Kurzbeschreibung

Dieser Film dokumentiert das Deutsche Turnfest vom Juli 1923, bei dem eine Rekordzahl von rund 200.000 Teilnehmern ihre sportlichen Leistungen und die anhaltende Beliebtheit dieser spezifisch deutschen, traditionellen Form der Körperkultur demonstrierte, während die zeitgenössischen Schlagzeilen bereits zunehmend von modernen, explizit wettkampforientierten Sportarten beherrscht wurden. Die hier zu sehenden Ausschnitte stammen aus einer achtteiligen Dokumentation über das Turnfest: Die Zwischentitel verkünden von Anfang an die konservative nationalistische Ausrichtung des Deutschen Turnbundes, indem sie das offizielle Motto des Festes zitieren: „Für Deutsches Volkstum, Deutsche Einheit, Ehre und Freiheit“. Die folgenden Aufnahmen zeigen die Ankunft von Turnvereinen aus aller Welt in München, das Spektakel der Eröffnungsfeier und die sportlichen Darbietungen von Frauen und Männern auf der Theresienwiese, dem Veranstaltungsort des Oktoberfestes. Auch deutsch-amerikanische Turnvereine waren angereist, und die explizite Dokumentation ihrer sportlichen Fähigkeiten dient hier dazu, die große Reichweite und die Langlebigkeit des deutschen Kulturerbes im Ausland anzudeuten. Die letzten Bilder des Filmaussschnitts zeigen die Abschlusszeremonie, bei der ein Teilnehmer ein Schild mit der Aufschrift „Deutsch bleibt die Ruhr!“ trug – ein deutlicher Verweis auf die französisch-belgische Besetzung des Ruhrgebiets, die im Januar desselben Jahres begonnen hatte, und ein klarer Protest gegen die Gerüchte, dass Frankreich eine dauerhafte Besetzung beabsichtige.

Das Deutsche Turnfest, das in der Regel alle fünf Jahre in einer anderen Gastgeberstadt stattfand, erlaubte 1923 zum ersten Mal in seiner 60-jährigen Geschichte die Teilnahme von Frauen, was ein klares Zeichen für die zunehmende Emanzipation und das Engagement von Frauen in allen Formen der Körperkultur war. Das riesige Sportereignis fand nicht nur vor dem Hintergrund der Ruhrbesetzung statt, sondern auch zu einer Zeit, als steigende Preise die deutsche Wirtschaft in eine Hyperinflation stürzten, und nur vier Monate vor Hitlers berüchtigtem Putschversuch in München – kaum ein günstiger Zeitpunkt für eine solche Veranstaltung. Tatsächlich versuchten die Nationalsozialisten auch, diese öffentliche Veranstaltung in München für ihre eigenen Propagandazwecke zu nutzen, indem sie forderten, dass jüdische und ausländische Teilnehmer vom Festival ausgeschlossen werden sollten. Der Bürgermeister von München, ein Mitglied der SPD, und die Polizei verboten jedoch alle NS-Uniformen und Parteisymbole auf dem Festival, sodass es reibungslos ablief.

Deutsches Turnfest in München (1923)

Quelle

Quelle: Das größte Deutsche Turnfest München 1923, Münchener Lichtspielkunst AG EMELKA, 1923. Bundesarchiv Filmarchiv Filmwerk ID: 1112. https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/video/1112/665507

BArch

Deutsches Turnfest in München (1923), veröffentlicht in: German History in Documents and Images, <https://germanhistorydocs.org/de/die-weimarer-republik-1918-1933/ghdi:video-5212> [16.03.2026].