Kurzbeschreibung

Der charismatische Prophet und Wunderheiler Joseph Weißenberg erlangte im ersten Drittel des zwanzigsten Jahrhunderts eine große Anhängerschaft, weil er angeblich in der Lage war, Menschen von ihren Krankheiten zu heilen, und zwar allein durch Handauflegen und das Verabreichen von weißem Käse (Quark). Auf dem Höhepunkt seines Ruhms hatte Weißenberg die Fähigkeit, Hunderttausende in seinen Bann zu ziehen und gründete 1926 seine eigene Kirche. Der selbsternannte „Weißkäseheiler“ hatte eine so treue Anhängerschaft gewonnen, dass einige seiner Anhänger/innen all ihr Geld und ihren Besitz nahmen und sich ihm anschlossen, um eine neue Stadt für Gläubige zu bauen, die etwa 30 Kilometer südlich von Berlin in Blankensee lag. Unter dem Namen „Friedensstadt“ begannen Weißenberg und seine Anhänger im Dezember 1920 mit dem Bau einer großen Kirche, einer Klinik und eines Heilbads, eines Wasserwerks, Wohnhäusern und einer Schule. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung der Friedensstadt zählte sie zu den größten privaten Siedlungen in Deutschland.

Im November 1930 wurde Weißenberg in einem Gerichtsverfahren angeklagt, das in Berlin für Schlagzeilen sorgte, zum einen wegen seiner Berühmtheit, zum anderen, weil es um ein Kind ging, das nach einer seiner „Zauber-Quark“-Behandlungen erblindet war. Ursprünglich zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, wurde Weißenberg später von einem Berufungsgericht freigesprochen, und sogar die Eltern des Kindes verziehen ihm. Der Fall war so bekannt geworden, dass Kurt Weill sogar ein satirisches Lied mit dem Titel „Das Lied vom weißen Käse“ darüber schrieb.

Weißenberg war nur einer von vielen Charismatikern, Propheten, Wunderheilern und spirituellen Gurus, welche die Menschen in der Weimarer Republik faszinierten und in ihren Bann zogen. Gerade in Zeiten des Umbruchs und der Verunsicherung suchten manche Deutsche Hoffnung und Orientierung in der radikalen Selbsterneuerung oder in der Unterstützung durch enge Gemeinschaften von Glaubensbrüdern. Dieses Foto aus dem Jahr 1928 zeigt Weißenberg (links) und eines seiner sogenannten „Werkzeuge“, Mitglieder seiner Kirche, die angeblich ebenso wie er selbst in der Lage waren, Kranke durch Handauflegen zu heilen.

„Der Wunderheiler” Joseph Weißenberg (1928)

Quelle

Quelle: Joseph Weißenberg und eines seiner „Werkzeuge“ mit einem Patienten, 1928. Fotograf/in unbekannt. wikimedia commons. Online verfügbar unter: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/c/c0/De_assistent_van_de_Duitse_gezondbidder_en_profeet_Joseph_Weissenberg_(staand)_legt_bij_een,_SFA022006080.jpg

gemeinfrei

Tonaufnahmen von Erlebnisberichten einiger Heilungen:

https://www.johannische-kirche.org/mediathek/erlebnisberichte-audio

„Der Wunderheiler” Joseph Weißenberg (1928), veröffentlicht in: German History in Documents and Images, <https://germanhistorydocs.org/de/die-weimarer-republik-1918-1933/ghdi:image-5319> [16.03.2026].