Kurzbeschreibung

Das Lied „Pleite, pleite“ des Komponisten Viktor Corzilius und des Textautors Hans Pflanzer erschien kurz nach dem Ende der astronomischen Hyperinflation im November 1923, als die Deutschen noch mit den verheerenden Folgen dieser wirtschaftlichen Erschütterung zu kämpfen hatten. Der Text brachte prägnant zum Ausdruck, wie sich viele Menschen nach einem Jahrzehnt steigender Preise fühlten, das bereits während des Krieges begonnen und sich in den fünf Jahren danach noch beschleunigt hatte und als Folge vernichtete Ersparnisse, Verwirrung und Verbitterung hinterlassen hatte. Als das Bohème Orchester dieses Lied 1924 aufnahm, schien die Regierung die deutsche Wirtschaft jedoch auf den Weg zur Normalisierung gebracht zu haben. Die Reichsbank hatte eine neue Währung eingeführt, die Rentenmark, die sie zunächst an eine Reihe von Wirtschaftsgütern und schließlich an den Goldstandard band, wodurch sich die deutsche Währung schnell stabilisierte und ihren Vorkriegswert auf dem internationalen Devisenmarkt wiedererlangte. Die finanziellen Turbulenzen der vergangenen Jahre waren nun zwar überstanden, doch die psychologischen Auswirkungen dieser Erschütterungen hielten an, wie dieses Lied deutlich unterstrich.

Liedtext: 
Pleite, pleite sind heut' alle Leute
Ich hab kein Geld,
Du hast kein Geld,
Pleite, pleite ist die ganze Welt.

Pleite, pleite sind heut' alle Leute
Ich hab kein Geld,
Du hast kein Geld,
Pleite und meschugge ist die ganze Welt.

Inflationslieder: Bohème Orchester, Pleite, pleite (1924)

Quelle

Quelle: Bohème Orchester, „Pleite, pleite“, Shimmy (Viktor Corzilius), BEKA 1924.

Inflationslieder: Bohème Orchester, Pleite, pleite (1924), veröffentlicht in: German History in Documents and Images, <https://germanhistorydocs.org/de/die-weimarer-republik-1918-1933/ghdi:audio-5091> [16.03.2026].