foto sind französische Besatzungssoldaten einer
Fahrrad-Brigade in der besetzten Stadt Essen zu sehen, eines der
industriellen Zentren im Ruhrgebiet. Insgesamt wurden 60.000
französische Soldaten ins Ruhrgebiet entsandt.