Kurzbeschreibung

In diesem Auszug aus einem Gespräch von 1992 beschrieb die wegweisende österreichische Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897–2000) ihre Innovationen im Küchendesign der 1920er Jahre, die sich die damals neuen städtische Versorgungsleistungen zunutze machten – zunächst Gas, dann Elektrizität – und 1926 in ihrem Entwurf der einflussreichen „Frankfurter Küche” gipfelten. Ihr Design diente als Prototyp für die Küchen, die in über 12.000 günstigen Wohnungen installiert wurden, welche die Frankfurter Stadtverwaltung Ende der 1920er Jahre im Rahmen ihres ehrgeizigen Programms „Neues Frankfurt” unter der Leitung des Chefarchitekten Ernst May baute. May beauftragte Schütte-Lihotzky mit der Planung einer Küche, die sich effizient in die kompakten Grundrisse dieser Wohnungen einfügen ließ. Schütte-Lihotzky bezeichnete die Küche als „Laboratorium der Hausfrau” und konzentrierte sich beim Entwurf auf Hygiene und Ergonomie. So entwarf sie beispielsweise alle Schränke bündig mit der Decke und dem Boden, um Staub und Reinigungsaufwand zu minimieren, und platzierte den Geschirrkorb links neben der Spüle, da die meisten Menschen Rechtshänder sind und dies eine natürliche Abfolge von Waschen, Spülen und Abstellen ermöglichte. Die Metallplatte unter dem Geschirrkorb war schräg angebracht, sodass das Wasser direkt in die Spüle abfließen konnte. Eingebaute Aluminiumbehälter mit Griff für Lebensmittel in Großpackungen ermöglichten es der Köchin, den Behälter mit einer Hand zu greifen und die Zutaten direkt in den Topf zu dosieren, ohne einen Schrank öffnen zu müssen. Schütte-Lihotzky ließ sich vom Layout der Küchen in Eisenbahnwaggons sowie von den Zeit-Bewegungs-Studien von Industrieingenieuren inspirieren. Ihre bahnbrechenden Ideen prägen bis heute die Gestaltung von Einbauküchen.

Margarete Schütte-Lihotzky über moderne Küchenformen in den 1920er Jahren (Rückblick, 1992)

Quelle

Quelle: Ausschnitt aus der Schulfunksendung „Das Portrait: Margarete Schütte-Lihotzky“, ORF Radio Österreich, 30. November 1992. Österreichische Mediathek, 6-27160_a_b01_k02

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