Kurzbeschreibung
Mit den Worten „Achtung, Achtung! Hier ist die Sendestelle Berlin, im
Vox-Haus auf Welle 400 Meter“ schrieb der Ansager Friedrich Georg
Knöpfke am 29. Oktober 1923 Geschichte, obwohl dies damals kaum jemandem
bewusst war. Nur 500 offiziell registrierte Rundfunkempfänger gab es in
Deutschland, um die kurze Senderkennung zu empfangen, welche die
Geburtsstunde des deutschen Rundfunks markierte. Zweifellos hörten
unzählige weitere Radioempfänger illegal die Eröffnungsendung – ein
Cellosolo mit Klavierbegleitung –, obwohl Knöpfke die Hörer am Ende
seiner Begrüßung ausdrücklich erinnerte, dass „die Benutzung [von
drahtlosen Empfangsgeräten] genehmigungspflichtig“ war. Kurz vor dem
Höhepunkt der Hyperinflation hätte diese Lizenz die Hörer damals
unglaubliche 350 Milliarden Mark gekostet, obwohl diese Gebühr nach der
Währungsreform im folgenden Monat schnell auf weniger als hundert Mark
sank. Knöpfke sendete seine historischen ersten Sätze aus einem Studio
im Hauptsitz der Vox-Schallplatten- und Diktiergerätefabrik, bekannt als
„Voxhaus“, in der Potsdamer Straße im pulsierenden Herzen Berlins.
Knöpfke mag zwar die Sendung angekündigt haben, initiiert wurde sie
jedoch von Hans Bredow. Bredow, der als „Vater des deutschen Rundfunks”
bekannt ist, war zu dieser Zeit Direktor der Abteilung für
Drahtlos-Telegrafie im Postministerium und spielte eine Schlüsselrolle
bei der Ausweitung des Rundfunks über seine ursprünglichen Anwendungen
in Militär, Wirtschaft und Amateurfunk hinaus. Er stellte sich ein neues
Medium vor, das ein möglichst breites Publikum ansprechen sollte, und
erklärte: „Der Rundfunk soll dem verwöhntesten wie dem primitivsten
Geschmack in gleicher Weise etwas bieten.” Bredows integrative und
demokratische Philosophie trug dazu bei, dass sich der deutsche Rundfunk
in den 1920er Jahren rasch ausbreitete und bis zum Ende des Jahrzehnts
rund 3 Millionen Hörer sowie eine hochmoderne Sendeanlage umfasste.