Kurzbeschreibung

In diesem Ausschnitt aus einer Wochenschau aus dem Jahr 1932 demonstriert Ellen Braumüller, eine der besten Leichtathletinnen Deutschlands zu dieser Zeit, ihr Können in drei Disziplinen, in denen sie regelmäßig antrat: Kugelstoßen, Hochsprung und ihrer Spezialdisziplin, dem Speerwerfen. Braumüller hatte 1930 einen Weltrekord im Speerwerfen der Frauen aufgestellt, doch die amerikanische Starathletin „Babe“ Didrikson schlug sie bei den Olympischen Sommerspielen 1932 in Los Angeles um die Goldmedaille, sodass Braumüller sich mit Silber begnügen musste. Damit war sie dennoch die beste deutsche Leichtathletin der Spiele und verkörperte, wie weit der Frauensport in nur wenigen Jahrzehnten gekommen war. Nach dem Ersten Weltkrieg, als immer mehr deutsche Frauen organisierten Sport trieben, entbrannten heftige Debatten über die physischen, psychischen und moralischen Auswirkungen solcher Aktivitäten. Einige Kommentatoren und Ärzte schürten Ängste, dass sportliche Betätigung Frauen „vermännlichen” oder sie daran hindern würde, Kinder zu bekommen, während andere die freizügige Kleidung der Sportlerinnen kritisierten. Anfang der 1930er Jahre begann jedoch ein zunehmend einflussreicher Kreis von Befürwortern des Frauensports, die Vorteile der Teilnahme von Frauen am Sport zu preisen und behauptete, dass Frauen dadurch bessere Arbeiterinnen und Mütter würden, die sich besser auf die Herausforderungen der modernen Welt einstellen könnten. Die Olympischen Spiele in Los Angeles waren erst die zweiten Sommerspiele an denen Deutschland teilnahm, seit das Internationale Olympische Komitee (IOC) deutschen Sportlerinnen und Sportlern die Teilnahme nach dem Krieg wieder erlaubt hatte. Als Zeichen dafür, wie weit Deutschlands Rehabilitierung auf internationaler Ebene fortgeschritten war, hatte das IOC bereits 1931 Berlin den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 1936 erteilt.

Wochenschau-Interview mt Ellen Braumüller, Weltmeisterin im Speerwerfen (1932)

Quelle

Sprecher: Ellen Braumüller, die Weltmeisterin im Speerwerfen, wird Deutschland auf der Olympiade in Los Angeles vertreten. Sie warf den Speer 42,28 Meter. Eine schöne Weite. Sie werden sie jetzt gleich selbst sehen.

Braumüller:  Wie Sie sehen, bin ich eifrig beim Training, um für Los Angeles in bester Form zu sein. In  Meiner Schwester Inge habe ich eine tüchtige Trainingspartnerin.

Reporter:  Hoffen Sie im Speerwerfen auf einen olympischen Sieg?

Braumüller:  Das Speerwerfen ist ja bekanntlich meine Spezialität. Ich habe mir jedenfalls viel vorgenommen.

Reporter:  Und wie weit kommen Sie jetzt im Kugelstoßen?

Braumüller:  Fast zwölf Meter, aber ich muss unbedingt noch einen Meter mehr schaffen. Wollen wir jetzt mal sehen.

Inge Braumüller:  12,05 Meter.

[Braumüller übt den Hochsprung]

Inge Braumüller:  Bravo, Ellen!  1,35 Meter.

Quelle: Deuligton-Woche Nr. 10 (Ausschnitt), Deulig-Film, 1932. Bundesarchiv Filmarchiv, Filmwerk ID:  625942. https://digitaler-lesesaal.bundesarchiv.de/video/625942/665655

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