Quelle
Das Protokoll der Sitzung findet sich unter https://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_w5_bsb00000128_00688.html
Diese Aufzeichnung enthält einige der Parlamentsreden und Debatten, die am 5. Februar 1931 im Reichstag stattfanden, als die Abgeordneten sich mit den Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise auseinandersetzten. In diesem Ausschnitt hören wir zunächst Reichskanzler Heinrich Brüning (Zentrum), der drastische Sparmaßnahmen und ein Ermächtigungsgesetz forderte, um der Regierung die Durchsetzung dieser Maßnahmen zu ermöglichen, ohne die Mehrheit der Reichstagsabgeordneten hinter sich vereinen zu müssen. Gegen Ende seiner Rede sprach Brüning über einen Plan zur Unterstützung des schwächelnden Agrarsektors insbesondere in den östlichen Regionen des Landes und unterstrich seine Forderung, dass Deutschland die Reparationszahlungen an die westlichen Alliierten einfach einstellen solle. Die Aufnahme fängt deutlich die turbulente Atmosphäre vieler Reichstagsdebatten ein, wobei in diesem speziellen Fall besonders lautstarke Zwischenrufe von den Mitgliedern der KPD und der NSDAP kamen. Brüning hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seit fast einem Jahr das Amt des Reichskanzlers inne, nachdem er es Ende März 1930 übernommen hatte. Als ausgebildeter Ökonom sah Brüning Haushaltskürzungen und Deflation als Schlüssel zur Wiederbelebung der Wirtschaft, doch um diese äußerst unpopulären Initiativen ohne eine parlamentarische Mehrheit hinter sich durchzusetzen, musste er sich auf die von Präsident Hindenburg erlassenen Notverordnungen stützen.
Im weiteren Verlauf dieses Ausschnitts hören wir Joseph Goebbels’ scharfe Kritik an Brünings Politik, begleitet von Jubelrufen der NSDAP-Fraktion, die zu dieser Zeit die zweitgrößte Anzahl an Sitzen im Reichstag innehatte. Goebbels machte insbesondere Brüning für die sich verschärfende Arbeitslosigkeit und die immer prekärere Lage der Arbeiterschaft verantwortlich. Trotz seiner Verachtung für die parlamentarische Demokratie vertrat Goebbels seit Mai 1928 die NSDAP im Reichstag, wo er und die anderen NSDAP-Abgeordneten die parlamentarische Tribüne eifrig nutzten, um ihre Breitseiten gegen die Regierung und die Republik insgesamt abzufeuern. Mitte der 1920er Jahre begann der Reichstag, die Tonaufzeichnung von Reden und Debatten zuzulassen, doch die frühe Aufnahmetechnik konnte zunächst nur kurze Passagen aufzeichnen und speichern. Bis 1930 hatte sich die Technologie jedoch so weit entwickelt, dass längere Abschnitte, wie die hier zu hörenden, gespeichert werden konnten, wenn auch noch keine Reden in ihrer Gesamtheit.
Das Protokoll der Sitzung findet sich unter https://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt2_w5_bsb00000128_00688.html
SWR