Kurzbeschreibung

Die Eliminierung politischer Feinde war eine Schlüsselstrategie der Nationalsozialisten während der Anfangsphase ihrer Herrschaft. Mit der Machtübernahme begannen die Nazis eine sofortige und gewaltsame Unterdrückung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Der Reichstagsbrand vom 23. Februar 1933, der zwar nicht von der KPD gelegt wurde, erwies sich als ein entscheidendes Ereignis bei der Rechtfertigung antikommunistischer Gewalt. Die Propaganda nach dem Brand nannte das Feuer einen Vorboten für einen kommunistischen Putsch.

Ernst Thälmann (1886–1944) war 1917 der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) beigetreten und gehörte später zu denjenigen Mitgliedern, die sich 1920 von der USPD trennten, um sich der KPD anzuschließen. (Bei der Spaltung ging es um die Frage des Beitritts zur Kommunistischen Internationalen.) 1925 wurde Thälmann Vorsitzender der KPD. Bei den Wahlen im März 1932 kandidierte Thälmann gegen Paul von Hindenburg und Adolf Hitler als Präsident. Nachdem die Nationalsozialisten an die Macht gekommen waren, forderte er Generalstreiks, jedoch ohne Erfolg. Thälmann, ein Hauptziel der nationalsozialistischen Aggression, wurde am 3. März 1933 im Rahmen der Massenverhaftungen von KPD-Funktionären, Parlamentariern und Aktivisten infolge der Reichstagsbrandverordnung festgenommen.

In Vorbereitung auf den Prozess gegen Thälmann versuchten Nazi-Anwälte vergeblich, ihn zu zwingen, belastende Aussagen zu machen, die gegen ihn verwendet werden konnten. Er wurde daher am 3. März 1933 zur Sonderbehandlung an die Gestapo übergeben. Obwohl Thälmann bei seinen Verhören misshandelt wurde, gestand er keine Verbrechen. Er befand sich bis zum 18. August 1944 in „Schutzhaft“ und wurde schließlich auf Befehl Hitlers im KZ Buchenwald erschossen. Dieser Auszug ist Teil der Geheimberichte, die Thälmann über seine Inhaftierung aufgezeichnet hat. Seine von Anhängern herausgeschmuggelten Notizen liefern einige Beispiele für Gestapo-Verhörtechniken: die Anwendung vermeintlicher Argumentation und das, was Thälmann als „freundschaftliche Biedermannsmethode“ beschreibt, aber auch Erpressung und brutale Folter.

KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann über sein Verhör durch die Gestapo (Rückblick, ca. 1944)

Quelle

Zu beschreiben, was jetzt in diesem Vernehmungszimmer innerhalb von viereinhalb Stunden, von abends 5 bis 9:30 Uhr, geschah, ist fast unmöglich. Alle nur denkbaren grausamen Erpressungsmethoden wurden hier gegen mich angewandt, um unter allen Umständen Geständnisse und Angaben über Genossen, die verhaftet worden waren, und über politische Handlungen zu erzwingen. Zuerst begann es mit der freundschaftlichen Biedermannsmethode, da ich einzelne von diesen Burschen schon von der politischen Severing-Polizei her kannte, mit gutem Zureden, usw., um im Spiel dieser Unterhaltungen über diese oder jene Genossen und sonstige interessierende Dinge etwas zu erfahren. Damit hatten sie keinen Erfolg. Darauf erfolgten brutale Angriffsmethoden gegen mich, in deren Verlauf mir vier Zähne aus den Kiefern herausgeschlagen wurden. Sie erzielten keine Erfolge. Als dritter Akt wurde die Hypnose gegen mich zur Anwendung gebracht, die aber völlig wirkungslos blieb.

[] Jedoch der Schlußakt wurde zum eigentlichen Höhepunkt dieses Dramas, Aufforderung an mich, sofort die Hose auszuziehen, gleich darauf packten mich zwei Mann im Nacken und legten mich über einen Schemel. Ein uniformierter Gestapomann, mit einer Nilpferdpeitsche in der Hand, schlug dann in gewissen Zeitabständen auf mein Gesäß ein. Von den Schmerzen getrieben, schrie ich aus Leibeskräften mehrmals ganz laut auf!

Dann wurde mir der Mund vorübergehend zugehalten, und es gab Hiebe ins Gesicht und Peitschenschläge über Brust und Rücken. Hingestürzt, wälzte ich mich am Boden, mit dem Gesicht immer nach unten und gab auf gestellte Fragen überhaupt keine Antwort mehr. Bekam einzelne Fußtritte hier und da, verdeckte immer mein Gesicht, war aber bereits so schlapp sowie von heftigen Herzbeklemmungen befallen, daß mir Hören und Sehen verging. Dazu kam der brennende Durst.

Quelle: Institut für Marxismus und Leninismus beim Zentralkomitee der SED, Zentrales Parteiarchiv, NL 3/18; abgedruckt in Günter Hortzschansky et al., Hrsg., Ernst Thälmann. Eine Biographie. Berlin: Dietz Verlag, 1979, S. 674–75.