Kurzbeschreibung

In diesem Ausschnitt aus einer Ausgabe der Deulig-Tonwoche vom Juni 1932 ist der neue Reichskanzler Franz von Papen zu sehen, der sich auf den Beginn der Reparationskonferenz mit Großbritannien und Frankreich am 16. Juni in Lausanne vorbereitet. Papen erläutert die Position seiner Regierung, indem er direkt in die Kamera spricht – eine technologische Neuheit zu dieser Zeit, da die Filmgesellschaft Deulig erst Anfang des Jahres mit der Produktion von Tonwochenschauen begonnen hatte. Papen, ein politischer Neuling, der erst zwei Wochen zuvor das Amt des Reichskanzlers übernommen hatte, stand in Lausanne vor einer großen diplomatischen Herausforderung, da er die Reparationszahlungen neu verhandeln wollte, welche die siegreichen Alliierten Deutschland am Ende des Ersten Weltkriegs auferlegt hatten. Frühere Konferenzen hatten bereits zu einer Staffelung der Zahlungen geführt, und der nur zwei Jahre zuvor vereinbarte Young-Plan hatte die deutschen Zahlungen an die Alliierten auf insgesamt 36 Milliarden Reichsmark festgesetzt. Die Weltwirtschaftskrise hatte die Alliierten jedoch gezwungen, die Reparationszahlungen Deutschlands im Jahr 1931 mit dem sogenannten „Hoover-Moratorium” vorübergehend auszusetzen. Die deutsche Delegation unter Papen in Lausanne wollte noch weiter gehen und strebte die vollständige Beendigung der Reparationszahlungen sowie die Streichung des „Kriegsschuldparagrafen” des Versailler Vertrags an, der Deutschland die alleinige Verantwortung für den Krieg zuwies. Papen gelang es auf der Konferenz, ein Ende der jährlichen Reparationszahlungen im Austausch gegen eine einmalige Zahlung von 3 Milliarden Reichsmark auszuhandeln, doch Frankreich und Großbritannien machten diese Vereinbarung von einer separaten Vereinbarung zwischen ihren Regierungen und den Vereinigten Staaten über die Tilgung der interalliierten Kriegsschulden abhängig. Da eine solche Vereinbarung nicht zustande kam, ratifizierte keiner der drei Teilnehmer der Lausanner Konferenz den Abschlussvertrag, und Deutschland leistete die Pauschalzahlung nie. Die NSDAP und ihre rechtsextremen Verbündeten in der DNVP begannen bereits, das Abkommen von Lausanne zu kritisieren, sobald die Tinte getrocknet war, da es den „Kriegsschuldparagrafen” des Versailler Vertrags und die Beschränkungen für das deutsche Militär nicht beseitigte.

Reichskanzler Franz von Papen wendet sich vor der Reparationskonferenz in Lausanne an die Öffentlichkeit (Juni 1932)

Quelle

Papen: Im wahrhaften Ringen um Deutschlands Schicksal, das zugleich das Schicksal der ganzen Welt ist, weiß sich die deutsche Delegation in Lausanne eins mit dem geschlossenen und festen Willen des gesamten deutschen Volkes. Zu oft Ist das Hoffen der Völker enttäuscht worden. Zu oft sind die Entscheidungen vertagt worden. Diese Methoden haben Deutschland und die Welt in immer größeres Unglück gebracht. Die verantwortlichen Staatsmänner werden in Lausanne zu einem Ergebnis kommen müssen, das in klarer Erkenntnis gleicher Rechte und gleicher Pflichten aller Staaten der Welt den Frieden zurückgibt.

Nur ein Frieden kann Bestand haben, der das Interesse des einzelnen Volkes und das Gesamtwohl in Einklang bringt. Deutschlands Schicksal ist das Schicksal der Welt. Deutsche Not ist die Not der Welt. Der Wohlstand der einzelnen Nationen der Wohlstand der Gesamtheit. Die Arbeit der verantwortlichen Staatsmänner in Lausanne muss den Weg freimachen für eine positive Zusammenarbeit, die uns allein einer besseren Zukunft entgegenführen kann.

Sprecher:  Die Reparationskonferenz in Lausanne. Nach einer Pressekonferenz verlassen die Delegierten der Nationen das Hotel Beau Rivage: Hérriot, MacDonald, links Reichskanzler von Papen.

Quelle: Deuligton-Woche Nr. 25, 1932. Bundesarchiv Filmarchiv Filmwerk ID: 57507, https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/en/video/57507/666146

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