Kurzbeschreibung

In dieser Aufnahme vom 29. Mai 1929 berichtet der seinerzeit weitläufig bekannte Rundfunksprecher und Ingenieur Friedrich Georg Knöpfke über die Grundsteinlegung für den Bau des Hauses des Rundfunks in Berlin, einer hochmodernen Einrichtung für das schnell wachsende neue Medium Radio. Der renommierte Architekt Hans Poelzig entwarf das Gebäude speziell für die Anforderungen des Rundfunks, beispielsweise mit einer geschwungenen Außenwand, um die Studios vor Straßenlärm zu schützen. Bis 1929 hatte das Radio dank sinkender Preise für Empfangsgeräte und einer immer vielfältigeren Programmgestaltung Einzug in rund 3 Millionen Haushalte gehalten. Knöpfkes Stimme und sein legendärer Sendezeichenruf „Achtung, Achtung! Hier ist die Sendestelle Berlin!“ begrüßten die Hörer seit Beginn des regulären deutschen Rundfunkbetriebs im Jahr 1923, sodass seine Berichterstattung über dieses Ereignis besonders passend war. Knöpfke schließt sich den anwesenden Würdenträgern an und unterstreicht die Kraft des Radios, Menschen zusammenzubringen, weiterzubilden und ihre Fantasie anzuregen. Diese Auffassung spiegelte durchaus die Hoffnungen und Ambitionen für das neue Medium in seinen Anfängen wider. Das frühe Programmangebot bediente eine Vielzahl von Geschmäckern, von klassischer Musik über Gymnastikanleitungen bis hin zu nationalen und internationalen Nachrichten und Vorträgen über Kunst und Wissenschaft. Entsprechend diesen Ambitionen unterhielt der Radiosender sogar ein eigenes Symphonieorchester, das am Ende der Feierlichkeiten 1929 die Ouvertüre zu Wagners Oper Die Meistersinger spielte. Das Gebäude wurde 1931 fertiggestellt und im Januar desselben Jahres begannen die Radiosendungen direkt aus dem Haus des Rundfunks.

Grundsteinlegung für das Haus des Rundfunks in Berlin (29. Mai 1929)

Quelle

Knöpke:  Wir legen den Grundstein vom Haus einer großen, wahren Freundschaft. Von hier aus werden über die Jahre Menschen mit der Klarheit ihrer Stimme, ihrer Gesinnung, ihrer Kunst, ihrer Kenntnis der ganzen Welt dienen. Von hier aus werden sie zu ihren Mitmenschen gehen, ohne das Haus, das sich über diesen Stein erheben wird, zu verlassen. In diesem Haus werden Funken der Liebe, der Freude, der Ermutigung zu allem Schönen, Wahren, Großen wachgehalten werden. Daran wollen wir denken, jedes Mal, wenn wir das künftige Haus Funkhaus nennen.

[...]

Es sollen aus dem Funkhaus Darbietungen deutscher Kunst und deutscher Wissenschaft in alle deutschen Gaue an zur Zeit fast drei Millionen deutscher Rundfunkteilnehmer und weit über Deutschlands Grenzen hinaus in alle Welt durch Rundfunk verbreitet werden. Möge das Haus für die jetzigen und kommenden Geschlechter eine Stätte wahrer Kultur sein.

Bei der Grundsteinlegung waren der Vorsitzende des Aufsichtsrats und der geschäftsführende Direktor Stückeln-Merten. Wir legen nunmehr die Bauurkunde in eine Kassette und fügen den Text der Rede, die hier gehalten wurde, bei. Desgleichen eine Niederschrift der Worte, die zu den Hammerschlägen hier besprochen wurden. Wir fügen weiter bei, eine Anzahl von Büchern und Schriften, aus denen der Stand der heutigen Rundfunkbewegung ersichtlich ist. Während das Funkorchester zum Abschluss der Feier das Vorspiel zu den Meistersingern spielt, wird die Kassette verlötet und in den Grundstein eingemauert werden. [Musik]

Quelle: Grundsteinlegung zum "Haus des Rundfunks" in Berlin-Charlottenburg, Masurenallee, 29. Mai 1929. Deutsches Rundfunkarchiv K000803778

DRA