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DAS DRITTE KAPITEL
Simplex pfeift tapfer auf seiner Sackpfeifen,
Bis die Soldaten
ihn mit sich fortschleifen.
DA fieng ich an, mit meiner Sackpfeife so gut Geschirr zu machen daß man den Krotten im Krautgarten damit hätte vergeben mögen, also daß ich vor dem Wolf, welcher mir stetig im Sinn lag mich sicher genug zu sein bedünkte; und weilen ich mich meiner Meuder erinnert (also heißen die Mütter im Spessert und am Vogelsberg, daß sie oft gesagt, sie besorge, die Hühner würden dermaleins von meinem Gesang sterben, als beliebte mir auch zu singen, damit das Remedium wider den Wolf desto kräftiger wäre, und zwar ein solch Lied, das ich von meiner Meuder selbst gelernet hatte:
Du sehr verachteter Baurenstand,
Bist doch der beste in dem
Land,
Kein Mann dich gnugsam preisen kann,
Wann er dich nur
recht siehet an.
Wie stünd es jetzund um die Welt,
Hätt Adam nicht gebaut das
Feld?
Mit Hacken nährt sich anfangs der,
Von dem die Fürsten
kommen her.
Es ist fast alles unter dir;
Ja was die Erde bringt
herfür,
Wovon ernähret wird das Land,
Geht dir anfänglich
durch die Hand.
Der Kaiser, den uns Gott gegebn,
Uns zu beschützen, muß doch
lebn
Von deiner Hand; auch der Soldat,
Der dir doch zufügt
manchen Schad.
Fleisch zu der Speis zeugst auf allein;
Von dir wird auch gebaut
der Wein,
Dein Pflug der Erden tut so not,
Daß sie uns gibt
genugsam Brod.
Die Erde wär ganz wild durchaus,
Wann du auf ihr nicht hieltest
Haus,
Ganz traurig auf der Welt es stünd,
Wann man kein
Bauersmann mehr fünd.
Drum bist du billig hoch zu ehrn,
Weil du uns alle tust
ernährn.
Natur, die liebt dich selber auch,
Gott segnet deinen
Baurenbrauch.
Vom bitterbösen Podagram
Hört man nicht, daß an Bauren
kam,
Das doch den Adel bringt in Not,
Und manchen Reichen gar
in Tod.
Der Hoffart bist du sehr befreit,
Absonderlich zu dieser
Zeit,
Und daß sie auch nicht sei dein Herr,
So gibt dir Gott
des Kreuzes mehr.
Ja der Soldaten böser Brauch
Dient gleichwohl dir zum Besten
auch;
Daß Hochmut dich nicht nehme ein,
Sagt er: Dein Hab und
Gut ist mein.
Bis hieher und nicht weiter kam ich mit meinem lieblichtönendem Gesang, dann ich ward gleichsam in einem Augenblick von einem Trupp Courassierer samt meiner Herde Schafen umgeben, welche im großen Wald verirret gewesen und durch meine Musik und Hirtengeschrei wieder waren zurecht gebracht worden.
»Hoho«, gedachte ich, »dies seind die rechten Kauzen! dies seind die vierbeinigte Schelmen und Diebe, davon dir dein Knän sagte«; dann ich sahe anfänglich Roß und Mann (wie hiebevor die Amerikaner die spanische Kavallerie) vor eine einzige Kreatur an und vermeinete nicht anders, als es müßten Wölfe sein, wollte derowegen diesen schröcklichen Centauris den Hundssprung weisen und sie wieder abschaffen. Ich hatte aber zu solchem Ende meine Sackpfeife kaum aufgeblasen, da ertappte mich einer aus ihnen beim Flügel und schleuderte mich so ungestüm auf ein leer Baurenpferd, so sie neben andern mehr erbeutet hatten, daß ich auf der andern Seite wieder herab auf meine liebe Sackpfeife fall mußte, welche so erbärmlich anfieng zu schreien und einen so kläglichen Laut von sich zu geben, als wann sie alle Welt zur Barmherzigkeit hätte bewegen wollen; aber es half nichts, wiewohl sie den letzten Atem nicht sparete, mein Unfäll zu beklagen; ich mußte einmal wieder zu Pferd, Gott geb, was meine Sackpfeife sang oder sagte. Und was mich zum meisten verdroß, war dieses, daß die Reuter vorgaben, ich hätte der Sackpfeife im Fallen weh getan, darum sie dann so ketzerlich geschrieen hätte. Also gieng meine Mähr mir dahin in einem stetigen Trab, wie das Primum mobile, bis in meines Knäns Hof. Wunderseltsame Trauben und kauderwelsche Grillen stiegen mir damals ins Hirn, dann ich bildete mir ein, weil ich auf einem solchen Tier säße, dergleichen ich niemals gesehen hatte, so würde ich auch in einen eisernen Kerl vermethomophosiert werden, in dem ich diejenigen, die mich fortführten, auch ganz eisern sahe. Weil aber solche Verwandlung nicht folgte, kamen mir andere Grillen in meinen albern Kopf: ich gedachte, diese fremde Dinger wären nur zu dem Ende da, mir die Schafe helfen heimzuttreiben, sintemal keiner von ihnen keines hinwegfraß, sondern alle so einhellig, und zwar des geraden Wegs, in meines Knäns Hof zueileten. Derowegen sahe ich mich fleißig nach meinem Knän um, ob er und mein Meuder uns nicht bald entgegengehen und uns willkommen sein heißen wollten. Aber vergebens, er und meine Meuder samt unserm Ursele, welches meines Knäens einzige und liebste Tochter war, hatten die Hintertür getroffen, das Reißaus gespielt und wolten dieser heillosen Gäste nicht erwarten.
DAS VIERTE KAPITEL
Simplicius’ Residenz wird ausgeplündert,
Niemand ist, der die
Soldaten verhindert.
WIEWOHL ich nicht bin gesinnet gewesen, den friedliebenden Leser mit dieser leichtfertigen Reuter-Bursch in meines Knäns Haus und Hof zu führen, weil es schlimm genug darin hergeben wird, so erfodert jedoch die Folge meiner Histori, daß ich der lieben Posterität hinterlasse, was vor abscheuliche und ganz unerhörte Grausamkeiten in diesem unserm teutschen Krieg hin und wieder verübet worden, zumalen mit meinem eigenen Exempel zu bezeugen, daß alle solche Übel von der Güte des Allerhöchsten zu unserm Nutz oft notwendig haben verhängt werden müssen. Dann, lieber Leser! wer hätte mir gesagt, daß ein Gott im Himmel wäre, wann keine Krieger meines Knäns Haus zernichtet und mich durch solche Fahung unter die Leute gezwungen hätten, von denen ich genugsamen Bericht empfangen? Kurz zuvor konnte ich nichts anders wissen noch mir einbilden, als daß mein Knän, Meuder, Ursele, ich und das übrige Hausgesind allein auf Erden sei, weil mir sonst kein Mensch, noch einzige andre menschliche Wohnung bekannt war als meines Knäns zuvor beschriebner adeliger Sitz, darin ich täglich aus und ein gieng.
Aber bald hernach erfuhr ich die Herkunft der Menschen in diese Welt, und daß sie keine bleibende Wohnung hätten, sondern oftermals, ehe sie sichs versähen, wieder daraus müßten; ich war nur mit der Gestalt ein Mensch und mit dem Namen ein Christenkind, im übrigen aber nur eine Bestia! Aber der Allerhöchste sahe meine Unschuld mit barmherzigen Augen an und wollte mich beides, zu seiner und meiner Erkanntnus bringen. Und wiewohl er tausenderlei Wege hierzu hatte, wollte er sich doch ohn Zweifel nur desjenigen bedienen, in welchem mein Knän und Meuder, andern zum Exempel, wegen ihrer liederlichen Auferziehung gestraft würden.
Das erste, das diese Reuter täten und in den schwarz gemalten Zimmern meines Knäns anfiengen, war, daß sie ihre Pferde einställeten; hernach hatte jeglicher seine sonderbare Arbeit zu verrichten, deren jede lauter Untergang und Verderben anzeigte. Dann obzwar etliche anfiengen zu metzgen, zu sieden und zu braten, daß es sahe, als sollte ein lustig Bankett gehalten werden, so waren hingegen andere, die durchstürmten das Haus unten und oben; ja das heimliche Gemach war nicht sicher, gleichsam ob wäre das gölden Fell von Kolchis darin verborgen. Andere machten von Tuch, Kleidungen und allerlei Hausrat große Päck zusammen, als ob sie irgends einen Krempelmarkt anrichten wollten; was sie aber nicht mitzunehmen gedachten, ward zerschlagen und zugrunde gerichtet; etliche durchstachen Heu und Stroh mit ihren Degen, als ob sie nicht Schaf und Schweine genug zu stechen gehabt hätten; etliche schütteten die Federn aus den Betten und fülleten hingegen Speck, andere Dürrfleisch und sonst Gerät hinein, als ob alsdann besser darauf zu schlafen wäre. Andere schlugen Ofen und Fenster ein, gleichsam als hätten sie einen ewigen Sommer zu verkündigen; Kupfer und Zinngeschirr schlugen sie zusammen und packten die gebogene und verderbte Stücken ein; Bettladen, Tische, Stühle und Bänke verbrannten sie, da doch viel Klafter dürr Holz im Hof lag. Häfen und Schüsseln mußte endlich alles entzwei, entweder weil sie lieber Gebraten aßen oder weil sie bedacht waren, nur eine einzige Mahlzeit allda zu halten.
Unsre Magd ward im Stall dermaßen traktiert, daß sie nicht mehr daraus gehen konnte, welches zwar eine Schande ist zu melden. Den Knecht legten sie gebunden auf die Erde, steckten ihm ein Sperrholz ins Maul und schütteten ihm einen Melkkübel voll garstig Mistlachenwasser in Leib: das nannten sie einen schwedischen Trunk, der ihm aber gar nicht schmeckte, sondern in seinem Gesicht sehr wunderliche Mienen verursachte, wodurch sie ihn zwungen, eine Partei anderwärts zu führen, allda sie Menschen und Viehe hinwegnahmen und in unsern Hof brachten, unter welchen mein Knän, meine Meuder und unsre Ursele auch waren.
Da fieng man erst an, die Steine von den Pistolen und hingegen anstatt deren der Bauren Daumen aufzuschrauben und die arme Schelmen so zu foltern, als wann man hätte Hexen brennen wollen, maßen sie auch einen von den gefangenen Bauren bereits in Backofen steckten und mit Feuer hinter ihm her waren, unangesehen er noch nichts bekannt hatte. Einem andern machten sie ein Seil um den Kopf und raitelten es mit einem Bengel zusammen, daß ihm das Blut zu Mund, Nas und Ohren heraussprang. In Summa, es hatte jeder seine eigne Invention, die Bauren zu peinigen, und also auch jeder Baur seine sonderbare Marter. Allein mein Knän war meinem damaligen Bedünken nach der glücklichste, weil er mit lachendem Munde bekannte, was andere mit Schmerzen und jämmerlicher Weheklage sagen mußten, und solche Ehre widerfuhr ihm ohn Zweifel darum, weil er der Hausvatter war; dann sie satzten ihn zu einem Feur, banden ihn, daß er weder Hände noch Füße regen konnte, und rieben seine Fußsohlen mit angefeuchtem Salz, welches ihm unsre alte Geiß wieder ablecken und dadurch also kützeln mußte, daß er vor Lachen hätte zerbersten mögen. Das kam so artlich und mir so anmutig vor (weil ich meinen Knän niemals ein solches langwieriges Gelächter verführen gehöret und gesehen), daß ich Gesellschaft halber, oder weil ichs nicht besser verstund, von Herzen mitlachen mußte. In solchem Gelächter bekannte er seine Schuldigkeit und öffnete den verborgenen Schatz, welcher von Gold, Perlen und Kleinodien viel reicher war, als man hinter den Bauren hätte suchen mögen. Von den gefangenen Weibern, Mägden und Töchtern weiß ich sonderlich nichts zu sagen, weil mich die Krieger nicht zusehen ließen, wie sie mit ihnen umgiengen. Das weiß ich noch wohl, daß man teils hin und wieder in den Winkeln erbärmlich schreien hörte; schätze wohl, es sei meiner Meuder und unserm Ursele nit besser gangen als den andern. Mitten in diesem Elend wandte ich Braten und war umb nichts bekümmert, weil ich noch nit recht verstunde, wie dieses alles gemeinet wäre; ich half auch Nachmittag die Pferde tränken, durch welches Mittel ich zu unsrer Magd in Stall kam, welche wunderwerklich zerstrobelt aussahe; ich kannte sie nicht, sie aber sprach zu mir mit kränklicher Stimme: »O Bub! lauf weg, sonst werden dich die Reuter mitnehmen! guck, daß du davonkommst, du siehest wohl, wie es so übel –!« Mehrers konnte sie nicht sagen.
[…]
DAS DREIZEHNTE KAPITEL
Simplex will seine Einöde verlassen,
Pflegt doch bald andre
Gedanken zu fassen.
ÜBER etliche Tage, nach meines so werten und herzlieben Einsiedels Ableiben verfügte ich mich zu obgemeldtem Pfarrer und offenbarte ihm meines Herrn Tod, begehrte benebenst Rat von ihm, wie ich mich bei so gestalter Sache verhalten sollte? Unangesehen er mir nun stark widerraten, länger im Wald zu verbleiben, und mir die augenscheinliche Gefahr, darinnen ich schwebte, vorhielte, so bin ich jedoch tapfer in meines Vorgängers Fußstapfen getretten, maßen ich den ganzen Sommer hindurch tät, was ein frommer Monachus tun soll. Aber gleichwie die Zeit alles ändert, also ringert sich auch nach und nach das Leid, so ich um meinen Einsiedel trug, und die äußerliche scharfe Winterskälte löschte die innerliche Hitze meines steifen Vorsatzes zugleich aus. Je mehr ich anfieng zu wanken, je träger ward ich in meinem Gebet, weil ich, anstatt göttliche und himmlische Dinge zu betrachten, mich die Begierde, die Welt auch zu beschauen, überherrschen ließ, und als ich dergestalt nichts nutz wurde, im Wald länger gutzutun, gedachte ich wieder zu gedachtem Pfarrer zu gehen, zu vernehmen, ob er mir noch wie zuvor aus dem Wald raten wollte. Zu solchem Ende machte ich mich seinem Dorf zu; und als ich hinkam, fand ichs in voller Flamme stehen, dann es eben eine Partei Reuter ausgeplündert, angezündet, teils Bauren niedergemacht, viel verjaget und etliche gefangen hatten, darunter auch der Pfarrer selbst war. Ach Gott! wie ist das menschliche Leben so viel Mühe und Widerwärtigkeit! Kaum hat ein Unglück aufgehöret, so stecken wir schon in einem andern. Mich verwundert nicht, daß der heidnische Philosophus Timon zu Athen viel Galgen aufrichtete, daran sich die Menschen selber aufknüpfen und also ihrem elenden Leben durch eine kurze Grausamkeit ein Ende machen sollten. Die Reuter waren eben wegfertig und führten den Pfarrer wie einen armen Sünder an dem Strick daher. Unterschiedliche schrieen: »Schieß den Schelmen nieder!« Andere aber wollten Geld von ihm haben. Er aber hub die Hände auf und bat um des Jüngsten Gerichts willen um Verschonung und christliche Barmherzigkeit; aber umsonst; dann einer ritte ihn übern Haufen und versetzte ihm zugleich einen Paragraphum über den Kopf, daß der rote Saft darnach gieng und er im Fallen alle vier von sich streckte und Gott seine Seele befahl. Den andern noch übrigen gefangenen Bauren giengs gar nicht besser.
Da es nun sahe, als ob diese Reuter in ihrer tyrannischen Grausamkeit ganz unsinnig worden wären, kam ein solcher Schwarm bewehrter Bauren aus dem Wald, als wann man in ein Wespennest gestochen hätte. Die fiengen an, so greulich zu schreien, so grimmig dareinzusetzen und daraufzuschießen, daß mir alle Haar gen Berg stunden, weil ich noch niemals bei dergleichen Kürbe gewesen; dann die Spesserter und Vogelsberger Bauren lassen sich fürwahr sowenig als die Hessen, Sauerländer und Schwarzwälder auf ihrem Mist foppen. Davon rissen die Reuter aus und ließen nicht allein das eroberte Rindviehe zurück, sondern warfen auch Sack und Pack von sich, schlugen also ihre ganze Beute in Wind, damit sie nicht selbst den Bauren zur Beute würden; doch kamen ihnen teils in die Hände, mit denen sie leiden übel umgiengen.
Diese Kurzweile benahm mir beinahe die Lust, mich aus meiner Einöde zu begeben und die Welt zu beschauen; dann ich gedachte, wann es so darin hergehet, so ist die Wildnus weit anmutiger. Doch wollte ich auch hören, was der Pfarrer darzu sagte. Derselbe war wegen empfangener Wunden und Stöße ganz matt, schwach und kraftlos; doch hielt er mir vor, daß er mir weder zu helfen noch zu raten wisse, weil er damalen selbst in einen solchen Stand geraten wäre, in welchem er besorglich das Brod am Bettelstab suchen müßte, und wanngleich ich noch länger im Wald verbleiben würde, so hätte ich mich seiner Hülfleistung nichts zu getrösten, weil, wie ich vor Augen sähe, beides, seine Kirche und Pfarrhof, im Feur stünde. Hiermit verfügte ich mich ganz traurig gegen dem Wald zu meiner Wohnung, und demnach ich auf dieser Reis sehr wenig getröstet, hingegen aber um viel andächtiger worden, beschloß ich bei mir, die Wildnus nimmermehr zu verlassen, sondern mein Leben, gleich meinem Einsiedel, in Betrachtung göttlicher Dinge zu beschließen; maßen ich schon nachgedachte, ob nicht müglich wäre, daß ich ohn Salz (so mir bisher der Pfarrer mitgeteilet hatte) leben und also aller Menschen entbehren könnte?
DAS VIERZEHNTE KAPITEL
Simplex erzählt mit Entsetzen und Grausen,
Wie die Soldaten mit
fünf Bauren hausen.
DAMIT ich aber diesem meinem Entschluß nachkommen und ein rechter Waldbruder sein möchte, zog ich meines Einsiedlers hinterlassen härin Hembd an und gürtete seine Kette darüber; nicht zwar, als hätte ich sie bedörft, mein unbändig Fleisch zu mortifizieren, sondern damit ich meinem Vorfahren sowohl im Leben als im Habit gleichen, mich auch durch solche Kleidung desto besser vor der rauhen Winterskälte beschützen möchte.
Den andern Tag, nachdem obgemeldtes Dorf geplündert und verbrannt worden, als ich eben in meiner Hütte saß und zugleich neben dem Gebet gelbe Rüben zu meinem Aufenthalt im Feuer briet, umringten mich bei 40 oder 50 Musketierer; diese, obzwar sie ob meiner Person Seltsamkeit erstauneten, so durchstürmten sie doch meine Hütte, durchstankerten alles auf das genaueste und suchten, was da nicht zu finden war; dann nichts als Bücher hatte ich, die sie mir durcheinander geworfen, weil sie ihnen nichts taugten. Endlich, als sie mich besser betrachteten und an meinen Federn sahen, was vor einen schlechten Vogel sie gefangen hätten, konnten sie leicht die Rechnung machen, daß bei mir eine schlechte Beute zu hoffen. Demnach verwunderten sie sich über mein hartes und sehr strenges Leben und hatten mit meiner zarten Jugend ein großes Mitleiden, sonderlich der Offizierer, so sie kommandierte; ja er ehrte mich und begehrte gleichsam bittend, ich wollte ihm und den Seinigen den Weg wieder aus dem Wald weisen, in welchem sie schon lang in der Irre herumgangen wären. Ich widerte mich ganz nicht, sondern, damit ich dieser unfreundlichen Gäste nur desto eher wieder los werden möchte, führte sie den nächsten Weg gegen dem Dorf zu, allwo der obgemeldte Pfarrer so übel traktiert worden, dieweil ich sonst keinen andern Weg wußte. Eh wir aber vor den Wald kamen, sahen wir ungefähr einen Bauren oder zehen, deren ein Teil mit Feurrohren bewehrt, die übrigen aber geschäftig waren, etwas einzugraben. Die Musketierer giengen auf sie los und schrien: »Halt, halt!« Jene aber antworteten mit Rohren. Und wie sie sahen, daß sie von den Soldaten übermannet waren, lief einer da, der ander dort hinaus, also, daß die müden Musketier keinen von ihnen ereilen konnten. Derowegen wollten sie wieder herausgraben, was die Bauren eingescharret. Das schickte sich um so viel desto besser, weil sie die Hauen und Schaufeln, so sie gebraucht, liegen ließen. Sie hatten aber wenig Streiche getan, da höreten sie eine Stimme von unten herauf, die sagte: »O ihr leichtfertige Schelmen! O ihr Erzböswichter! O ihr verfluchte Lauren, vermeinet ihr wohl, daß der Himmel eure unchristliche Grausamkeit und Bubenstücke ungestraft hingehen lassen werde? Nein, es lebet noch mancher redlicher Kerl, durch welche eure Unmenschlichkeit dermaßen vergolten werden soll, daß euch keiner von euren Nebenmenschen mehr den Hindern lecken dörfe.« Hierüber sahen die Soldaten einander an, weil sie nicht wußten, was sie tun sollten. Etliche vermeinten, sie hörten ein Gespenst; ich aber gedachte, es träume mir. Ihr Offizier hieß tapfer zu graben. Sie kamen gleich auf ein Faß, schlugens auf und fanden einen Kerl darin, der weder Nasen noch Ohren mehr hatte und gleichwohl noch lebte. Sobald sich derselbe ein wenig ermunterte und vom Haufen etliche kannte, erzählete er, was maßen die Bauren den vorigen Tag, als einzige seines Regiments auf Fütterung gewesen, ihrer sechs gefangen bekommen, davon sie allererst vor einer Stund fünfe, so hintereinander stehen müssen, totgeschossen; und weil die Kugel ihn, weil er der sechste und letzte gewesen, nicht erlanget, indem sie schon zuvor durch fünf Körper gedrungen, hätten sie ihm Nasen und Ohren abgeschnitten, zuvor aber gezwungen, daß er ihrer fünfen den Hindern lecken müssen. Als er sich nun von den ehr- und gottesvergessenen Schelmen so gar geschmähet gesehen, hätte er ihnen, wiewohl sie ihn mit dem Leben davonlassen wollten, die allerunnützesten Worte gegeben, die er erdenken mögen, und sie alle drei bei ihrem rechten Namen genennet, der Hoffnung, es würde ihm etwan einer aus Ungedult eine Kugel schenken. Aber vergebens; sondern, nachdem er sie verbittert gemacht, hätten sie ihn in gegenwärtig Faß gesteckt und also lebendig begraben, sprechend, weil er des Todes so eiferig begehre, wollten sie ihm zum Possen hierin nicht willfahren.
Indem dieser seinen überstandenen Jammer also klagte, kam eine
andre Partei Soldaten zu Fuß überzwerchs den Wald herauf; die hatten
obgedachte Bauren angetroffen, fünf davon gefangenbekommen und die
übrigen totgeschossen. Unter den Gefangenen waren vier, denen der
übelzugerichtete Reuter kurz zuvor so schändlich zu Willen sein müssen.
Als nun beide Parteien aus dem Anschreien einander erkannten, einerlei
Volk zu sein, traten sie zusammen und vernahmen wiederum vom Reuter
selbst, was sich mit ihm und seinen Kameraden zugetragen. Da sollte man
seinen blauen Wunder gesehen haben, wie die Bauren getrillt und
geschurigelt wurden. Etliche wollten sie gleich in der ersten Furi
totschießen, andere aber sagten: »Nein! man muß die leichtfertigen Vögel
zuvor rechtschaffen quälen und ihnen eintränken, was sie an diesem
Reuter verdienet haben.« Indessen bekamen sie mit den Musketen so
treffliche Ribbstöße, daß sie hätten Blut speien mögen. Zuletzt tratt
ein Soldat hervor und sagte: »Ihr Herren, dieweil es der ganzen
Soldateska eine Schande ist, daß diesen Schurken (deutet damit auf den
Reuter) fünf Bauren so greulich getrillt haben, so ist billig, daß wir
solchen Schandflecken wieder auslöschen und diese Schelmen den Reuter
wieder hundertmal lecken lassen.« Hingegen sagte ein anderer: »Dieser
Kerl ist nicht wert, daß ihm solche Ehre widerfahre; dann wäre er kein
Bärnhäuter gewesen, so hätte er allen redlichen Soldaten zu Spott diese
schändliche Arbeit nicht verrichtet, sondern wäre tausendmal lieber
gestorben.« Endlich ward einhellig beschlossen, daß ein jeder von den
saubergemachten Bauren solches an zehen Soldaten also wettmachen und zu
jedem Mal sagen sollte: »Hiermit lösche ich wieder aus und wische ab die
Schande, die sich die Soldaten einbilden empfangen zu haben, als uns ein
Bärnhäuter hinten leckte.« Nachgehends wollten sie sich erst
resolvieren, was sie mit den Bauren weiters anfahen wollten, wann sie
diese saubere Arbeit würden verrichtet haben. Hierauf schritten sie zur
Sache; aber die Bauren waren so halsstarrig, daß sie weder durch
Verheißung, sie mit dem Leben davonzulassen, noch durch einzigerlei
Marter hierzu gezwungen werden kunnten. Einer führete den fünften Baur,
der nicht geleckt war worden, etwas beiseits und sagte zu ihm: »Wann du
Gott und alle seine Heiligen verleugnen willt, so werde ich dich laufen
lassen, wohin du begehrest.« Hierauf antwortete der Baur, er hätte sein
Lebtage nichts auf die Heilige gehalten und auch bisher noch geringe
Kundschaft mit Gott selbst gehabt, schwur auch darauf
solenniter, daß er Gott nicht kenne
und kein Teil an seinem Reich zu haben begehre. Hierauf jagte ihm der
Soldat eine Kugel an die Stirn, welche aber so viel effektuiert, als
wenn sie an einen stählernen Berg gangen wäre. Darauf zuckte er seine
Plaute und sagte: »Holla, bist du der Haar? ich habe versprochen, dich
laufen zu lassen, wohin du begehrest; siehe, so schicke ich dich nun ins
höllische Reich, weil du nicht in Himmel wilt«, und spaltete ihm damit
den Kopf bis auf die Zähne voneinander. Als er dorthin fiel, sagte der
Soldat: »So muß man sich rächen und diese lose Schelmen zeitlich und
ewig strafen.«
Indessen hatten die andern Soldaten die übrigen vier Bauren, so geleckt waren worden, auch unterhanden; die banden sie über einen umgefallenen Baum mit Händen und Füßen zusammen, so artlich, daß sie (s. v.) den Hindern gerad in die Höhe kehrten, und nachdem sie ihnen die Hosen abgezogen, nahmen sie etliche Klafter Lunden, machten Knöpfe daran und fiedelten ihnen so unsauberlich durch solchen hindurch, daß der rote Saft hernachgieng. »Also«, sagten sie, »muß man euch Schelmen den gereinigten Hindern auströcknen.« Die Bauren schrien zwar jämmerlich, aber es war kein Erbarmen, sondern den Soldaten nur eine Kurzweil; dann sie höreten nicht auf zu sägen, bis Haut und Fleisch ganz auf das Bein hinweg war. Mich aber ließen sie wieder nach meiner Hütte gehen, weil die letztgemeldte Partei den Weg wohl wußte. Also kann ich nicht wissen, was sie endlich mit den Bauren vollends angestellet haben.
DAS FÜNFZEHNTE KAPITEL
Simplex wird von den Soldaten spoliert,
Ihme träumt, wie es im
Krieg trieben wird.
ALS ich wieder heimkam, befand ich, daß mein Feurzeug und ganzer Hausrat samt allem Vorrat an meinen armseligen Essenspeisen, die ich den Sommer hindurch in meinem Garten erzogen und auf künftigen Winter vor mein Maul ersparet hatte, miteinander fort war: »Wo nun hinaus?« gedacht ich. Damals lernete mich die Not erst recht beten. Ich gebot aller meiner wenigen Witz zusammen, zu beratschlagen, was mir zu tun oder zu lassen sein möchte. Gleichwie aber meine Erfahrenheit schlecht und gering war, als konnte ich auch nichts Rechtschaffenes schließen: das beste war, daß ich mich Gott befahl und mein Vertrauen allein auf ihn zu setzen wußte, sonst hätte ich ohn Zweifel desperieren und zugrunde gehen müssen. Überdas lagen mir die Sachen mit dem verwundeten Pfarrer und denen fünf so erbärmlich gefiedelten Bauren, so ich denselben Tag gehöret und gesehen, ohn Unterlaß im Sinn: ich dachte nicht soviel um Essenspeise und meiner Erhaltung nach als derjenigen Antipathia, die sich zwischen Soldaten und Bauren enthält; doch konnte meine Alberkeit nichts ersinnen, als daß ich schlosse, auch festiglich glaubte, es müßten ohnfehlbar zweierlei Menschen in der Welt sein, so nicht einerlei Geschlechts von Adam her, sondern wilde und zahme wären, wie andere unvernünftige Tiere, weil sie einander so grausam verfolgen.
In solchen Gedanken entschlief ich vor Unmut und Kälte mit einem hungerigen Magen. Da dünkte mich, gleichwie in einem Traum, als wann sich alle Bäume, die um meine Wohnung stunden, gähling veränderten und ein ganz ander Ansehen gewönnen. Auf jedem Gipfel saß ein Kavalier, und alle Äste wurden anstatt der Blätter mit allerhand Kerlen gezieret; von solchen hatten etliche lange Spieße, andere Musketen, kurze Gewehr, Partisanen, Fähnlein, auch Trommeln und Pfeifen. Dies war lustig anzusehen, weil alles so ordentlich und fein gradweis sich aneinander teilete. Die Wurzel aber war von ungültigen Leuten, als Handwerkern, Taglöhnern, mehrenteils Bauren und dergleichen, welche nichtsdestoweniger dem Baum seine Kraft verliehen und wieder von neuem mitteilten, wann er solche zuzeiten verlor; ja sie ersetzten den Mangel der abgefallenen Blätter aus den ihrigen zu ihrem eigenen noch größern Verderben. Benebenst seufzeten sie über diejenige, so auf dem Baum saßen, und zwar nicht unbillig, dann die ganze Last des Baums lag auf ihnen und druckte sie dermaßen, daß ihnen alles Geld aus den Beuteln, ja hinter sieben Schlössern herfürgieng. Wann es aber nicht herfürwollte, so striegelten sie die Kommissarii mit Besemen, die man militarische Exekution nennet, daß ihnen die Seufzer aus dem Herzen, die Tränen aus den Augen, das Blut aus den Nägeln und das Mark aus den Beinen herausgieng. Noch dannoch waren Leute unter ihnen, die man Fatzvögel nannte; diese bekümmerten sich wenig, nahmen alles auf die leichte Achsel und hatten in ihrem Kreuz anstatt des Trostes allerhand Gespei.
DAS SECHZEHNTE KAPITEL
Simplex träumt ferner vom kriegerischen Leben,
Daß man Geringe
nicht pfleg zu erheben.
ALSO mußten sich die Wurzeln dieser Bäume in lauter Mühseligkeit und Lamentieren, diejenige aber auf den untersten Ästen in viel größrer Mühe, Arbeit und Ungemach gedulden und durchbringen, doch waren diese jeweils lustiger als jene, darneben aber auch trotzig, tyrannisch, mehrenteils gottlos und der Wurzel jederzeit eine schwere unerträgliche Last. Um sie stund dieser Reim:
Hunger und Durst, auch Hitz und Kält,
Arbeit und Armut, wie es
fällt,
Gewalttat, Ungerechtigkeit
Treiben wir Landsknecht
allezeit.
Diese Reimen waren um so viel desto weniger erlogen, weil sie mit ihren Werken übereinstimmten; denn fressen und saufen, Hunger und Durst leiden, huren und buben, raßlen und spielen, schlemmen und demmen, morden und wieder ermordet werden, totschlagen und wieder zu Tod geschlagen werden, tribulieren und wieder gedrillt werden, jagen und wieder gejaget werden, ängstigen und wieder geängstiget werden, rauben und wieder beraubt werden, plündern und wieder geplündert werden, sich förchten und wieder geförchtet werden, Jammer anstellen und wieder jämmerlich leiden, schlagen und wieder geschlagen werden, und in Summa nur verderben und beschädigen, und hingegen wieder verderbt und beschädiget werden, war ihr ganzes Tun und Wesen: woran sie sich weder Winter noch Sommer, weder Schnee noch Eis, weder Hitze noch Kälte, weder Regen noch Wind, weder Berg noch Tal, weder Felder noch Morast, weder Gräben, Pässe, Meer, Mauren, Wasser, Feur noch Wälle, weder Vatter noch Mutter, Brüder noch Schwestern, weder Gefahr ihrer eigenen Leiber, Seelen und Gewissen, ja weder Verlust des Lebens noch des Himmels, oder sonst einzig ander Ding, wie das Namen haben mag, verhindern ließen. Sondern sie weberten in ihren Werken immer emsig fort, bis sie endlich nach und nach in Schlachten, Belägerungen, Stürmen, Feldzügen und in den Quartieren selbsten (so doch der Soldaten irdische Paradeis sind, sonderlich wann sie fette Bauren antreffen), umkamen, starben, verdarben und krepierten, bis auf etliche wenige, die in ihrem Alter, wann sie nicht wacker geschunden und gestohlen hatten, die allerbeste Bettler und Landstürzer abgaben. Zunächst über diesen mühseligen Leuten sassen so alte Hühnerfänger, die sich etliche Jahre mit höchster Gefahr auf den untersten Ästen beholfen, durchgebissen und das Glück gehabt hatten, dem Tod bis dahin zu entlaufen. Diese sahen ernstlich und etwas reputierlicher aus als die unterste, weil sie um einen gradum hinaufgestiegen waren. Aber über ihnen befanden sich noch höhere, welche auch höhere Einbildungen hatten, weil sie die unterste zu kommandieren: diese nannte man Wammesklopfer, weil sie den Pikenierern mit ihren Prügeln und Hellenpotzmarter den Rucken sowohl als den Kopf abzufegen und den Musketierern Baumöl zu geben pflegten, ihr Gewehr damit zu schmieren. Über diesen hatte des Baumes Stamm einen Absatz oder Unterscheid, welches ein glattes Stück war, ohn Äste, mit wunderbarlichen Materialien und seltsamer Saifen des Mißgunsts geschmieret, also daß kein Kerl, er sei dann vom Adel, weder durch Mannheit, Geschicklichkeit noch Wissenschaft hinaufsteigen konnte, Gott geb, wie er auch klettern könnte: dann es war glätter poliert als eine marmorsteinerne Säule oder stählerner Spiegel. Über demselben Ort saßen die mit den Fähnlein; deren waren teils jung und teils bei ziemlichen Jahren; die Junge hatten ihre Vettern hinaufgehoben, die Alte aber waren zum Teil von sich selbst hinaufgestiegen, entweder auf einer silbernen Leiter, die man Schmiralia nennet, oder sonst auf einem Steg, den ihnen das Glück aus Mangel anderer gelegt hatte. Besser oben saßen noch höhere, die auch ihre Mühe, Sorge und Anfechtung hatten; sie genossen aber diesen Vorteil, daß sie ihre Beutel mit demjenigen Speck am besten spicken können, welchen sie mit einem Messer, das sie Kontribution nannten, aus der Wurzel schnitten; am tunlichsten und geschicktesten fiel es ihnen, wann ein Kommissarius daherkam und eine Wanne voll Geld über den Baum abschüttete, solchen zu erquicken, daß sie das Beste von oben herab auffiengen und den untersten soviel als nichts zukommen ließen. Dahero pflegten von den untersten mehr Hungers zu sterben, als ihrer vom Feinde umkamen, welcher Gefahr miteinander die höchste entübrigt zu sein schienen. Dahero war ein unaufhörliches Gekrabbel und Aufklettern an diesem Baum, weil jeder gern an den obristen glückseligen Orten sitzen wollte. Doch waren etliche faule liederliche Schlingel, die das Kommißbrod zu fressen nicht wert waren, welche sich wenig um eine Oberstelle bemüheten, und einen Weg als den andern tun mußten, was ihre Schuldigkeit erforderte. Die Unterste, was ehrgeizig war, hoffeten auf der Obern Fall, damit sie an ihren Ort sitzen möchten, und wann es unter zehen Tausenden einem geriet, daß er so weit gelangte, so geschahe solches erst in ihrem verdrüßlichen Alter, da sie besser hintern Ofen taugten, als im Feld vorm Feind zu liegen und demselben die Spitze zu bieten; und wann schon einer wohl stund und seine Sache rechtschaffen verrichtete, auch sich tapfer in allen Gefahren verhielte, so ward er von andern geneidet oder sonst durch einen unversehenlichen unglücklichen Dunst beides, der Scharge und des Lebens, beraubt. Nirgends hielt es härter als an obgemeldtem glatten Ort; dann welcher einen guten Feldwaibel oder Scherganten hatte, verlor ihn ungern, welches aber geschehen mußte, wann man einen Fähnrich aus ihm gemachet hätte. Man nahm dahero anstatt der alten Soldaten viel lieber Plackscheißer, Kammerdiener, erwachsene Pagen, arme Edelleute, irgends Vettern und sonst Schmarotzer und Hungerleider, die denen, so etwas meritiert, das Brod vorm Maul abschnitten und Fähnrich wurden.
Quelle: H. J. C. Grimmelshausen, Der abentheuerliche Simplicissimus, herausgegeben von Adolf A. Steiner. Zürich: Stauffacher 1969, S. 24-37, 54-62.