Kurzbeschreibung

In diesem Ausschnitt einer Tonaufnahme aus dem Jahr 1932 schwärmte Hugo Eckener, Direktor des Unternehmens, das Zeppeline baute (die Deutsche Luftschiffahrts-Aktiengesellschaft, kurz DELAG), vom Komfort und der Geschwindigkeit seiner Luftschiffe und berichtete stolz, dass sie die Reise nach Südamerika in nur drei Tagen zurücklegen könnten, also in etwa einem Viertel der Zeit, die ein Passagierdampfer damals benötigte. Die deutschen Radiohörer kannten Eckener nicht nur als erfolgreichen Unternehmer, sondern auch als den Mann, der 1929 die Graf Zeppelin auf ihrer legendären Weltumrundung gesteuert hatte. Dieser Flug war nicht nur die erste Weltumrundung mit einem Luftschiff, sondern mit nur 21 Tagen auch die bis dahin schnellste Weltumrundung mit einem Fluggerät jeglicher Art. Eckener erfreute sich Anfang der 1930er Jahre einer solchen Popularität, dass die SPD sogar versuchte, ihn als Kandidat für die Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 1932 zu gewinnen. Eckener lehnte jedoch ab und unterstützte stattdessen den amtierenden Präsidenten Paul von Hindenburg. Diese Aufnahme, der nur acht Tage nach Hindenburgs Wiederwahl am 10. April ausgestrahlt wurde, bot Eckener die Gelegenheit, subtil für eine Politik der internationalen Zusammenarbeit zu werben, indem er die Fähigkeit von Luftschiffen hervorhob, die Welt näher zusammenzubringen. Neben seinen vielen anderen Leidenschaften und Aufgaben setzte sich Eckener auch aktiv für die wissenschaftliche Erforschung der Arktis mit Luftschiffen ein. 1930 übernahm er den Vorsitz der AEROARCTIS, der internationalen Gesellschaft für solche Unternehmungen, und leitete 1931 die Expedition der Graf Zeppelin über die nördlichsten Regionen Russlands und weite Teile des Arktischen Ozeans, eine Reise, die in Zusammenarbeit mit sowjetischen Wissenschaftlern und ihren Eisbrechern auf See durchgeführt wurde.

Beginn des regelmäßigen Luftschiffverkehrs zwischen Friedrichshafen und Rio de Janeiro (18. April 1932)

Quelle

Sprecher: In die Romantik und die Blütenpoesie des Bodensees rauschen die Propeller, knattern die Motoren. Wir sind im württembergischen Friedrichshafen in der großen Luftschiffhalle des Graf Zeppelin. Dank dem raum- und zeitüberwindenden Rundfunk hören Sie jetzt Dr. Eckener selbst. Herr Dr. Eckener hatte die große Liebenswürdigkeit, einige Worte zum heutigen Tage zu sprechen, da die Ätherwellen die Länder um den Bodensee freundschaftlich verbinden.

Eckener:  Ja, es ist in der Tat die modernste Verkehrsform, die sich an den historischen Ufern des Schwäbischen Meeres entwickelte und jetzt betätigt. Ein transatlantischer Verkehr über eine Strecke von etwa 5000 Meilen nimmt von hier seinen Ausgang. Südamerika und Mitteleuropa sind sich auf drei Tagereisen nahe gerückt.

Die bisher erforderliche Reisezeit ist auf ein Drittel bis ein Viertel durch die Zeppellinluftschiffe herabgedrückt.  Drei Fahrten sind versuchsweise bereits im vorigen Herbst ausgeführt. Sie dauerten südwärts rund drei Tage, nordwärts gegen den Passat dreieinhalb bis vier Tage. Zwei weitere planmäßig durchgeführte Fahrten wurden in diesem Frühjahr ausgeführt.

Eben wird das Luftschiff fertig gemacht, um in vier Stunden die dritte anzutreten. Ich bin sicher, dass es gelingen wird, den Fahrplan ebenso genau einzuhalten, wie die modernen Seedampfer es tun. Ein genaueres Studium der Luftdruckverteilung auf der Strecke in den verschiedenen Jahreszeiten sollte es möglich machen, für die Rückfahrt ebenso sicher mit dreieinhalb Tagen auszukommen, wie für die Hinfahrt drei benötigt werden.

Noch ist diese neue Verbindung viel zu wenig bekannt und gewürdigt. Noch bringt man auch anscheinend dem modernen Verkehrsmittel nicht das volle Vertrauen entgegen. Und noch weiß man nicht überall, wie behaglich und bequem es sich in einem Luftschiff reist. Aber ich bin sicher, dass wir den Widerstand der etwas spröden Welt besiegen werden. In wenigen Jahren wird das Luftfahrzeug, das transozeanische Beförderungsmittel für eilige Post und für eilige Passagiere sein. 

Sprecher: Im selben Jahr, 1932, wurde Hugo Eckener, der Kopf der Zeppelin-Luftschifffahrt, auch als Kandidat für das Amt des Reichspräsidenten gehandelt. Er zog seine Bewerbung aber dann zugunsten Hindenburgs zurück.

ARD