Kurzbeschreibung

Dieser Ausschnitt aus einer Emelka-Wochenschau vom März 1932 berichtet über die Feierstunde, die im Reichstag am 6. März 1932 anlässlich des 200. Geburtstagsdes ersten US-Präsidenten George Washington stattfand. Auszüge aus den Reden von Reichskanzler Heinrich Brüning und US-Botschafter Frederic M. Sackett sind hier zu hören. Die Organisatoren stellten zu diesem Anlass eine Büste Washingtons auf einem Podest direkt hinter dem Rednerpult auf. Neben dieser offiziellen Feier lancierten Organisationen wie die Amerikanische Handelskammer in Berlin und die Carl-Schurz-Gesellschaft, die beide die gemeinsamen Bindungen Deutschlands zu den Vereinigten Staaten betonten und engere Beziehungen anstrebten, das ganze Jahr über verschiedene öffentliche Veranstaltungen und Publikationen. Sie fanden zu einer Zeit statt, als Deutschland verzweifelt versuchte, seine wichtigen wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen zu den USA wiederzubeleben, die infolge der Weltwirtschaftskrise zum Nachteil Deutschlands stark gelitten hatten. Die Veranstaltungen hatten allerdings auch innenpolitische Bedeutung für die Vertreter der deutschen Republik, da sie zu einer Zeit stattfanden, als ihre eigene Verfassung von immer populärer werdenden Parteien der extremen Rechten und Linken, insbesondere der NSDAP, bedroht wurde. Indem sie die besonderen deutschen Beiträge zur Entwicklung der amerikanischen Demokratie hervorhoben, von Friedrich Wilhelm von Steubens Beteiligung am Unabhängigkeitskrieg bis zu Carl Schurz' führender Rolle bei der Erhaltung der Union rund 87 Jahre später, versuchten diese verschiedenen Gedenkfeiern auch, das demokratische Bewusstsein ihres Publikums zu wecken. Konkrete Vergleiche zwischen deutschen Politikern und George Washington hatten in der Weimarer Republik zudem Tradition. Auf einem SPD-Parteitag in Heidelberg im September 1925 zog Hermann Molkenbuhr beispielsweise eine direkte Parallele zwischen Washington und Friedrich Ebert, dem ersten Präsidenten der Weimarer Republik, der nur wenige Monate zuvor verstorben war. Der Bericht über diese Zeremonie in einer Wochenschau, einschließlich der huldigenden Nahaufnahmen von Washingtons Büste, die während des gesamten Beitrags erscheinen, stellte außerdem eine bewusste redaktionelle Entscheidung der Produktionsfirma Emelka dar.

Feierstunde für George Washington im Reichstag (März 1932)

Quelle

Brüning: Meine Damen und Herren, selten wird es geschehen, dass einem längst verstorbenen Staatsmann bei einem anderen als seinem eigenen Volke eine Gedächtnisfeier [zuteil] wird. Nur ganz außergewöhnliche Gründe können diese Möglichkeit schaffen. Der Gefeierte muss als Staatsmann und Mensch eine geschichtlich überragende Persönlichkeit sein, und es müssen besondere Bande der Freundschaft zu dem Volke bestehen, aus dem er hervorgegangen ist.
[Applaus. Amerikanische Nationalhymne wird gespielt.]
US-Botschafter Sackett: In the distinguished presence of the Chancellor of the Reich, attended by the cabinet, and surrounded by the leading personalities of the government and people, I rise in this historic chamber to bring America's greetings to the German nation.
[Applaus]

Quelle: Emelka-Ton-Woche Nr. 77, 1932. Bundesarchiv Filmarchiv Filmwerk ID: 773, https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/en/video/773/635813

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