Kurzbeschreibung

Dieses bluesige Lied, gesungen vom Bariton Ludwig Hofmann, stammt aus der bahnbrechenden Oper Jonny spielt auf des österreichischen Komponisten Ernst Křenek aus dem Jahr 1927. Es hebt nur einige der vielen Stile hervor, welche die Oper aufnahm, nebeneinander stellte und parodierte, von Jazz und Tango bis hin zu Opernarien und klassischer Homophonie und darüber hinaus. Die Handlung dreht sich um Jonny, einen afroamerikanischen Jazzgeiger, der in den 1920er Jahren durch Europa tourt, mit Wendungen, welche die Handlung von Paris in die Alpen, in eine ungenannte mitteleuropäische Stadt und wieder zurück verlagern. Musikwissenschaftler betrachten sie als das vielleicht beste Beispiel für das Genre der „Zeitoper“, einer kurzlebigen Musikform während der Weimarer Republik, welche die Oper zugänglicher machen wollte, indem sie Elemente des zeitgenössischen Lebens einbezog, insbesondere moderne Technologien und die neuesten Musiktrends wie Jazz, Foxtrott oder auch nur die Alltagsgeräusche der Stadt. Jonny spielt auf setzte sich zudem mit sozialen und politischen Themen der damaligen Zeit auseinander, insbesondere – wie Křenek selbst betonte – mit dem „Problem der Freiheit” und der unvermeidlichen Spannung zwischen dem Individuum und der Gesellschaft, in der es lebt. Křenek (1900–1991) wuchs in Wien auf, verbrachte jedoch einen Großteil seiner frühen Komponistenlaufbahn in Deutschland, wo er Jonny spielt auf im Februar 1927 in Leipzig zur Uraufführung brachte. Die Oper erfreute sich bald in ganz Deutschland und im Ausland großer Beliebtheit. Eine begeisterte Kritik der Oper nach ihrer amerikanischen Premiere 1929 in New York wies jedoch auf die Überlegenheit der Leipziger Inszenierung hin, die „ein so viel brillanteres, moderneres und fantasievolleres Spektakel bietet, dass es kaum einen Vergleich gibt. Wer eine moderne Oper sehen möchte, die das moderne Leben und das Zeitalter der Bewegung und Geschwindigkeit und der zeitgenössischen Geräte widerspiegelt, sollte das kleine Leipzig besuchen“ (20. Januar 1929). Es überrascht nicht, dass die Nationalsozialisten die Oper als Schund verurteilten und bereits 1929 einige ihrer Aufführungen in München störten. Als die NSDAP 1933 an die Macht gelangte, verbot sie Křeneks Werke. Das NS-Regime karikierte später in der Gestaltung des berüchtigten Plakats für seine Ausstellung Entartete Musik, die 1938 in Düsseldorf stattfand, das Titelblatt der Klavierpartitur von Jonny spielt auf. Zu diesem Zeitpunkt war Křenek bereits in die Vereinigten Staaten emigriert, wo er weiterhin unterrichtete und komponierte.

„Leb wohl, mein Schatz“ aus Ernst Kreneks Zeitoper Jonny spielt auf (1927)

Quelle

Leb wohl, mein Schatz, leb wohl!
Ich geh hinweg aus meiner Heimat.
Sei glücklich ohne mich
ich will es probieren ohne dich
und nie komm' ich zurück.

Leb wohl, mein Schatz, leb wohl!
Ich geh hinweg aus meiner Heimat.
Sei glücklich ohne mich
ich will es probieren ohne dich
doch nimmermehr komm' ich hierher zurück.

Oh, das wurde mir doch gar zu bang',
das ist kein Leben.
Im Hotel, wo ich jetzt gespielt
sah ich schon wieder Detektive
da wurde mir der Boden zu heiß.
Ich kaufte mir ein Billet nach Amsterdam
und kehr in meine Heimat wieder zurück.
Ich werde Alabama wieder schauen
und meinen lieben Suwannee River nie mehr verlassen.

 

Quelle: „Leb wohl, mein Schatz“, aus der Zeitoper Jonny spielt auf, 1927. Komponist: Ernst Krenek, Bariton: Ludwig Hofmann, Orchester der Städtischen Oper Berlin, Dirigent: Manfed Gurlitt. Aufgenommen am 22. Dezember 1927. SLUB/Mediathek, https://mediathek.slub-dresden.de/ton70925051.html

SLUB/Mediathek

„Leb wohl, mein Schatz“ aus Ernst Kreneks Zeitoper Jonny spielt auf (1927), veröffentlicht in: German History in Documents and Images, <https://germanhistorydocs.org/de/die-weimarer-republik-1918-1933/ghdi:audio-5121> [16.03.2026].