In seiner Fernsehansprache vom 1. Juli 1990 zum Inkrafttreten der
Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion sprach Bundeskanzler Helmut Kohl
davon, die östlichen Bundesländer in „blühende Landschaften“ zu
verwandeln, „in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt.“ Diese
optimistische Perspektive unterschätzte das schwere Erbe der
DDR-Wirtschaft und die Schwierigkeiten des Umstrukturierungsprozesses.
Schlagartig transformiert und liberalisiert, wurde die ostdeutsche
Wirtschaft dem internationalen Wettbewerb ausgesetzt. Zudem brachen das
RGW-System und damit der Osthandel der (ehemaligen) DDR in beiden
Richtungen ein. Für die ostdeutsche Wirtschaft hatte das drastische
Konsequenzen: Die Industrieproduktion fiel 1991 auf ein Drittel des
Durchschnittswertes der ersten Hälfte von 1990. Innerhalb von zwei
Jahren gingen etwa 4. Mio. Arbeitsplätze verloren, v.a. in der
Industrie. Gleichzeitig schnellte die Arbeitslosenzahl zunächst auf über
eine Mio. (1991), später auf über 1,5 Mio. (1997) und 1,6 Mio. (2003)
hoch.
Im Bild: Raps blüht vor der verfallenen Werksanlage des ehemaligen
Zementwerkes in Nienburg an der Saale (Sachsen-Anhalt). Der frühere
Volkseigene Betrieb ist seit Jahren stillgelegt und soll abgerissen
werden.