Kurzbeschreibung

Dieser Dokumentarfilm aus dem Jahr 1930, Deutsche Ostsiedlung, warb für den Reichtum, den Fleiß und das vermeintlich tief verankerte Deutschtum der Provinzen Schlesien und Ostpreußen, die das östliche Randgebiet des deutschen Staates nach 1918 bildeten, für die deutsche Nation jedoch von großer historischer Bedeutung waren. Er zielte darauf ab, Deutsche dazu zu bewegen, sich in diesen dünn besiedelten Gebieten niederzulassen, ein Bestreben, das als „innere Kolonisation“ bezeichnet wurde und das bereits frühere deutsche Staaten verfolgt hatten. Wie dieser Begriff vermuten lässt, hofften die Befürworter, dass die Siedler sowohl zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region beitragen als auch den deutschen Anspruch auf Gebiete in einem zunehmend umkämpften Teil Osteuropas weiter festigen würden. Das Drehbuch des Films stammte von der Gesellschaft für innere Kolonisation (GFK), einer 1912 gegründeten Organisation zur Förderung der ländlichen Besiedlung und zur Ausweitung der landwirtschaftlichen Produktion. Der Film enthielt Aufnahmen aus früheren Dokumentarfilmen des produktiven Filmemachers Erich Puchstein, der in der zweiten Hälfte der Weimarer Republik mehr als drei Dutzend Filme produzierte, die verschiedene Aspekte des Lebens und der Landschaft Ostpreußens in romantisierender Weise vermittelten. Die Zwischentitel des Films verliehen diesen idyllischen Bildern einen explizit nationalistischen Rahmen, indem sie die Tatsache unterstrichen, dass Deutsche seit dem Mittelalter in dieser Region siedelten, und indem sie ausdrücklich auf den Deutschen Orden Bezug nahmen, eine mittelalterliche Bruderschaft deutscher Ritter, welche die östlichen Außenposten der Hanse kontrollierte. Trotz dieses langlebigen deutschen Erbes litt ein Großteil Ostpreußens unter Entvölkerung, da die Menschen die dortigen abgelegenen Gebiete auf der Suche nach besseren Perspektiven im Westen verließen. Dieser Film sollte der Abwanderung (oft als „Ostflucht” oder „Landflucht” bezeichnet) entgegenwirken, die zu einem Rückgang der deutschen Bevölkerung geführt und schrille Warnungen vor einer unterschwelligen ,,Polonisierung" ausgelöst hatte. Die Bemühungen während der Weimarer Republik, die deutsche Besiedlung der östlichen Provinzen zu fördern, verbanden somit wirtschaftliche Interessen mit Nationalismus und antislawischen Vorurteilen, da potenzielle Migranten in dieses Gebiet auch als Bollwerk gegen die neu gegründeten Staaten Polen und Tschechoslowakei angesehen wurden.

Deutsche Ostsiedlung (1930)

Quelle

Quelle: Deutsche Ostsiedlung, Produktion: Universum-Film AG für die Gesellschaft zur Förderung der inneren Kolonisation, 1930. Bundesarchiv Filmarchiv, Filmwerk ID: 545. https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/video/545/679717

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