Kurzbeschreibung
Dieser kurze Ausschnitt aus einer Wochenschau von 1932 zeigt eine
Trachtenparade, die überwiegend aus Frauen besteht, die in schmuckvollen
Trachten aus verschiedenen Regionen Süddeutschlands gekleidet sind. Die
Trachtenschau fand anlässlich der Landwirtschaftsausstellung statt, die
von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) organisiert wurde,
einer jährlichen Messe, auf der die neuesten landwirtschaftlichen Geräte
vorgestellt, das beste Zuchtvieh prämiert und die wirtschaftlichen und
kulturellen Leistungen der ländlichen Gemeinden gefeiert wurden. Die
Schau traditioneller Trachten, begleitet von einer entsprechend
traditionell klingenden Blaskapelle, schloss Frauen aus Sankt Georgen im
Schwarzwald ein, die reich verzierte Brautkronen trugen; Frauen aus dem
Elsass, die übergroße Schleifen als Kopfschmuck trugen; Frauen aus einer
anderen Region des Schwarzwaldes in ihren charakteristischen
Bollenhüten; und Frauen, die Schäppel trugen, eine weitere Form
aufwendiger Brautkronen. Der Abschnitt endet mit Aufnahmen von Frauen
mit Radhauben, eine Kopfbedeckung, die in der Region um den Bodensee an
der Grenze zur Schweiz getragen wird. Die kurze Sequenz vermittelt zudem
einen Eindruck von den großen Menschenmengen, die gekommen waren, um
diese Parade traditioneller Trachten zu sehen, was darauf hindeutet, wie
selten die meisten Deutschen in den frühen 1930er Jahren die Gelegenheit
hatten, diese überhaupt zu sehen, geschweige denn zu tragen. Die
unmittelbar vorangegangenen Berichte in dieser Wochenschau – ein Beitrag
über die neu gebildete deutsche Regierung unter Franz von Papen und
Aufnahmen des Boxers Max Schmeling im Trainingslager – stehen in
offensichtlichem Kontrast zu diesen Aufnahmen ländlicher Traditionen.
Insofern stellt sich die Frage, ob sie den Zuschauern vielleicht eher
wie Einblicke in die Vergangenheit erschienen und weniger als
zeitgenössische Manifestationen blühender lokaler Bräuche.