Kurzbeschreibung

Während er nach seinem gescheiterten Putschversuch wegen Hochverrats in Festungshaft saß, schrieb Hitler den ersten Teil seines Buches Mein Kampf, eine Mischung aus Autobiografie und politischem Manifest, in dem er die wichtigsten Bestandteile des Nationalsozialismus und seiner Rassenideologie darlegte. Der zweite Teil erschien ein Jahr später, ebenfalls im parteieigenen Verlag der NSDAP, dem Franz Eher Verlag in München. In diesem Auszug beschreibt Hitler die Strategie der Gleichschaltung der verschiedenen Institutionen innerhalb des Staates, durch die es den Nationalsozialisten nach der Machtübernahme innerhalb kürzester Zeit gelingen sollte, eine Diktatur zu errichten. Dabei sei es besonders wichtig, sicherzustellen, dass die Gewerkschaften und Arbeitergeberverbände von der NS-Ideologie und Gesinnung durchdrungen seien. Nachdem Hitler und die NSDAP 1933 an die Macht gekommen waren, ging er schnell dazu über, die freien Gewerkschaften, die traditionell linke Parteien unterstützten, zu zerstören und sie durch die parteinahe Deutsche Arbeitsfront (DAF) zu ersetzen.

Adolf Hitler über die Gewerkschaften (1925)

  • Adolf Hitler

Quelle

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Die nationalsozialistische Bewegung, die als Ziel ihres Wirkens den nationalsozialistischen völkischen Staat vor Augen hat, darf nicht im Zweifel darüber sein, daß alle künftigen Institutionen dieses Staates von einst aus der Bewegung selbst herauswachsen müssen. Es ist der größte Fehler, zu glauben, daß man plötzlich aus dem Nichts, nur im Besitze der Macht, eine bestimmte Reorganisation vornehmen kann, ohne schon vorher einen gewissen Grundstock an Menschen, die vor allem gesinnungsmäßig vorgebildet sind, zu besitzen. Auch hier gilt der Grundsatz, daß wichtiger als die äußere Form, die mechanisch sehr schnell zu schaffen ist, immer der Geist bleibt, der eine solche Form erfüllt. Befehlsmäßig kann man zum Beispiel sehr wohl das Führerprinzip diktatorisch einem Staatsorganismus aufpfropfen. Lebendig wird dieses aber nur dann sein, wenn es in eigener Entwicklung aus kleinstem heraus sich selbst allmählich gebildet hat und durch die dauernde Auswahl, die die harte Wirklichkeit des Lebens ununterbrochen vornimmt, im Laufe von vielen Jahren das für die Durchführung dieses Prinzips notwendige Führermaterial erhielt.

Man darf sich also nicht vorstellen, plötzlich aus einer Aktentasche die Entwürfe zu einer neuen Staatsverfassung ans Tageslicht ziehen und diese nun durch einen Machtspruch von oben „einführen“ zu können. Versuchen kann man so etwas, allein das Ergebnis wird sicher nicht lebensfähig, meist schon ein totgeborenes Kind sein. Das erinnert mich ganz an die Entstehung der Weimarer Verfassung und an den Versuch, dem deutschen Volk mit einer neuen Verfassung auch eine neue Fahne zu spendieren, die in keinem inneren Zusammenhang mit dem Erleben unseres Volkes im letzten halben Jahrhundert stand.

Auch der nationalsozialistische Staat muß sich vor solchen Experimenten hüten. Er kann dereinst nur aus einer schon längst vorhandenen Organisation herauswachsen. Diese Organisation muß das nationalsozialistische Leben ursprünglich in sich besitzen, um endlich einen lebendigen nationalsozialistischen Staat zu schaffen.

Wie schon betont, werden die Keimzellen zu den Wirtschaftskammern in den verschiedenen Berufsvertretungen, also vor allem in den Gewerkschaften, zu liegen haben. Sollen aber diese spätere Ständevertretung und das zentrale Wirtschaftsparlament eine nationalsozialistische Institution darstellen, dann müssen auch diese wichtigen Keimzellen Träger einer nationalsozialistischen Gesinnung und Auffassung sein. Die Institutionen der Bewegung sind in den Staat überzuführen, aber der Staat kann nicht plötzlich entsprechende Einrichtungen aus dem Nichts hervorzaubern, wenn sie nicht vollkommen leblose Gebilde bleiben sollen.

Quelle: Adolf Hitler, Mein Kampf (1925). Zwei Bände in einem Band. Ungekürzte Ausgabe. München: Zentralverlag der NSDAP., Frz. Eher Nachf., G.m.b.H., 1943, S. 672–74.