Quelle
Quelle: Einförmigkeit: Das Merkmal vieler Frauenberufe, Produktion: Boehner-Film, 1930. Bundesarchiv Filmarchiv, Filmwerk ID: 744. https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/video/744/637873
Dieser Film aus dem Jahr 1930 gab berufstätigen Frauen Ratschläge, wie sie Verletzungen vermeiden können, die mit repetitiven Bewegungen beim Sortieren, Zusammenbauen, Heben und Entleeren von Lasten verbunden waren, die so viele ihrer typischen Tätigkeiten mit sich brachten. Die Aufnahmen zeigen beispielsweise Frauen, die in einer Zahnpastafabrik in Dresden arbeiteten, Lumpen sortierten, Milchkannen schleppten und hoben und Tabakblätter trennten. Der Film zeigte auf, was die Frauen selbst tun konnten, um langfristige gesundheitliche Schäden zu vermeiden, betonte aber auch die Bedeutung der Fabrikinfrastruktur, wie Belüftung und Staubfilter, auf welche die weiblichen Beschäftigten vermutlich kaum Einfluss hatten. Die Filmemacher empfahlen dringend mechanische Staubabsaugsysteme, um beispielsweise Lungenreizungen und -erkrankungen zu vermeiden, insbesondere in den Fabriken, in denen Frauen alte Textilien für das Recycling sortierten, ein Vorgang, bei dem häufig schädliche Partikel und Bakterien freigesetzt wurden. Es gab zu diesem Zeitpunkt jedoch nur wenige Gesetze oder Vorschriften zum Arbeitsschutz, welche die Installation solcher Systeme vorschrieben, und die meisten Arbeiterinnen hatten auch keinen Zugang zu Masken und Handschuhen, die sie bei der Arbeit mit hochgiftigen Substanzen wie Blei hätten schützen können. Gleichzeitig gab der Film den Frauen einige Ratschläge, wie sie Stress und körperliche Belastungen vermeiden könnten, darunter Anleitungen zu Dehnübungen, Sport, der richtigen Sitzhaltung und der Hinweis, mehr Zeit im Freien zu verbringen. Die Produktionsfirma dieses Films, eine Dresdner Filmgesellschaft unter der Leitung von Fritz Boehner, war auf solche Lehrfilme spezialisiert. Viele davon befassten sich mit dem Thema Gesundheit und knüpften an die einflussreiche Sozialhygiene-Bewegung des frühen 20. Jahrhunderts an, als eine ganze Reihe von Reformern, Ärzten und selbsternannten Heilern „rationale” Ernährung und Gesundheitspflege als notwendiges Gegenmittel gegen die negativen Auswirkungen des modernen Lebens propagierten. Das bekannte Hygiene-Museum in Dresden hat möglicherweise ebenfalls an der Produktion des Films mitgewirkt, da es noch im selben Jahr seine zweite Internationale Hygieneausstellung veranstaltete und über eine eigene Abteilung für die Produktion von Lehrmaterialien in verschiedenen Formaten verfügte. Eine Abteilung dieser zweiten Ausstellung war dem Thema „Die Frau in Familie und Beruf” gewidmet, was der Forschung und dem Interesse ihrer wissenschaftlichen Leiterin, Dr. Marta Fraenkel, geschuldet war.
Quelle: Einförmigkeit: Das Merkmal vieler Frauenberufe, Produktion: Boehner-Film, 1930. Bundesarchiv Filmarchiv, Filmwerk ID: 744. https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/video/744/637873
BArch