Kurzbeschreibung

Anfang 1934 teilten einige Parteigruppierungen die Ansicht der SA über die Notwendigkeit einer zweiten nationalsozialistischen Revolution. Bevor die „Aktion Kolibri“ solche Hoffnungen vollkommen zerschlug, versuchte Hitler die Situation zeitweilig zu entschärfen, indem er anhand des Negativbeispiels der Weimarer Demokratie die Notwendigkeit blinden Gehorsams und absoluter Unterordnung gegenüber dem Staat betonte. So wies er seine Gauleiter auf einer Tagung am 2. Februar 1934 an, die Mobilisierung der Bevölkerung im nationalsozialistischen Sinn als die Hauptaufgabe der NSDAP zu verstehen und damit die ordentlichen Funktionen von Staat und Regierung zu unterstützen.

Protokoll der Rede Hitlers an die Gauleiter über die Rolle der NSDAP (2. Februar 1934)

  • Adolf Hitler

Quelle

Gauleiter-Tagung am 2. Februar 1934 in Berlin

Der Führer betonte:

Wesentlichste Aufgaben der Partei seien:

1.) Für die beabsichtigten Maßnahmen der Regierung das Volk aufnahmefähig zu machen,

2.) angeordneten Maßnahmen der Regierung im Volk zur Durchsetzung zu verhelfen,

3.) die Regierung in jeder Art und Weise zu unterstützen.

Der Führer betonte weiter, es seien Narren, die da behaupteten, die Revolution sei nicht beendet; dies lediglich mit der Absicht, sich selbst an bestimmte Stellen zu setzen. Der Führer legte dar, welche Schwierigkeiten er gehabt habe, alle Stellen richtig zu besetzen, und fuhr fort, wir hätten in der Bewegung Menschen, die unter Revolution nichts anderes verständen als einen dauernden Zustand des Chaos. Wir benötigen hingegen einen Verwaltungsapparat auf allen Gebieten, der uns in die Lage versetzte, nationalsozialistisches Gedankengut sofort zu verwirklichen. Dabei müsse Grundsatz bleiben, daß nicht mehr Befehle und Pläne, als die Apparatur verdauen könne, gegeben und erörtert würden, nicht mehr Befehle und Pläne, als in das Volk weitergetragen und in die Wirklichkeit umgesetzt werden könnten. Die Frage der Verschmelzung von Partei und Staat sei von grundlegender Bedeutung; von ihr hänge im wesentlichen die deutsche Zukunft ab.

Als akute Hauptaufgabe bezeichnete der Führer die Auslese der Menschen, die einerseits fähig, andererseits in blindem Gehorsam die Maßnahmen der Regierung durchsetzten. Die Partei müsse als Orden die notwendige Stabilität für die ganze deutsche Zukunft bringen; sie müsse diese Stabilität sichern, das könne nicht irgendeine Monarchie. Der erste Führer ist vom Schicksal auserwählt; der zweite muß von vornherein eine getreue, verschworene Gemeinschaft hinter sich haben. Keiner darf gewählt werden, der eine Hausmacht besitzt! Das Entscheidende ist, daß alle sich sofort restlos hinter ihn stellen. Dies muß bekannt sein, denn dann ist klar, daß Attentate von vornherein zwecklos sind.

Im Übrigen: Führer kann immer nur einer sein; wer das ist, ist gar nicht so wesentlich, das Wesentliche ist, daß alle hinter dem zweiten und den weiteren Führern stehen. Eine solche Organisation mit dieser inneren Härte und Stärke wird ewig dauern; nichts kann sie stürzen. Die Gemeinschaft innerhalb der Bewegung muß unerhört verschworen sein. Wir dürfen keinen Kampf untereinander führen; niemals darf sich eine Differenz zeigen gegenüber Außenstehenden! Das Volk kann uns nicht blindgläubig vertrauen, wenn wir selbst dieses Vertrauen zerstören. Zerstören wir nach außen hin das Vertrauen, so zerstören wir das Vertrauen zu uns selbst.

Selbst die Folgen von Fehlentscheidungen müssen durch unbedingtes Zusammenhalten ausgeglichen werden. Niemals darf die eine gegen die andere Autorität ausgespielt werden, es gibt nur eine Antwort, die der Bewegung!

Gegen eine Dienststelle oder gegen einen Mann, der einen Teil dieser Autorität verkörpert, anzugehen, heißt Autorität und Vertrauen überhaupt zerstören.

Daher auch keine überflüssigen Diskussionen! Probleme, über welche die einzelnen Führungsstellen noch nicht im Klaren sind, dürfen in der Öffentlichkeit keinesfalls diskutiert werden, denn sonst würde man dadurch der Masse des Volkes die Entscheidung zuschieben. Das war der Wahnwitz der Demokratie, aber dadurch verpraßt man den Wert jeder Führung. Der die Entscheidungen zu treffen hat, muß sie treffen und alle anderen haben dahinter zu stehen. Die Autorität selbst des letzten Führers ist die Summe der Autorität aller Führer und – umgekehrt.

Im Übrigen dürfen wir jeweils immer nur einen Kampf führen. Ein Kampf nach dem anderen; eigentlich müßte es nicht heißen, „Viel Feind, viel Ehr“, sondern „Viele Feinde, viel Dummheit“. Außerdem kann die ganze Nation nicht zwölf Kämpfe gleichzeitig führen und begreifen. Demgemäß müssen wir das ganze Volk immer nur mit einem Gedanken erfüllen, es auf einen Gedanken konzentrieren.

Gerade für außenpolitische Fragen ist es notwendig, das ganze Volk hypnotisch hinter sich zu haben; die ganze Nation muß geradezu mit Sportgeist, mit Spielerleidenschaft an diesem Kampf interessiert sein; dies ist notwendig, nimmt die ganze Nation an dem Kampf teil, so verspielt auch sie. Ist sie desinteressiert, verspielt nur die Führung. In einem Fall entsteht eine Wut des Volkes über den Gegner, im anderen über den „Führer“.

Quelle: Hitlers Rede an die Gauleiter über die Rolle der NSDAP (2. Februar 1934); abgedruckt in Hans-Adolf Jacobsen und Werner Jochmann, Hrsg., Ausgewählte Dokumente zur Geschichte des Nationalsozialismus, 1933–1945. Bd. 2, Bielefeld, 1961, keine Seite (Dokument 2. II. 1934).