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Reporter: Herr Dr. Eckener, unter Führung von Herrn Oberbürgermeister Sahm, mit all den Ehrengästen kommt jetzt zum Mikrofon. Dr. Eckener hat einen Blumenstrauß in der Hand, neben ihm Professor Samoilowitsch. Und wir werden jetzt gleich die Eindrücke hören, die uns Dr. Eckener, der Leiter der Expedition und der Luftschiffführer schildern werden.
Bürgermeister Sahm: Mein sehr verehrter Herr Dr. Eckner, herzlich heißt Sie, Ihre Mitarbeiter und die ganze tapfere Besatzung die Reichshauptstadt, durch mich bei der glücklichen Landung in der Heimat willkommen. Mit Jubel hat Berlins Bevölkerung das stolze Schiff von hier aus zum kühnen Fluch in die Arktis aufsteigen sehen.
Mit größtem Interesse und wenn kurze Zeit die Nachrichten ausblieben, auch mit banger Sorge, haben wir alle Phasen ihrer kühnen Fahrt verfolgt. Und heute, wo sie wieder den Fuß auf den deutschen Boden setzen, begrüßt Sie wieder der brausende Jubel der Berliner. In Zeit tiefster Not erscheint uns das silberglänzende Luftschiff als ein Symbol für den so heiß ersehnten Aufstieg. An Ihnen wollen wir lernen, was zäher Wille und festes Vertrauen leisten können. Als Triumphator der Wissenschaft und Technik kehren Sie mit neuem Ruhm gekrönt zurück. Mit uns blickt die ganze Welt bewundernd auf Ihr Werk, durch das Sie in Gemeinschaft mit den Pionieren der Wissenschaft des russischen Volkes der Menschheit neues Wissen für weitere Forschungsarbeiten erschlossen haben.
Ich danke Ihnen, dass Sie bereitwillig meiner Bitte entsprochen haben, auch auf der Rückkehr in Berlin eine Zwischenlandung vorzunehmen. Und ich bitte Sie, in Erinnerung an Ihren Aufenthalt in Berlin, das Wappentier der Stadt Berlin, den alten Bären, das Zeichen der Kraft anzunehmen. Und Sie alle, meine Herrschaften, bitte ich mit mir einzustimmen in den Ruf. Herr Dr. Eckener, seine Mitarbeiter und die ganze tapfere Besatzung, Sie leben hoch! Hoch! Hoch! Hoch Hoch! Nun soll das Deutschlandlied anstimmen.
[Menge singt] Deutschland, Deutschland, über alles,
Über alles in der Welt,
Wenn es stets zu Schutz und Trutze
Brüderlich zusammenhält,
Von der Maas bis an die Memel,
Von der Etsch bis an den Belt –
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt!
Eckener: Sehr verehrter Herr Oberbürgermeister, ich danke Ihnen zugleich im Namen der Besatzung für den freundlichen Willkommensgruß, den Sie eben ausgesprochen haben. Und ich freue mich besonders über die Genugtuung und Freude, die aus Ihren Worten spricht über die jetzt von uns beendete Fahrt. Ich darf offen sagen, auch wir sind sehr erfreut, denn es konnte wirklich mit seinem guten Glück das Luftschiff, das alte, brave Luftschiff darf ich schon fast sagen, wieder eine recht erfolgreiche Fahrt hinter sich bringen.
Über die wissenschaftlichen Resultate, die wir heimgebracht haben, möchte ich mich nicht äußern. Dieses überlasse ich berufenerem Munde. Wir haben ja vielleicht nicht alles erfüllt, was man von uns erwartete, aber ich bin nicht ganz sicher, ob dasjenige, was über unsere Pläne in den Zeitungen zu lesen stand, auch wirklich je von uns geplant war.
Ich habe mich insbesondere darüber zu freuen, Dass das Luftschiff wieder seine Leistungsfähigkeit an neuen Problemen und Aufgaben erweisen konnte. Es ist die Fahrt nun keineswegs in der Art und Weise verlaufen, wie man im Allgemeinen es erwartete. Man glaubte ja, wir würden hineingehen in eine Region des Frierens, der Eisbelastung, der schwersten Föhn und so weiter und hat sehr für das Luftschiff gebannt, wie ich weiß.
Wir sind in keinem Moment darüber im Zweifel gewesen, dass die Fahrt in die Arktis eine verhältnismäßig Leichte sein würde und ich darf wohl sagen, ich habe in den letzten acht Tagen vor Antritt der Fahrt eigentlich niemals drüber nachgedacht, dass so etwas wie eine Arktisfahrt uns bevorstand.
[...]
Samoilowitsch: Ja, mit dem Luftschiff bin ich zum ersten Mal. Sonst ist es meine, ja ich glaube 18. meine Expedition in die Arktis.
Reporter: Ja, Herr Professor, eine weitere Frage. Können wir hören, welche Gefühle Sie auf dieser Fahrt gehabt haben, welche gewaltigen Eindrücke Sie gewonnen haben?
Samoilowitsch: Ich habe mich nicht vorbereitet, über die Gefühle zu sprechen. Ich dachte, dass ich sollte über die wissenschaftlichen Resultate einige Worte sagen. Und in dieser Beziehung ich war erstaunt, was für ein ausgezeichnetes Mittel ist das Luftschiff für die Erforschung der Arktis. Ich glaube, dass man müsste brauchen vielleicht zwei, drei Jahre, um diejenigen topografischen Arbeiten zu machen, welche wir von dem Luftschiff in der Arktis gemacht haben.
Und dann verschiedene andere wissenschaftliche Arbeiten, wie meteorologische, aerologische, mit besonderen Apparaten, wie geophysikalische Arbeiten, die werden, bin ich sicher, ausgezeichnete Resultate geben.
Quelle: Empfang für die Mitglieder des Luftschiffes „Graf Zeppelin“ nach ihrer Arktis-Reise auf dem Tempelhofer Flughafen in Berlin (Ausschnitt), July 30, 1931. Deutsches Rundfunkarchiv K000345968