Kurzbeschreibung

Die Statistik zeigt die Verteilung der Studierenden in Deutschland nach Fachrichtungen und ausgewählten Fächern für das Sommersemester 1928 sowie das Wintersemester 1936/37. Insgesamt nahm die Studierendenzahl innerhalb des dargestellten Zeitraums ab. Während sich nach dem Ersten Weltkrieg die Zahl der Studierenden in der Weimarer Republik zunächst erhöhte, ist der deutliche Rückgang bis 1936/37 vor allem auf die Bildungs- und Hochschulpolitik des NS-Regimes zurückzuführen: So wurden beispielsweise jüdische Studierende durch antisemitische Regelungen und Gesetzgebungen weitgehend verdrängt, auch der Zugang von Frauen zum Studium sollte begrenzt werden. Zudem verlor die universitäre Bildung insgesamt an Ansehen. Für den Zeitraum zeigen sich jedoch Unterschiede zwischen den einzelnen Fachgruppen: Während manche Fächer wie Theologie oder Medizin, die gute Berufsaussichten und in der Gesellschaft ein hohes Ansehen besaßen, konstante oder sogar steigende Studierendenzahlen aufwiesen, gingen die Zahlen in anderen Bereichen zurück. Auch die Zahl der weiblichen Studierenden stieg trotz entgegenlaufender Maßnahmen der Nationalsozialisten im Vergleich zu 1928 bis 1936/37 leicht an, wobei sich dies je nach Fächergruppen unterschied. Diese Tendenz verstärkte sich nach Ausbruch des Krieges noch. Die Zahl der weiblichen Studierenden stieg ab diesem Zeitpunkt stark an und erreichte bis zum Kriegsende fast ein paritätisches Verhältnis.

Studierende nach Fachgruppen und Fächern (1928 und 1936/37)

Quelle

Studierende an wissenschaftlichen Hochschulen nach Fachgruppen und ausgewählten Fächern

Fach und Fachgruppe

Sommersemester 1928

Wintersemester 1936/37

Studierende

Studierende

Anzahl

%

Anteil der Student-
innen %

Anzahl

%

Anteil der Student-
innen %

I. Theologie

6 110

5,5

2,5

7 656

10,6

1,1

Evangelisch

3 467

3,1

4,0

2 775

3,9

2,7

Katholisch

2 643

2,4

0,5

4 881

6,8

0,2

II. Geisteswissenschaften

19 906

18,0

28,0

13 778

19,2

26,6

Germanistik

1 763

2,4

43,5

Alte Sprachen

330

0,4

11,2

Neue Sprachen

924

1,2

45,4

III. Rechtswissenschaften

22 982

20,7

3,4

5 764

8,0

1,7

IV. Wirtschaftswissenschaften

10 890

9,8

9,8

5 015

7,0

15,6

Volkswirtschaft

2 344

3,3

16,5

Kaufmänn. Studium

1 805

2,5

4,9

V. Medizin

16 570

15,0

14,9

23 887

33,2

18,1

Humanmedizin

11 935

10,8

16,2

17 954

25,0

18,5

Zahnmedizin

3 274

3,0

13,5

2 938

4,1

19,3

VI. Naturwissenschaften

14 836

13,4

18,3

5 266

7,3

14,6

Chemie

2 482

3,4

10,2

Mathematik, Physik

1 804

2,5

12,1

VII. Land- u. Forstwirtschaft

3 372

3,0

2,1

1 935

2,7

1,6

VIII. Technische Wissenschaften

16 142

14,6

0,5

8 549

11,9

1,0

Architektur

1 781

1,6

3,1

1 283

1,8

3,7

Bauingenieurwesen

2 309

2,1

0,2

1 702

2,4

0

Elektrotechnik

3 802

3,1

0,2

1 602

2,2

0,1

Berg- u. Hüttenkunde

1 395

1,3

0

459

0,6

0,2

insgesamt

110 808

100

11,6

71 850

100

13,7

II. Geisteswissenschaften: Germanistik, Alte und Neue Sprachen, Geschichte, Musikwissenschaft, Zeitungswissenschaft, Leibeserziehung, Auslandswissenschaft, Erziehungswissenschaft einschließlich Volksschullehreranstalten, Sonstige.

IV. Wirtschaftswissenschaften: Volkswirtschaft, Kaufmännisches Studium, Wirtschaftsingenieur, Handelslehramtsstudium, Berufs-und Gewerbeschulstudium.

V. Medizin: Humanmedizin, Zahnmedizin, Tierheilkunde, Pharmazie.

VI. Naturwissenschaften: Chemie, Physik, Mathematik, Geographie, Geologie, Mineralogie, Biologie, Sonstige.

VII. Land-und Forstwirtschaft: Landwirtschaft, Forstwissenschaft, Brauereiwesen, Gartenbau, Sonstige.

VIII. Technische Wissenschaften: Architektur, Bau-, Maschinenbau, Papieringenieurwesen, Textiltechnik, Elektrotechnik, Schiffbau, Luftfahrzeugbau, Schiffmaschinenbau, Markscheidewesen, Bergbau-, Eisen-, Metallhüttenkunde, Geodäsie, sonstige technische und allgemeine Wissenschaften.

Quelle: Sozialgeschichtliches Arbeitsbuch, Band III, Materialien zur Statistik des Deutschen Reiches 1914–1945, Hrsg. Dietmar Petzina, Werner Abelshauser und Anselm Faust. München: Verlag C.H. Beck, 1978, S. 171.