Kurzbeschreibung
Dieser antifranzösische Propagandafilm mit dem Titel „Unter fremdem Joch“ gab der Empörung der Deutschen über die französisch-belgische Besetzung des Ruhrgebiets, des kohlereichen Zentrums der deutschen Stahlindustrie, im Jahr 1923 Ausdruck. Mit polemischen Zwischentiteln, Animationen und Dokumentaraufnahmen von Stahlwerken und Industrieanlagen stellte der Film die Besetzung durch Frankreich als unverhüllte Landnahme dar, als schamlose Beschlagnahmung deutscher Industriekapazitäten unter dem Vorwand, die Wiederaufnahme der Reparationszahlungen an die Alliierten sicherzustellen. Im Gegensatz dazu stellte der Film die deutsche Bevölkerung in der Region und insbesondere ihre führenden Industriellen – darunter den Stahlmagnaten Fritz Thyssen und den Generaldirektor der Stinnes-Kohlebergwerke, Walter Spindler – als patriotische Helden dar. Sowohl Thyssen als auch Spindler wurden wegen ihrer Weigerung, während der Besetzung mit den französischen und belgischen Behörden zu kooperieren, verhaftet und zu Geldstrafen verurteilt – nationalistische Widerstandsaktionen, für die der Film sie lobte. Schließlich rief der Film alle Deutschen dazu auf, sich im Widerstand gegen die Besatzung zu vereinen, und zitierte Schillers Drama Wilhelm Tell, um zu unterstreichen, dass es sich hier um einen Freiheitskampf handele. Frankreich und Belgien waren eindeutig unnötig hart gegen die Nichterfüllung der Reparationsverpflichtungen Deutschlands (in Form von Kohle-, Stahl- und Holzlieferungen an beide Länder) vorgegangen, doch hatten die aufeinanderfolgenden deutschen Regierungen ihrerseits auch nie ernsthaft versucht, diesen Verpflichtungen nachzukommen. Die fast einjährige Politik des passiven Widerstands, in deren Rahmen die Reichsregierung die Arbeiter im Ruhrgebiet dafür bezahlte, nicht zu arbeiten, löste sowohl Gewalt als auch eine fast unvorstellbare Hyperinflation aus, zwang jedoch auch die politischen und finanziellen Entscheidungsträger in Europa und den USA, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Der daraus resultierende Dawes-Plan brachte Deutschland auf den Weg zu größerer wirtschaftlicher Stabilität und besseren Beziehungen zu seinen westlichen Nachbarn, und die französisch-belgischen Besatzungstruppen verließen 1925 das Ruhrgebiet, was bessere Zeiten für die Weimarer Republik einläutete.
Unter fremdem Joch (1923)
BArch