Kurzbeschreibung
Jakob Wassermann (1873-1934), war ein Autor, Essayist und
Theaterkritiker, der sowohl kritischen als auch finanziellen Erfolg
genoss. Er zählte Arthur Schnitzler, Hugo von Hoffmannsthal, Thomas
Mann, Hermann Hesse und Samuel Fischer – Gründer des S. Fischer Verlages
und sein Verleger – zu seinem literarischen Freundeskreis. 1926 wurde er
in die Preußische Akademie der Künste gewählt, jedoch schon 1933
aufgrund des Aufstiegs der Nationalsozialisten wieder ausgeschlossen.
Seine Bücher wurden im selben Jahr verboten. Sein letztes Werk,
Joseph Kerkhovens dritte Existenz,
wurde posthum 1934 in den Niederlanden veröffentlicht.
Der folgende Auszug stammt aus seiner 1921 erschienenen
Autobiographie Mein Weg als Deutscher und
als Jude. Wie der Titel andeutet, haderte Wassermann Zeit seines
Lebens mit der dualen Natur seiner Identität: „Ohne Rücksicht auf die
Gewöhnung meines Geistes, sich in Bildern und Figuren zu bewegen, will
ich mir – gedrängt von innerer Not und Not der Zeit – Rechenschaft
ablegen über den problematischesten Teil meines Lebens, den, der mein
Judentum und meine Existenz als Jude betrifft, nicht als Jude
schlechthin, sondern als deutscher Jude, zwei Begriffe, die auch dem
Unbefangenen Ausblick auf Fülle von Mißverständnissen, Tragik,
Widersprüchen, Hader und Leiden eröffnen. Heikel war das Thema stets, ob
es nun mit Scham, mit Freiheit oder Herausforderung behandelt wurde,
schönfärbend von der einen, gehässig von der anderen Seite. Heute ist es
ein Brandherd. [ . . . ] Ich stehe, am Absteig des fünften Jahrzehnts
meines Lebens, in einem Ring von Gestalten, und sie wollen mich
versichern, da? das Getane nicht umsonst getan sei. Ich bin Deutscher,
und ich bin Jude, eines so sehr und so völlig wie das andere, keines ist
vom andern zu lösen“. Aus: Jakob Wassermann,
Mein Weg Als Deutscher und Jude,
Berlin: S. Fischer Verlag, 1921, S. 7, 126.