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Sprecher: In die Romantik und die Blütenpoesie des Bodensees rauschen die Propeller, knattern die Motoren. Wir sind im württembergischen Friedrichshafen in der großen Luftschiffhalle des Graf Zeppelin. Dank dem raum- und zeitüberwindenden Rundfunk hören Sie jetzt Dr. Eckener selbst. Herr Dr. Eckener hatte die große Liebenswürdigkeit, einige Worte zum heutigen Tage zu sprechen, da die Ätherwellen die Länder um den Bodensee freundschaftlich verbinden.
Eckener: Ja, es ist in der Tat die modernste Verkehrsform, die sich an den historischen Ufern des Schwäbischen Meeres entwickelte und jetzt betätigt. Ein transatlantischer Verkehr über eine Strecke von etwa 5000 Meilen nimmt von hier seinen Ausgang. Südamerika und Mitteleuropa sind sich auf drei Tagereisen nahe gerückt.
Die bisher erforderliche Reisezeit ist auf ein Drittel bis ein Viertel durch die Zeppellinluftschiffe herabgedrückt. Drei Fahrten sind versuchsweise bereits im vorigen Herbst ausgeführt. Sie dauerten südwärts rund drei Tage, nordwärts gegen den Passat dreieinhalb bis vier Tage. Zwei weitere planmäßig durchgeführte Fahrten wurden in diesem Frühjahr ausgeführt.
Eben wird das Luftschiff fertig gemacht, um in vier Stunden die dritte anzutreten. Ich bin sicher, dass es gelingen wird, den Fahrplan ebenso genau einzuhalten, wie die modernen Seedampfer es tun. Ein genaueres Studium der Luftdruckverteilung auf der Strecke in den verschiedenen Jahreszeiten sollte es möglich machen, für die Rückfahrt ebenso sicher mit dreieinhalb Tagen auszukommen, wie für die Hinfahrt drei benötigt werden.
Noch ist diese neue Verbindung viel zu wenig bekannt und gewürdigt. Noch bringt man auch anscheinend dem modernen Verkehrsmittel nicht das volle Vertrauen entgegen. Und noch weiß man nicht überall, wie behaglich und bequem es sich in einem Luftschiff reist. Aber ich bin sicher, dass wir den Widerstand der etwas spröden Welt besiegen werden. In wenigen Jahren wird das Luftfahrzeug, das transozeanische Beförderungsmittel für eilige Post und für eilige Passagiere sein.
Sprecher: Im selben Jahr, 1932, wurde Hugo Eckener, der Kopf der Zeppelin-Luftschifffahrt, auch als Kandidat für das Amt des Reichspräsidenten gehandelt. Er zog seine Bewerbung aber dann zugunsten Hindenburgs zurück.
Quelle: ARD Archivradio, Zugang über ARD Audiothek, https://www.ardaudiothek.de/episode/archivradio-geschichte-im-original/suedamerika-und-zurueck-regelmaessiger-passagierverkehr-mit-dem-luftschiff/ard/66779224/