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Quelle: In Jesu Dienst von Bethel nach Ostafrika, Produktion: Bodelschwinghsche Anstalten, 1927. Bundesarchiv Filmarchiv Filmwerk ID: 1337
Diese Ausschnitte aus dem Dokumentarfilm In Jesu Dienst von Bethel nach Ostafrika aus dem Jahr 1927 dokumentieren die Wiederaufnahme der deutschen Missionsarbeit in Tanganjika, das von 1885 bis zur Übernahme durch Großbritannien im Jahr 1919 gemäß den Bestimmungen des Versailler Vertrags den größten Teil der deutschen Kolonie Ostafrika ausgemacht hatte. Die Briten wiesen die 1145 dort tätigen deutschen Missionare unverzüglich aus, doch acht Jahre später kehrten deutsche Ärzte, Missionare und Diakone in diese Region zurück, um ihr Netzwerk aus Kirchen, Schulen, Krankenhäusern und sogar Blaskapellen aus der Kolonialzeit wieder aufzubauen. Die Bethel-Mission unterstützte diese Missionare und produzierte diesen Film, um auf ihre Aktivitäten aufmerksam zu machen und um finanzielle Unterstützung zu werben. Der Dokumentarfilm enthält umfangreiches Filmmaterial der gesamten Reise, die in Bethel (außerhalb von Bielefeld) begann, einem seit den 1870er Jahren für körperliche, psychische und spirituelle Pflege und Heilung bekannten Ort. Spektakuläre und exotische Szenen der anschließenden Reise von Genua nach Port Said und weiter nach Tanga an der Küste Tanganjikas (dem heutigen Tansania) weckten die Neugier und die Fernweh der deutschen Zuschauer. Von dort aus reisten die Missionare ins Landesinnere zu ihren Missionsstationen in den Usambara-Bergen, von denen einige in diesem Film deutsche Namen trugen – wie Hohenfriedberg und Neu-Bethel –, deren offizielle Namen jedoch von den neu eingesetzten britischen Verwaltungsbeamten später geändert worden waren. Zahlreiche Bibelzitate erscheinen als Zwischentitel, um die Zuschauer an die Christianisierungsmission zu erinnern, und eine Reihe von Szenen zeigen protestantische Gottesdienste, den Bau und die Reparatur von Kirchen, berufliche Ausbildung, Krankenpflege und sogar die Reparatur von Musikinstrumenten.
Der Film stellte die Rückkehr der Missionare zu ihrer Arbeit im Jahr 1927 als Wiederherstellung der angeblich engen Beziehungen zwischen Deutschland und der ostafrikanischen Bevölkerung dar, die durch die Nachkriegsordnung und die britische Kolonialherrschaft zerbrochen worden waren. Die Zwischentitel des Films erwähnen die Briten nur als „den Feind“ und auch nur im Zusammenhang mit rachsüchtigen Handlungen wie der Zerstörung einer deutschen Kirche. Die sorgfältige Darstellung einheimischer afrikanischer Diakone, Geistlicher und Lehrer, die eifrig mit ihren deutschen Kollegen zusammenarbeiteten, suggerierte unterdessen, dass der Einfluss Deutschlands auf seine ehemalige Kolonie, wenn auch nicht rechtlich, so doch spirituell weiterbestand. Darüber hinaus deuten die Eröffnungsszenen des Films, in denen die Missionare zu Beginn ihrer Reise in einer Prozession von Bethel zum Bahnhof ziehen – begleitet von einer Musikkapelle, lokalen Würdenträgern und Hunderten von Gratulanten –, auf die patriotische wie auch spirituelle Bedeutung hin, die viele Menschen in der Region diesem Moment beimaßen. Schließlich erinnert uns der Film daran, dass religiöse Institutionen auch in der Weimarer Republik weiterhin eine zentrale Rolle spielten, obwohl sie denselben sozialen Umwälzungen ausgesetzt waren, welche die gesamte deutsche Gesellschaft erschütterten.
Quelle: In Jesu Dienst von Bethel nach Ostafrika, Produktion: Bodelschwinghsche Anstalten, 1927. Bundesarchiv Filmarchiv Filmwerk ID: 1337
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