Kurzbeschreibung

Dieses Filmmaterial, das laut dem Bundesarchiv aus dem Jahr 1938 stammt, zeigt die prunkvolle Synagoge in Berlin-Mitte, flankiert von jüdischen Geschäften und Unternehmen. Es fängt etwas von der Atmosphäre eines Stadtviertels ein, das in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts einen überragenden Platz in der deutsch-jüdischen Geschichte einnahm. Es diente als vorübergehender oder dauerhafter Zufluchtsort für Juden, insbesondere für die Zehntausenden, die nach 1918 vor der Gewalt des russischen Bürgerkriegs und den antisemitischen Pogromen in ganz Osteuropa flohen. Viele jüdische Einwanderer in Deutschland nutzten dieses Viertel, das wegen seiner früheren Dichte an Scheunen den Spitznamen „Scheunenviertel” trug, als erste Anlaufstelle, wo sie eine Unterkunft, koschere Lebensmittel und Gebetsstätten finden konnten. Mitte der 1920er Jahre hatte das Viertel die höchste Bevölkerungsdichte aller Berliner Stadtteile, und die meisten Außenstehenden betrachteten es als beengt, arm und ausschließlich jüdisch. Im November 1923 – auf dem Höhepunkt der deutschen Hyperinflation – randalierten wütende Berliner aus anderen Stadtteilen im Scheunenviertel, griffen Bewohner an und plünderten jüdische Geschäfte. Sie waren falschen, verleumderischen antisemitischen Gerüchten aufgesessen, wonach die Juden in diesem Stadtteil Geld und Lebensmittel horteten, und selbst die Polizei unternahm zunächst nichts, um die Gewalt zu unterbinden.

Das jüdische Scheunenviertel in Berlin (1930er Jahre)

Quelle

Quelle: Scheunenviertel, Berlin. USHMM: RG-60.0308, Accessed at United States Holocaust Memorial Museum, courtesy of Bundesarchiv Filmarchiv

USHMM