Kurzbeschreibung

Dieser vierminütige Film warb für die Kino- und Photoausstellung (Kipho) 1925 in Berlin. Wirbelwindartig verbindet er eine Reihe avantgardistischer Techniken, darunter Montage, geteilte Bildschirme und die Einbindung von Ausschnitten aus früheren Filmen, die allesamt die Dynamik der deutschen Filmindustrie vermittelten. In kurzen, oft überlagerten Bildern präsentierten Produzent Julius Pinschewer und Kameramann Guido Seeber alle Facetten der zeitgenössischen Filmproduktion – vom Drehbuchschreiben über den Bühnenbau bis hin zur Beleuchtung und zum Schnitt – und zeigten sowohl Frauen als auch Männer hinter der Kamera. Die beiden Filmemacher würdigten zudem frühere Filmtechnologien wie die „Wundertrommel“ und den „Schnellseher“ und fügten bekannte Szenen aus früheren Meilensteinen des deutschen Kinos ein, darunter Fritz Langs Die Nibelungen (1924), F. W. Murnaus Der letzte Mann (1924), Robert Wienes Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) und eine expressionistische Tanzsequenz aus dem Dokumentarfilm Wege zu Kraft und Schönheit (1925). Tatsächlich erinnert der Slogan des Films „Du musst zur Kipho gehen“ an den früheren Werbeslogan von „Der Caligari“: „Du musst Caligari werden!“

Die Kipho-Ausstellung, die vom 25. September bis zum 4. Oktober lief, zog 100.000 Besucher an, die Produktionsausrüstung begutachten, ein aktives Filmset sehen und Regisseure und Darsteller bei der Arbeit beobachten konnten. Die Großveranstaltung sollte die Öffentlichkeit für eine deutsche Industrie begeistern, die sich einer zusehends harten Konkurrenz durch Hollywood-Importe gegenübersah. Vor diesem Hintergrund war Pinschewers Verpflichtung für diesen Werbefilm durchaus nachvollziehbar, da er während des Ersten Weltkriegs den Vaterländischen Filmvertrieb gegründet hatte, um Unterstützung für die deutschen Kriegsanstrengungen zu mobilisieren. Seeber war ebenfalls tief in der deutschen Filmindustrie verwurzelt, insbesondere im experimentellen Bereich, und arbeitete allein zwischen 1918 und 1933 an über 70 Spielfilmen mit. Trotz der Bemühungen dieser beiden Männer hatte das deutsche Kino jedoch während der gesamten 1920er Jahre weiterhin zu kämpfen. Nur wenige Monate nach Ende der Kipho-Ausstellung unterzeichneten zwei Hollywood-Studios eine Vereinbarung mit Deutschlands größter Filmproduktionsgesellschaft, der UFA, die ihnen größeren Zugang zum deutschen Filmmarkt verschaffte.

Julius Pinschewer, Kipho: Werbefilm für die Kino- und Photoausstellung in Berlin (1925)

Quelle

Quelle: Werbefilm (Kipho), Regie: Julius Pinschewer, Guido Seeber, Werbe-Film GmbH, 1925. Bundesarchiv Filmarchiv Filmwerk ID: 897

Deutsche Kinemathek

Michael Cowan, “Advertising, Rhythm, and the Filmic Avant-Garde in Weimar: Guido Seeber and Julius Pinschewer’s Kipho Film,” October 131 (Winter 2010), S. 23-50.

Julius Pinschewer, Kipho: Werbefilm für die Kino- und Photoausstellung in Berlin (1925), veröffentlicht in: German History in Documents and Images, <https://germanhistorydocs.org/de/die-weimarer-republik-1918-1933/ghdi:video-5244> [16.03.2026].