Kurzbeschreibung

In diesem Ausschnitt einer Tonaufnahme vom Juni 1919 forderte Ministerpräsident Gustav Bauer (SPD) die deutsche Nationalversammlung auf, für die Unterzeichnung des Versailler Vertrages zu stimmen, obwohl sie dessen Prämissen, Bedingungen und Auflagen zutiefst ablehnten. Bauer befand sich in einer äußerst misslichen Lage: Er hatte sein Amt erst zwei Tage zuvor angetreten, nachdem sein Vorgänger und Parteigenosse Philipp Scheidemann aus Protest gegen den Vertrag zurückgetreten war. Scheidemann wusste, dass Deutschland keine andere Wahl blieb, als die Forderungen der Alliierten zu akzeptieren, und seine großspurige Geste überließ seinem Nachfolger die unangenehme Aufgabe, die Nationalversammlung zur Zustimmung zu bewegen. Bauer hatte sich bereits am 22. Juni – genau einen Tag vor dieser Rede –, bewährt, als er die Nationalversammlung davon überzeugte, die Unterzeichnung unter der Bedingung zu unterstützen, dass die Alliierten den „Kriegsschuldparagrafen” streichen, welcher Deutschland allein die Verantwortung für den Krieg zuschrieb. Die Alliierten lehnten diese Bedingung rundweg ab und stellten der deutschen Regierung nur wenige Stunden vor dieser Rede am 23. Juni ein Ultimatum: entweder unterschrieb sie den Vertrag ohne Änderungen, oder sie müsse sich auf einen erneuten militärischen Konflikt einstellen. Nur vier Stunden vor Ablauf des Ultimatums der Alliierten erklärte Bauer eindringlich, warum seine Regierung den Vertrag unterzeichnen müsse, damit Deutschland nicht in erneute Feindseligkeiten mit den übermächtigen Alliierten verwickelt werde, die in Zukunft noch rachsüchtigere Bestimmungen auferlegen würden. Darüber hinaus blockierte die britische Marine bis zur Unterzeichnung durch die deutsche Regierung jegliche Lieferungen dringend benötigter Lebensmittel und Versorgungsgüter in deutsche Häfen – was deutsche Regierungsvertreter als „Hungerblockade“ bezeichneten. Angesichts dieser Zwangslage stimmte eine Mehrheit der Nationalversammlung schließlich für die Unterzeichnung des Versailler Vertrages und die Beendigung des Kriegszustands, obwohl alle Parteien in der Nationalversammlung, einschließlich Bauers eigener SPD, den „Kriegsschuldparagrafen“ vehement ablehnten. Fünf Tage später, am 28. Juni, unterzeichnete die deutsche Delegation widerstrebend den Vertrag. Elf Tage später, in einer weiteren umstrittenen Sitzung, ratifizierte die Nationalversammlung den Vertrag mit 209 zu 116 Stimmen, wobei die DDP sich weigerte, sich ihren Koalitionspartnern SPD und Zentrum anzuschließen und die bitter notwendigen Stimmen für die Ratifizierung abzugeben. Nachdem er diese erste Feuerprobe überstanden hatte, gelang es Gustav Bauer, bis März 1920 im Amt zu bleiben, wobei die im August 1919 verabschiedete neue Verfassung vorsah, dass sein Amtstitel formell von „Ministerpräsident“ in „Reichskanzler“ geändert wurde.