Quelle
Quelle: Annemarie Hase, „An allem sind die Juden schuld!“, 1931. Text: Friedrich Hollaender, Musik: Georges Bizet (Carmen).
Dieses satirische Lied wurde im September 1931 als Teil der Kabarett-Revue Spuk in der Villa Stern des produktiven deutsch-jüdischen Komponisten Friedrich Hollaender in seinem Tingel-Tangel-Theater in Berlin uraufgeführt. Hollaender unterlegte seinen bissigen Text mit der berühmten Melodie der Arie „Habanera“ aus Bizets Oper Carmen, was die Absurdität der unbegründeten antisemitischen Anschuldigungen, die sein Lied karikierte, zusätzlich unterstrich. Das Lied enthält mehrere zeitgenössische Anspielungen, darunter auf die deutsche Bankenkrise vom Juli 1931, die das Finanzinstitut Danat (die Darmstädter und Nationalbank) nur zwei Monate zuvor mit seiner Insolvenz ausgelöst hatte. Zudem findet sich im Text ein explizit selbstreferenzieller Verweis: Hollaender hatte 1930 das Lied „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ komponiert, das Marlene Dietrichs Filmkarriere lancierte und zu ihrem Markenzeichen wurde. In dieser Aufnahme hören wir die deutsch-jüdische Sängerin und Schauspielerin Annemarie Hase, die „An allem sind die Juden Schuld!“ singt, genau wie bei der Premiere der Revue 1931. Sowohl die Interpretin als auch der Komponist des Liedes konnten nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten aus Deutschland fliehen – Hase nach London und Hollaender nach Hollywood, wo er sich eine neue Karriere als erfolgreicher Filmkomponist aufbaute.
Quelle: Annemarie Hase, „An allem sind die Juden schuld!“, 1931. Text: Friedrich Hollaender, Musik: Georges Bizet (Carmen).