Kurzbeschreibung

Diese Dokumentation aus dem Jahr 1919 fängt einige der dramatischen Ereignisse ein, die sich während des „Spartakusaufstands“ (auch bekannt als Januaraufstand) in Berlin ereigneten, nur zwei Wochen vor den ersten landesweiten Wahlen in Deutschland seit Kriegsende. Die linksradikalen Spartakisten waren der Überzeugung, dass die Interessen der Mittelschicht die Wahlen unweigerlich dominieren und eine echte Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter verhindern würden. Daher drängten sie zunehmend auf eine erneute Revolution als einzigen Weg zu einem dauerhaften politischen Wandel. Am 5. Januar rief der Spartakistenführer Karl Liebknecht seine Anhänger dazu auf, die Regierung mit Gewalt zu stürzen, was eine Woche lang zu Straßenkämpfen, Scharfschützenfeuer und der bewaffneten Besetzung von Gebäuden führte. Gustav Noske (SPD), der provisorische Chef des deutschen Militärs, reagierte mit außerordentlicher Härte und verstärkte die verfügbaren Armee-Einheiten der Regierung durch zusätzliche Abteilungen rechtsextremer, ultranationalistischer Freischärler, die als „Freikorps“ bekannt waren und mit großem Eifer und straffrei gegen die Spartakisten vorgingen. Dazu gehörte auch die außergerichtliche Ermordung der Spartakisten Liebknecht und Rosa Luxemburg am 15. Januar, nachdem der Aufstand bereits zusammengebrochen war. Die deutschen Kommunisten, die zwei Wochen zuvor aus einem Zusammenschluss der Spartakisten und mehrerer anderer kleiner linksextremer Organisationen die KPD gegründet hatten, erhoben Liebknecht und Luxemburg schnell zu Märtyrern, und die symbolische Bedeutung ihrer Ermordung verbitterte die Kommunisten gegenüber der Republik und der SPD noch stärker. Diese Verbitterung behinderte die Zusammenarbeit in einer Vielzahl politischer Fragen und sozialer Belange, die beide Parteien ansonsten teilten. Noch katastrophaler war, dass sie dazu beitrug, dass SPD und KPD 1932 nicht bereit waren, eine Einheitsfront gegen die Nazis zu bilden, die für beide eine existenzielle Bedrohung darstellten.

Das Filmunternehmen, das diesen Film produzierte, die Deutsche Lichtbild-Gesellschaft (Deulig), hatte 1916 ihre Tätigkeit aufgenommen, um während des Krieges Propaganda für Deutschland zu betreiben. Der rechtsextreme Wirtschaftsmagnat und Medienunternehmer Alfred Hugenberg spielte eine zentrale Rolle bei der Gründung der Deulig und prägte während der gesamten Weimarer Republik den Inhalt der Wochenschauen und deren konservative Ausrichtung.

Stürmische Tage in Berlin: Der Januaraufstand (1919)

Quelle

Quelle: Stürmische Tage in Berlin, Dokumentarfilm, Deutsche Lichtbildgesellschaft, 1919. Bundesarchiv Filmarchiv Film ID: 7615. https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/video/7615/660168

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