Quelle
Letzter Appell!
Reichskanzler v. Papen im Rundfunk – Scharfe Worte gegen Hitler
Reichskanzler v. Papen hielt Freitag abend im Rundfunk folgende Ansprache:
Meine deutschen Landsleute!
Der Wahlkampf nähert sich dem Ende. Da ist es Aufgabe des verantwortlichen Staatsmannes, dem deutschen Volke noch einmal ein klares Bild der Lage und seiner Zukunft zu geben.
Um was es geht, ist doch dieses: Nicht ob dieser oder jener Parteiführer auf dem Kanzlerstuhle sitzt, nicht ob dieser Mann Hitler, Brüning oder Papen heißt. Es geht darum, daß wir uns zusammenfinden, um die Lebensgrundlagen des deutschen Volkes zu sichern.
Wir alle gehören zusammen. Wir wollen nichts anderes als helfen. Niemand soll von der gemeinsamen Arbeit ausgeschlossen werden und auch die Behauptung, wir wollten die Frau des Wahlrechts berauben, ist eine der zahlreichen Wahllügen. Diese Regierung vertritt keine Partei, und sie wirbt für keine Partei. Aber jeder, der es ehrlich mit Deutschland meint, sollte in diesem Wahlkampfe seine Stimme einer Partei geben, die das Ziel dieser Regierung unterstützt.
Was diese Reichsregierung wollte und weiter will, das hat zwar die Parteipresse aller Schattierungen verzerrt und verleumdet. Aber unsere Arbeit spricht für uns. Man kann nicht in fünf Monaten sechs Millionen Arbeitslose von der Straße bringen, die zerrütteten Finanzen ordnen, den aufgeblähten öffentlichen Apparat zusammenschweißen, staats- und volkswirtschaftspolitische Reformen durchführen, auf die das Volk seit Jahren wartet. Aber überall ist der Anfang gemacht, die Resultate der Parteiherrschaft zu beseitigen. In Preußen ist mit eiserner Hand zugegriffen, um durch rigorose Sparsamkeit in der Verwaltung oben und unten die unerträglichen Lasten zu senken. Für die Landwirtschaft und die Gesundung des Binnenmarktes sind Milliarden aufgewendet. Das gesamte Finanz- und Wirtschaftsprogramm ist ein Beweis eigener Kraft – nicht um einen Pfennig sind unsere Auslandsschulden vermehrt.
All diese Arbeit soll gekrönt werden durch die Reform der Verfassung, die wir mit den Ländern und den Parlamenten durchzuführen hoffen. Diese Erneuerung muß unser Ziel sein, wenn wir am 6. November wählen.
Wenn wir aber das Trümmerfeld übersehen, das die Verhetzung dieser letzten Wochen geschaffen, dann können wir eigentlich alle nur von einem Gedanken beseelt sein: Deutschland ist nur zu retten, wenn alle wieder von dem Geiste der Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft erfüllt sind, der einst im Schützengraben den Geheimratssohn und den Bauernknecht zur Kameradschaft auf Tod und Leben verband. Nur dieses engste Herzensband der Kampfgemeinschaft hat Deutschland zu so unerhörten Leistungen im Kriege befähigt. Kann es nicht heute wieder so sein?
Wollen wir nicht endlich gemeinsam am Aufbau der Nation arbeiten? Nicht endlich die „Durchbruchsschlacht deutscher Selbstbesinnung“ schlagen? Das ist die Schicksalsfrage, die ich vor allem auch an die große nationale Freiheitsbewegung Deutschlands richte.
Hinter dem politischen Wirken unserer Zeit scheint nur Haß und Verleumdung zu stehen. Wenn der mittelalterliche Scheiterhaufen nicht so unmodern geworden wäre, dann wäre von mir und von dieser Reichsregierung heute nur noch eine Handvoll Asche übrig. Ich sage: Hinweg mit diesem Scheiterhaufen, hinweg mit dieser Vergiftung unserer Zeit. Aufbauen kann man nur mit Vertrauen und Liebe. Laßt uns an unsere Christenpflicht erinnern und an den tiefen Sinn des Opfers der zwei Millionen unserer besten Söhne.
Wer Deutschland liebt, der folge dem Rufe seines geliebten Führers in Krieg und Frieden, der wie ein Wahrzeichen seine schützende und gerechte Hand über unser Land hält. Hört auf ihn – der nicht müde wurde, euch zur Einigkeit aufzurufen. – Schließt die Reihen, damit nach dem 6. November die wahren nationalen Kräfte, geläutert aus dem Glutofen dieser Notzeit emporwachsen.
Mit Hindenburg für ein neues Deutschland!
Quelle: „Letzter Appell“, Deutsche Allgemeine Zeitung, 6. November 1932.