Kurzbeschreibung

Bismarcks Kürzung der Emser Depesche und die empfundene Beleidigung der französischen Ehre, die aus ihrer Veröffentlichung resultierte, lieferte dem französischen Außenminister einen Casus Belli, der Mitte Juli 1870 rasch zum Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs führte. Hierbei handelt es sich um ein Faksimile des ursprünglichen chiffrierten Telegramms, das Heinrich Abeken, ein Mitglied der Gesandtschaft des Norddeutschen Bundes in Paris, am Nachmittag des 13. Juli 1870 aus Bad Ems an Bismarck (zu dieser Zeit in Berlin) übermittelte. Der Abeken-Text lautet [Seite 1]: „Ems, den 13, Juli 1870, An d. Bundeskzl. Grf. Bismarck Exz. Berlin No. 27, No. 61 eod. 15h 10, Nachm. Station Ems. (Eilig!) S. M. der König schreibt mir: ‚[Graf] M. Benedetti fing mich auf der Straße ab, um auf zuletzt sehr zudringliche Art von mir zu verlangen, ich sollte ihn autorisieren, sofort zu telegraphieren, daß ich für alle Zukunft mich verpflichte[te], niemals wieder meine Zustimmung zu geben, wenn die Hohenzollern auf ihre Kandidatur zurückkämen. Ich wies ihn zuletzt, etwas ernst, zurück, da man á tout jamais dergleichen Engagements nicht nehmen dürfe noch könne. Natürlich sagte ich ihm, daß ich noch nichts erhalten hätte und da er über Paris [Seite 2 beginnt hier] und Madrid früher benachrichtigt sei als ich, er wohl einsähe, daß mein Gouvernement wiederum außer Spiel sei.’ Seine Majestät hat seitdem ein Schreiben des Fürsten [Karl Anton] bekommen. Da S. M. dem Grafen Benedetti gesagt, daß er Nachricht vom Fürsten erwarte, hat Allerhöchstderselbe, mit Rücksicht auf die obige Zumutung, auf des Grafen Eulenburg und meinen Vortrag, beschlossen, den Grafen Benedetti nicht mehr zu empfangen, sondern ihm nur durch einen Adjutanten sagen lassen: daß S. M. jetzt vom Fürsten die Bestätigung der Nachricht erhalten, die Benedetti aus Paris schon gehabt, und dem Botschafter nichts weiter zu sagen habe. S.M. stellt Euer Exzellenz anheim, ob nicht die neue Forderung Benedettis und ihre Zurückweisung sogleich, sowohl unseren Gesandten, als auch [in] der Presse mitgeteilt werden sollte. [Unterzeichnet] A[beken]“

Emser Depesche, Original (Seiten 1 und 2) (13. Juli 1870)

  • Heinrich Abeken

Quelle

Quelle: „Emser Depesche“ König Wilhelms I. von Preußen vom 13. Juli 1870 an den Kanzler des Deutschen Bundes, Graf Bismarck. Faksimile.
Seite 1 und 2 der von dem Geheimen Legationsrat Heinrich Abeken aufgesetzten Depesche mit dem Bericht Wilhelms über sein Treffen mit dem französischen Gesandten Graf Benedetti in Bad Ems.
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