Kurzbeschreibung
Dieser Filmausschnitt aus dem Jahr 1927 zeigt einen Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in der Industriestadt Mannheim. Er zeigt Kinder, die miteinander und mit dem Schaf des Kindergartens spielen, was den pädagogischen Einfluss der Montessori-Methode widerspiegelt, die das spielerische Lernen betont. Der von der AWO selbst produzierte Film sollte die vielfältigen Unterstützungsleistungen der Organisation für Arbeiterfamilien präsentieren. Die AWO war ein Produkt der Weimarer Republik. Die SPD-Politikerin und Sozialreformerin Marie Juchacz gründete die Organisation im Dezember 1919 als Wohlfahrtszweig der Sozialdemokratischen Partei, um denjenigen zu helfen, die unter den Folgen des Krieges und der anhaltenden Seeblockade litten, darunter Witwen, Waisen, körperlich beeinträchtigte Kriegsveteranen und Asylsuchende. In einer Zeit, in der die Kirchen noch die einzigen Anlaufstellen für Wohltätigkeit und soziale Unterstützung waren, spiegelte Juchacz’ Idee eine bemerkenswerte Vision wider. Die AWO expandierte in den folgenden zehn Jahren erheblich und umfasste nun Seniorenheime, Beratungsstellen, kostenlose Konzerte und Kinderbetreuung. Obwohl Kinder nach deutschem Recht nicht zum Kindergartenbesuch verpflichtet waren, verpflichtete das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz von 1922 die Gesellschaft dazu, junge Menschen bei der Entfaltung ihres Potenzials zu unterstützen, wenn ihre Familien dazu nicht in der Lage waren. Eine Reihe religiöser und säkularer Institutionen, darunter auch die AWO – wie dieser Clip zeigt –, versuchten, dieser Verpflichtung nachzukommen. Die Nazis verboten die AWO 1933, doch Sozialreformer gründeten sie 1946 neu, und sie stellt noch heute ein bleibendes Vermächtnis der sozialen Innovationen der Weimarer Republik dar.
Ein Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt (1927)
BArch