Kurzbeschreibung

Diese Anzeige, die 1927 in einer Ausgabe der Zeitschrift für lesbische Frauen Die Freundin erschien, warb für alle Homosexuellenzeitschriften, die der Verlag von Friedrich Radszuweit zu dieser Zeit herausgab. Später brachte Radszuweit eine Reihe weiterer Titel heraus, darunter Das dritte Geschlecht—Die Transvestiten, die sich an eine Transgender-Leserschaft richtete.

Neben Magnus Hirschfeld und Adolf Brand gehörte Radszuweit zu den führenden Köpfen der homosexuellen Emanzipationsbewegung in der Weimarer Republik. Im Gegensatz zu Hirschfeld und Brand, die beide seit den 1890er Jahren in der Bewegung aktiv und maßgeblich an ihrer Gründung beteiligt waren, hatte Radszuweit erst Anfang 1922, nach einem Vortrag Hirschfelds in Berlin, begonnen, sich für die Rechte der Homosexuellen einzusetzen. Radszuweit schloss sich einer Schwulenorganisation an, stieg innerhalb weniger Monate in deren Führungsposition auf und startete ein ehrgeiziges Programm zur Organisation von Schwulen im ganzen Land und zur Lobbyarbeit für Schwulenrechte.

Im Februar 1923 gründete Radszuweit seinen eigenen Verlag, um dieses Programm durch eine Reihe von Zeitschriften zu fördern, die sich an eine Leserschaft richteten, die wir heute als LGBTQ+ bezeichnen würden. Die meisten der Zeitschriften hatten einen Umfang von 8-12 Seiten, aber es gab auch Ausgaben mit bis zu 20 Seiten, was zum Teil darauf zurückzuführen war, dass Radszuweit regelmäßig Artikel aus einer Zeitschrift in den anderen wiederverwendete und alte Vorträge und Abhandlungen, die manchmal noch aus der Vorkriegszeit stammten, ausgrub, um sie erneut zu veröffentlichen. Nichtsdestotrotz dienten die Zeitschriften als wichtige Informationsquelle für Politik und Sexualität. Sie ermöglichten es den Leser/innen auch, Kontakte zu knüpfen, sich über anstehende gesellschaftliche Aktivitäten zu informieren und sich weniger allein zu fühlen, vor allem, wenn sie nicht in Berlin oder in einer der anderen Großstädte lebten, in denen es Bars und Clubs für Hmosexuelle gab.

Die Freundin erschien seit September 1924 wöchentlich oder zweiwöchentlich und enthielt eine Mischung aus Belletristik, Gedichten, Illustrationen, Nachrichten, Kommentaren, interessanten Artikeln aus großen Zeitungen, Leserbriefen und Kontaktanzeigen. Vor allem die Kontaktanzeigen brachten die Zeitschrift in Schwierigkeiten mit der staatlichen Zensur, insbesondere nach 1926, als die Behörden diese Eigenwerbung als Verstoß gegen ein Gesetz interpretierten, das in jenem Jahr verabschiedet wurde, um Jugendliche vor „Schund- und Schmutzschriften“ zu schützen. Als die Zensur in den späten 1920er Jahren die Veröffentlichung von Die Freundin kurzzeitig ganz verbot, ersetzte Radszuweit sie durch eine ähnliche Zeitschrift mit dem Titel Ledige Frauen. Zu Beginn der 1930er Jahre litt die Auflage aller Zeitschriftentitel des Verlags aufgrund staatlicher Schikanen, der Wirtschaftskrise und des Krebstods von Friedrich Radszuweit im Frühjahr 1932.

Werbung für „homoerotische“ Zeitschriften (1927)

Quelle

Immer wieder
Werden wir gefragt, wieviel und welche homoerotischen Zeitschriften existieren. Wir antworten:

Im Friedrich Radszuweit-Verlag, Berlin S 14
Neue Jakobstraße 9

Erscheinen folgende Zeitschriften:

Blätter für Menschenrecht
(Monatlich einmal). Bezugspreis im geschlossenen Brief monatlich
Inland: 0,50 Mk., Drucksache 0,30 Mk. – Ausland: 0,65 Mk., Drucksache 0,40 Mk.

Das Freundschaftsblatt
(Erscheinungstag jeden Freitag). Bezugspreis im geschlossenen Brief monatlich:
Inland: 1,50 Mk., Drucksache 1, -- Mk. – Ausland: 2,30 Mk., Drucksache 1,30 Mk.

Die Insel, Das Magazin der Einsamen
Bezugspreis im geschlossenen Brief monatlich: Inland 0,70 Mk.,
Drucksache 0,60 Mk. – Ausland: 1,20 Mk., Drucksache 0,65 Mk.

Die Freundin
Einzigste Halbmonatsschrift Deutschlands für homoerotische Frauen
(Erscheinungstag Montag.) Bezugspreis monatlich im geschlossenen Brief 0,75 Mk.,
Ausland 1,15 Mk. – Drucksache: Inland 0,50 Mk, A[usland] 0,65 Mk.
Postscheckkonto: Anschrift Friedrich Radszuweit, Berlin Nr. 151 122

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Quelle: Werbung für Friedrich Radzuweits Bund für Menschenrecht, Die Freundin (1927). Online verfügbar unter: https://www.der-liebe-wegen.org/aufbruchstimmung_weimarer_republik/

Werbung für „homoerotische“ Zeitschriften (1927), veröffentlicht in: German History in Documents and Images, <https://germanhistorydocs.org/de/die-weimarer-republik-1918-1933/ghdi:document-5397> [16.03.2026].