Quelle
Sonntag/Montag, 6./7. November 1932
Die Juden wählen Papen!
Ein aufschlußreicher Aufsatz im römischen „Stampa“
(Drahtbericht unseres römischen Vertreters.)
Rom, 4. November.
Piacca bringt in der heutigen „Stampa“ eine scharfe Attacke gegen das Papen-Kabinett,
das mit seiner Staatspolitik eine Art von Fuchsnase in das kluge Gesicht Hindenburgs gesetzt habe. Die Gefahr dabei ist, sagt er, die Klugheit durch bloße Schlauheit zu ersetzen.
Man hoffe, die nationalsozialistische Bewegung so geschwächt zu haben, daß eine Majorität mit dem Zentrum wie bisher nicht mehr möglich sein wird, und daß die Nationalsozialisten bereit sein werden, mit dem Zentrum und den Deutschnationalen unter dem Glorienschein der Regierung sich zu einigen. Das Manöver Papens besteht darin, daß er dem Zentrum seine Schlüsselstellung in der Verteilung der parlamentarischen Kräfte nimmt und sie der kleinen deutschnationalen Gruppe zur Verfügung der Regierung übergibt.
Die Regierung versetzt der nationalsozialistischen Partei dauernd Nadelstiche, um allen guten und ängstlichen Bürgern zu beweisen, daß die Ziele der Nationalsozialisten ohne diese mit Hilfe der jetzigen Regierung erreicht werden können.
Die Regierung gibt sich der Hoffnung hin, daß der Nationalsozialismus viel an Stimmen verlieren werde.
Die Stimmen, sagt Piacca, welche die Partei verlieren könnte, würden diejenigen sein, welche sowieso unsichere Elemente sind bei allen Wahlen, die zu verlieren für eine Partei nur von Vorteil sein kann. Die Regierung wird diejenigen Stimmen für sich gewinnen, welche die tolle Hoffnung haben, daß eine absolute Wirtschaftsfreiheit, der der Staat unterworfen sein wird, im Sinne eines Überindustrialismus siegen wird. Denn nichts anderes will schließlich v. Papen. Aber wenn wir nicht irren, sagt Piacca, ist das heilige Reich von Papens schon einmal daran zu Grunde gegangen.
Die große Masse der Juden, die in Deutschland sehr ängstlich sind und äußerst mobil in diesem Augenblick, wird ganz zu ihm halten. Jedes Hindernis gegenüber den Nationalsozialisten ist ihnen recht, um ihre Angst zu mindern.
Papen glaubt, das deutsche Volk in den Staat wieder eingliedern zu können. Aber für ihn gibt es nur einen Weg: Die Massen und den Staat unter das Joch der Wirtschaft zu stellen, welche er in ihrer absoluten Freiheit wieder einführen will. Dies und nichts anderes ist die Doktrin des Kabinetts von Papen.
Mit vieler Ironie kritisiert Piacca die Idee eines syndikalen Kabinetts unter von Papen als letzte Rettung des Kabinetts, und seine Isolierung. „Wie ein Siegfried steht er da und will nicht nur den sozialen Drachen des sozialen Programms der Nationalsozialisten, sondern auch jede andere Art von Sozialismus vernichten, um durch seine syndikalen Triumphbögen die Paraden der Massen des Dritten Reiches von Hitler einmarschieren zu lassen.“
Quelle: „Die Juden wählen Papen!“, Völkischer Beobachter, 6. November 1932.