Quelle

Quelle: Aus: Bruno Schwan, Die Wohnungsnot und das Wohnungselend in Deutschland. Berlin, 1929.
Artikel 155 der Weimarer Verfassung formulierte das Ziel der Regierung, „jedem Deutschen eine gesunde Wohnung und allen deutschen Familien, besonders den kinderreichen, eine ihren Bedürfnissen entsprechende Wohn- und Wirtschaftsheimstätte zu sichern“. Dementsprechend wurden ab Mitte der 1920er Jahre soziale Wohnungsbauprojekte realisiert, um den seit dem 19. Jahrhundert existierenden Wohnungsmangel insbesondere in den städtischen Arbeitervierteln zu beseitigen. Hyperinflation und Weltwirtschaftskrise brachten jedoch Rückschläge für den öffentlich finanzierten Wohnungsbau, und die einsetzende Massenarbeitslosigkeit bedeutete, dass viele verarmte Menschen sowohl in den Städten als auch auf dem Land obdachlos wurden. Die 1927 durchgeführte Reichswohnungszählung ergab, dass mindestens eine Million Haushalte in Deutschland nicht über eine eigene Wohnung verfügten. Dieses Foto wurde in München aufgenommen und zeigt eine Arbeiterfamilie, die in einem Bauwagen lebt.
Die Bilder stammen aus der Publikation Die Wohnungsnot und das Wohnungselend in Deutschland, die 1929 vom Deutschen Verein für Wohnungsreform unter dessen Geschäftsführer Bruno Schwan herausgegeben wurde. Der Verein setzte sich für die Verbesserung der Wohnverhältnisse insbesondere der Arbeiter ein und forderte Regierungsmaßnahmen zur Förderung des Wohnungsbaus, anstatt diesen allein privaten Bauunternehmern zu überlassen, wie es während des Kaiserreichs Praxis gewesen war. Schwan und seine Kollegen hatten 150 deutsche Städte und Gemeinden bereist und die dortigen beengten und oft gesundheitsschädlichen Wohnverhältnisse auch fotografisch dokumentiert.

Quelle: Aus: Bruno Schwan, Die Wohnungsnot und das Wohnungselend in Deutschland. Berlin, 1929.