Kurzbeschreibung

John Hagenbeck war der Halbbruder des Unternehmers Carl Hagenbeck, der im späten 19. Jahrhundert Pionierarbeit für eine Reihe von öffentlichen Spektakeln, Aufführungen und Ausstellungen leistete, zu denen auch Live-Vorführungen von Menschen aus anderen Teilen der Welt gehörten, die als Völkerschauen bekannt waren. Diese Shows brachten Gruppen von Menschen aus „exotischen“ Gegenden wie Samoa, Lappland und dem Horn von Afrika nach Deutschland, stellten sie in Nachbildungen ihrer heimatlichen Siedlungen auf und verdeutlichten den zahlenden Besuchern die vermeintlichen ethnologischen Unterschiede. John Hagenbeck nutzte seine familiäre Verbindung zu Carl, um selbst ähnliche Völkerschauen sowie Zirkusse und Tiervorstellungen zu organisieren. John Hagenbeck gründete 1918 sogar eine Filmgesellschaft, um einige dieser Spektakel zu filmen und seine Zuschauerzahlen weiter zu erhöhen. Ludwig Ruhe betrieb derweil eine sehr erfolgreiche Tierhandlung, die neben Völkerschauen auch eine Reihe deutscher Zoos belieferte.

Diese Werbung für eine „Wild-Afrika“-Ausstellung auf dem Münchner Oktoberfest 1926 griff die Faszination des Publikums für die Menschen und die Tiere Afrikas auf. Das Adjektiv „wild“ wurde viermal verwendet, um die ethnologische Vielfalt der ausgestellten Tiere hervorzuheben und sogar einen Hauch von Erotik in Verbindung mit „wilden Tänzen“ zu suggerieren. Exotisierte schwarze Körper waren in Europa nicht nur in Völkerschauen, sondern auch in anderen Kontexten wie Musikveranstaltungen präsent.

Werbeanzeige für eine Völkerschau in München (1926)

Quelle

Quelle: Offizielle Münchner Oktoberfest-Zeitung (1926), S. 13. Online verfügbar unter: https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-MDZ-00000BSB00048960?lang=de

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