Kurzbeschreibung

Die Tabelle stellt die regionale Verteilung der höheren Schulen auf die Länder des Deutschen Reiches sowie die preußischen Provinzen für die Jahre 1911, 1926/27 und 1938 dar. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erfuhr das Schulsystem in der Weimarer Republik umfassende Reformen. Mit dem „Weimarer Schulkompromiss“ im Jahr 1919 und dem Grundschulgesetz von 1920 wurde ein Schulsystem aus einer gemeinsamen vierjährigen Grundschule und einer darauffolgenden Aufteilung in ein dreigliedriges Schulsystem eingeführt. Die Schülerzahl an den höheren Schulen nahm insgesamt zunächst zu, ab der Mitte der 1920er Jahre jedoch wieder ab. Besonders viele Schüler:innen pro 1000 Einwohner:innen lebten in Berlin; Sachsen und Brandenburg lagen hingegen beispielsweise unter dem reichsweiten Vergleich. Die regionalen Unterschiede in der Verteilung der höheren Schulen entsprachen dabei jedoch nicht zwangsläufig den Gegensätzen zwischen ländlichen und städtisch-industriellen Gebieten, sondern sie waren auch durch Unterschiede in der Demographie und bildungspolitischen Traditionen bedingt.

Regionale Verteilung der Höheren Schulen (1911, 1926/27 und 1938)

Quelle

Die regionale Verteilung der Höheren Schulen a)

Länder und Preußische Provinzen

1911

1926/27

1938 b)

Schüler pro Lehrer

Schüler pro 1000 Einwohner c)

Schüler pro Lehrer

Schüler pro 1000 Einwohner d)

Schüler pro Lehrer

Schüler pro 1000 Einwohner d)

Ostpreußen

21,4

8

21,2

11

16,6

10

Brandenburg

20,0

13

17,9

9

17,0

7

Berlin

19,5

15

18,5

22

17,6

14

Sachsen

18,9

8

18,8

10

16,5

7

Schleswig-Holstein

20,7

9

18,8

12

15,7

9

Westfalen

18,5

8

20,9

13

16,5

10

Rheinland

19,1

11

19,6

15

16,8

10

Preußen

19,5

10

19,5

13

15,5

9

Bayern

15,3

8

15,7

12

15,2

10

Württemberg

23,1

14

20,7

15

17,8

13

Baden

17,5

13

17,4

16

13,8

11

Sachsen

16,6

7

17,6

11

13,3

7

Dt. Reich e)

18,8

10

18,7

13

15,2

9

a) Gymnasien, Progymnasien, Realprogymnasien, Oberreal- und Realschulen, Oberlyzeen sowie sonstige Anstalten (Pädagogien etc.), ohne Vorschulen. Staatliches und privates Schulwesen ließ sich in der von uns gewünschten Differenzierung nicht voneinander trennen, doch war der Anteil der Privatschulen niedrig (1911: 19,8%, 1921/22: 14,6%; 1938: 11%). Wegen der kleineren Schulen war der Anteil der Privatschüler noch geringer (1938:2,6%)

b) Gebietstand: 31.12.1937.

c) Ortsanwesende Bevölkerung nach der Volkszählung 1910.

d) Wohnbevölkerung nach der Volkszählung 1925 bzw. 1939.

e) Ohne Saargebiet.

Quelle: Sozialgeschichtliches Arbeitsbuch, Band III, Materialien zur Statistik des Deutschen Reiches 1914–1945, Hrsg. Dietmar Petzina, Werner Abelshauser und Anselm Faust. München: Verlag C.H. Beck, 1978, S. 168.