Kurzbeschreibung

Anfang Juni 1932 ernannte Reichspräsident Hindenburg auf Vorschlag Kurt von Schleichers Franz von Papen von der Zentrumspartei zum Nachfolger von Heinrich Brüning als Reichskanzler. Papen bildete ein „Kabinett der nationalen Konzentration“, das sich aus konservativen, meist adligen Beamten ohne politisches Mandat zusammensetzte. Nur drei Tage nach Papens Ernennung löste Hindenburg auf Papens Antrag den Reichstag auf, um mit Hilfe der Notstandsgesetze des Reichspräsidenten regieren zu können und das Parlament faktisch zu entmachten. Am 31. Juli 1932 fanden neue Reichstagswahlen statt, deren Wahlkampf von gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Anhängern der NSDAP und KPD begleitet wurde. Die NSDAP wurde erstmals die stärkste Partei im Reichstag, gewann jedoch keine absolute Mehrheit. In diesem Artikel des NS-Ideologen Alfred Rosenberg, der Anfang August 1932 im Völkischen Beobachter veröffentlicht wurde, wird der Sieg der NSDAP als unvermeidliche Entwicklung dargestellt. Allerdings kam nach der Wahl erneut keine parlamentarische Mehrheit zustande, die eine Regierung hätte bilden können. Wie Rosenberg andeutet, leiteten die Nationalsozialisten aus ihrem Wahlerfolg einen klaren Führungsanspruch ab. Hitler forderte daher eine Neubildung der Regierung unter seiner Führung als Reichskanzler, was Hindenburg zu diesem Zeitpunkt jedoch ablehnte.

„Der unaufhaltsame Vormarsch“ (August 1932)

Quelle

Der unaufhaltsame Vormarsch

Zwei Ergebnisse der Wahl vom 31. Juli sind es, die vor allem in die Augen fallen: das unaufhaltsame Vordringen der nationalsozialistischen Bewegung, dann aber die Tatsache, daß es den übrigen Gruppen, die sich zur nationalen Opposition rechnen, in keiner Weise gelungen ist, auch ihrerseits für andere Menschen ein Sammelpunkt derartiger Energien zu werden, um zu den 37,4 Prozent, die die N.S.D.A.P. heute darstellt, noch 14 Prozent hinzuzufügen. Aus diesen Feststellungen ergibt sich zunächst die von uns nach jeder Wahl aufgestellte Forderung, die neu errungene Stellung auszubauen und sie als Ausgangspunkt eines neuen Vormarsches zu betrachten. Es steht dem Nationalsozialismus die riesige Aufgabe bevor, die 13,8 Millionen Wähler nun organisatorisch zu erfassen und sie dann ihrerseits zu wirklichen Mitkämpfern umzugestalten. Dies ist um so wichtiger, erfordert dazu millionenfache Einzeleinwirkung, weil das zweifellos starke Anwachsen der K.P.D. auf zahlreiche Arbeiterjugend zurückzuführen ist. Diese Jugend ist radikal, entstammt einer durch Tributpolitik und demokratische Korruption enterbten Volksschicht, die demagogische Verknüpfung des augenblicklichen Reichskabinetts mit uns hat dann dazu geführt, daß sie nicht zu begreifen fähig ist, was die N.S.D.A.P. auch für sie bedeutet. Hier wird es nunmehr größter Arbeit bedürfen, einer klaren Arbeiterpolitik im Rahmen des gesamten volkssozialistischen Wirkens den Weg zu bahnen. Von der anderen Seite betrachtet, ist das Anwachsen des Kommunismus an sich eine erneute, immer drohender werdende Gefahr für Staat und Volk, der das Verbrechertum innerhalb des Bolschewismus ermutigen und zu neuen Mordtaten aufstacheln wird. Hieraus ergibt sich aber, daß es einer eisernen Hand, zugleich aber einer kompromisslos sozial gerechten Staatsführung bedarf, um diese Gefahr zu bannen. Daß reaktionäre und zugleich zögernde Personen wie etwa der gegenwärtige Reichsinnenminister dazu unfähig sind, darf als bereits erwiesen gelten. Ohne den Nationalsozialismus ist die bolschewistische – zugleich gesamtmarxistische – Gefahr heute überhaupt nicht mehr zu überwinden, diese Einsicht aber allein zeigt erneut, welches Verbrechen das Zentrum am deutschen Volke begangen hat, weil erst durch seine Förderung der Sozialdemokratie zugleich auch die Früchte Moskaus reifen konnten. Ja, in diesem Wahlkampf ging das Zentrum in seinem Haß sogar so weit, die bolschewistische blutige Revolte gegen eine eventuelle Hitler-Mehrheit in seinen Plakaten als das „einzige Mittel“ zur Überwindung Hitlers hinzustellen und damit zu empfehlen!

Das Zentrum hat durch kirchliche, fast 100 prozentige Hilfe seine letzten Reserven auch des Nachwuchses zu mobilisieren verstanden, und hat sich somit gehalten. Noch nie wurde das Christentum so schamlos als Schutzmittel für die rotschwarze Verbrüderung missbraucht, wie in diesem Wahlkampf: und leider, nochmals mit Erfolg.

Die S.P.D. verlässt trotz größerer Wählermassen erneut empfindlich geschlagen das Schlachtfeld. Die alten Schlagworte haben zwar ihre Wirkung nicht ganz verfehlt, waren aber doch nur das letzte Mittel, um den Zerfall noch einmal aufzuhalten.

Nahezu gänzlich ausgetrieben sind die Deutsche Volkspartei, die Wirtschaftspartei, die Staatspartei; auch die Christlich-Sozialen haben eine Niederlage erlitten, von der es keine Erholung mehr geben wird. Das gesamte liberalistische Bürgertum also sinkt endgültig in sich zusammen und wiederum klären sich die Fronten. Von der Weimarer Koalition ist nur eine trübe Erinnerung übriggeblieben, das Urteil damit über alles, was mit dem Jahr 1919 zusammenhängt, für alle Zeiten gesprochen.

Im Unterschied zu diesem Bürgertum hat die DNVP sich gehalten, weil sie gerade noch im letzten Augenblick sich eine, wenn auch nicht starke, so doch starre Führung schuf, die immer noch besser ist für ein politisches Gebilde als eine ständig wechselnde Haltung. Der sozialreaktionäre Nationalismus hat somit seine Position gewahrt.

Rein technisch-arithmetisch ist auf Grund des Wahlergebnisses eine einheitliche Regierungsbildung auch nur in bezug auf grundlegende Fragen nicht möglich. Es werden wohl zweifellos Versuche unternommen werden, um diesen Reichstag „regierungsfähig“ zu machen. Wir haben keine Ursache, diesen Möglichkeiten vorzugreifen, obgleich die Aussichten dazu denkbar gering sind. Die jetzige Reichsregierung befindet sich also in ähnlicher Position wie die geschäftsführenden Länderregierungen, da ja auch eine Brüning-Koalition restlos unmöglich gemacht worden ist und die KPD außer Betracht bleibt. Daraus ergibt sich eine politische Perspektive, die nur bestimmt werden kann durch die ungeheure Dynamik, die trotz aller Hemmungen in der Hitler-Bewegung wiederum elementar zum Ausdruck gekommen ist. Denn wurde bereits 1930 das damalige Ergebnis als „Erdrutsch“ empfunden, so zeigt die heutige mehr als verdoppelte Zahl die ungeheure Kraft in einer Weise, daß ein Vorüberregieren an ihr nunmehr endgültig der Vergangenheit angehören muß. Wer überhaupt Adolf Hitlers Freiheitsflug über Deutschland verfolgt hat, wird gestehen müssen, daß hier die edelsten Regungen des Volkes Gestalt und Willen angenommen hatten. Stärker als je eine andere Partei erscheint der Nationalsozialismus im Deutschen Reichstag als Schirmer der besten Überlieferungen und zugleich als Vorkämpfer einer staatlichen Neuordnung, die allein geeignet ist, die deutsche Nation ihren Schicksalskampf gegen ihre Gegner führen zu lassen.

In welchen Formen sich dieser nicht mehr einzudämmende Wille Geltung schaffen wird, wird Überlegung der nächsten Wochen sein. Adolf Hitler hat jedenfalls eine überwältigende Vollmacht von der deutschen Nation übertragen erhalten, die seine Bewegung nicht nur zahlenmäßig zur weitaus stärksten gemacht hat, sondern die auch in ihrem inneren Wert und Gehalt nahezu alles vereinigt, was überhaupt noch berechtigt ist, für Deutschland – und nicht für irgendwelche Internationale – zu sprechen.

Der Kampf geht weiter, der Endsieg ist uns jetzt nicht mehr zu entreißen. Deutschland ist erwacht, bald werden unsere Fahnen von allen Zinnen wehen.

A.R.

Quelle: „Der unaufhaltsame Vormarsch“, Völkischer Beobachter, 1 / 2. August 1932.