Kurzbeschreibung

Dieser beschwingte Foxtrott aus dem Jahr 1932 mit dem Titel „Hast du schon Berlin bei Nacht gesehen?“ preist die Vergnügungsmöglichkeiten der Stadt, indem er eine imaginäre Nacht in der Stadt beschreibt, von Kabaretts bis hin zu Tanzclubs. Im Refrain heißt es: „Heute Nacht gehen wir nicht ins Bett.“ Aufgenommen auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise, als die Arbeitslosenquote in Deutschland auf 30 % stieg, verspricht der Text: „Komm, mein Freund, heute Abend lade ich dich ein“ und lädt damit die finanziell angeschlagenen Zuhörer zu einer Flucht in die Fantasie ein. Lieder wie dieses erfreuten sich während der gesamten Weimarer Republik großer Beliebtheit, egal ob sie zu Hause auf Grammophonen gespielt oder von Tanzorchestern in Lokalen im ganzen Land aufgeführt wurden. Richard Forst und sein Orchester traten in den frühen 1930er Jahren regelmäßig auf und spezialisierten sich auf jazzige Arrangements, die von der amerikanischen Musikkultur inspiriert waren, insbesondere vom Foxtrott, dessen Synkopen und Tanzbarkeit (langsam-schnell-schnell oder langsam-langsam-schnell-schnell) nach dem Krieg in Europa einen Boom ausgelöst hatten. Der Studiosänger Paul Dorn nahm unterdessen Hunderte von Stücken mit verschiedenen Orchestern und Plattenlabels auf und wurde so zu einem der meistaufgenommenen Interpreten populärer Lieder in der späten Weimarer Republik. Dorn nahm in den 1930er Jahren weiterhin in Deutschland Platten auf, doch Forsts jüdische Herkunft zwang ihn nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 zur Emigration in die Niederlande. Dort trat Forst bis mindestens 1937 weiterhin vor niederländischem Publikum auf.

Richard Forst und sein Orchester, „Hast Du schon Berlin bei Nacht gesehen“ (1932)

Quelle

Quelle: Richard Forst und sein Orchester, „Hast du schon Berlin bei Nacht gesehen.“ Musik und Text: Alfred Jack, Gesang: Paul Dorn. Brilliant Label, 1932.