Quelle
Quelle: Besetzung des Ruhrgebiets durch die Franzosen, USHMM: RG-60.4615,
Zugang über das United States Holocaust Memorial Museum, mit freundlicher Genehmigung des Bundesarchiv Filmarchivs
Dieser kurze Ausschnitt aus der hagiografischen Filmbiografie über Paul von Hindenburg aus dem Jahr 1929, Der eiserne Hindenburg in Krieg und Frieden, zeigt die Besetzung des industriellen Ruhrgebiets durch Frankreich im Jahr 1923, bei der schwarze Soldaten aus den französischen Überseekolonien eingesetzt wurden, um die deutsche Bevölkerung bewusst zu demütigen. Diese Episode, die von deutschen Nationalisten als „die schwarze Schmach“ instrumentalisiert wurde, trug dazu bei, dass viele Deutsche im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 1925 das Gefühl hatten, ihre Nation müsse von einer Persönlichkeit vom Format Hindenburgs gerettet werden.
Die Ruhrbesetzung ging auf Frankreichs Auffassung zurück, dass Deutschland die im Versailler Vertrag festgelegten Reparationszahlungen absichtlich verzögerte, nachdem Frankreich und Belgien im Januar 1923 beschlossen hatten, Soldaten ins Ruhrgebiet zu entsenden, um deutsche Vermögenswerte direkt zu beschlagnahmen. Berlin reagierte darauf mit einem Aufruf zum „passiven Widerstand“ der Bevölkerung im Ruhrgebiet – Arbeitsniederlegungen und generelle Nichtkooperation –, der sich bis in den September hinein zog, die Hyperinflation anheizte und große Teile der Mittelschicht in die Armut trieb. Dieser Filmausschnitt präsentiert die historische Episode in aufwieglerischer Sprache – unter Bezugnahme auf Frankreichs „Verstoß gegen den Vertrag von Versailles“, seinen Einsatz „brutalster Gewalt“ und seine kalkulierte Schikane durch „schwer bewaffnete Neger“. Die Filmemacher überlagerten Bilder von Ruhrgebietsfabriken mit der gespenstischen Gestalt eines schwarzen Soldaten. Dieser Abschnitt verstärkte frühere Szenen des Films, die raffgierige Hände zeigen, die Deutschland demontierten und damit auf Frankreichs größeres Bestreben anspielte, das Rheinland vollständig zu annektieren. Solche filmischen Tricks und aufwieglerischen Zwischentitel sollten den Eindruck einer anhaltenden Grausamkeit Frankreichs vermitteln, die das Filmmaterial selbst nicht eindeutig zeigte.
Der Großteil des Films konzentriert sich jedoch auf Hindenburg selbst und präsentiert den Mann, der seit 1925 als deutscher Reichspräsident amtierte und sich den Sieg in der Schlacht von Tannenberg 1914 als Verdienst angerechnet hatte, als den einzigen, der das Land von diesem Erbe der Schande, des Verrats und der Niederlage befreien konnte. Der Film Der eiserne Hindenburg von Regisseur Johannes Häußler kam im Frühjahr 1929 in die Kinos, gerade als der Bestseller-Antikriegsroman Im Westen nichts Neues landesweit Verkaufsrekorde brach und eine ganz andere Sicht auf die jüngste Vergangenheit Deutschlands präsentierte, was die Widersprüchlichkeit des nationalen Diskurses in den letzten Jahren der Weimarer Republik verdeutlicht.
Quelle: Besetzung des Ruhrgebiets durch die Franzosen, USHMM: RG-60.4615,
Zugang über das United States Holocaust Memorial Museum, mit freundlicher Genehmigung des Bundesarchiv Filmarchivs